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Wirtschaft
09/18/2019

Saftige Pleite eines bekannten Gastro-Betriebs mit drei Restaurants

91 Mitarbeiter sind betroffen, zu besten Zeiten wurden sogar 113 Mitarbeiter beschäftigt.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

„Der Verlust im Wirtschaftsjahr 2017/2018  (Stichtag: 31. März) ist hauptsächlich durch die erhöhten Personalkosten entstanden. Diese wurden vom Garantie- auf das Festlohnsystem umgestellt. Dadurch entstand ein Mehraufwand von rund 240.000 Euro. Im laufenden Wirtschaftsjahr 2018/2019 konnten durch Umstrukturierung und Mitarbeitereinsparung die Lohnkosten im Vergleichszeitraum April bis September um 160.000 Euro vermindert werden“, teilt das Unternehmen in Sachen negatives Eigenkapital dem Firmenbuchgericht mit. „Im abgelaufenen Wirtschaftsjahr wurde auch der Betriebsleiter im Löwenhaus ersetzt. Der neu im Vorjahr hinzugekommene Geschäftsbereich der Verkaufswagen konnte bis zum Bilanzdatum die Erwartungen nicht erfüllen. Zum 30. September 2018 konnte der Umsatz der Verkaufswagen um zirka 10.000 Euro gesteigert werden.“

Und weiter heißt es: „Der Bruttogewinn bis September im laufenden Geschäftsjahr ist um rund 84.000 Euro höher als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Mit den Verpächtern und mit der Stadt Innsbruck wird über eine Pachtreduktion verhandelt. In den Folgejahren ist mit Gewinnen zu rechnen, aus denen das negative Eigenkapital abgedeckt werden kann. Aus Sicht der Geschäftsführung ist der Fortbestand des Unternehmens nicht gefährdet.“

Dazu muss man auch folgende Zahlen kennen: Im Geschäftsjahr 2017/18 hatte der Gastro-Betrieb "Cammerlander s  GmbH" laut Firmencompass 113 Mitarbeiter und 896.000 Euro Schulden. Der Bilanzverlust 2017/2018 betrug 429.300 Euro,  der Jahresverlust 186.200 Euro. Die Lage war also schon sehr brenzelig. Das negative Eigenkapital wurde mit -411.885 Euro ausgewiesen.

 

Zukunft besiegelt

Jetzt musste der Betrieb, der die Restaurants Cammerlander, Geisterburg und Löwenhaus in Innsbruck und Hall betreibt, laut KSV1870 Insolvenz anmelden. Die Gesellschafter sind Andrea Cammerlander und Anton Manfred Freisinger. Von der Stammeinlage (Grundkapital: 35.000 Euro) wurden 17.500 Euo geleistet. Freisinger ist alleiniger Geschäftsführer. Laut Creditreform sollen 91 Mitarbeiter betroffen sein. Für die Restaurants wurden mit einer Unterverpächterin Verträge geschlossen - offenbar mündlich.

Drei Lokale bereits geschlossen

Das Unternehmen betreibt als Pächterin das Restaurant Löwenhaus am Innsbrucker Rennweg und das Restaurant Cammerlanderam Innrain mit der Tapasbar am Innsbrucker Marktplatz sowie das Restaurant Geisterburg am Stadtgraben in Hall in Tirol. Letzteres Lokal ist auch eine Pizzeria. Der Geschäftsführer erklärte laut APA zu den Insolvenzursachen, dass „sich die Umsätze nicht wie geplant entwickelt hätten“. Darüber hinaus sei die Konkurrenz im Gastronomiebereich in Innsbruck und Hall sehr hart.  Das Cammerlander soll die "tragende Säule" der drei Betriebe gewesen sein.

Vor allem vom Gastgarten soll der Geschäftserfolg laut Creditreform abhängig gewesen sein, und das Gartengeschäft soll sich entgegen den Erwartungen entwickelt und in den vergangenen Saisonen hinter den Erwartungen zurückgeblieben sein. So werden nicht nur die schwer kalkulierbaren Wetterbedingungen als Problem ins Feld geführt, sondern auch die vermehrten Veranstaltungen auf dem Innsbrucker Marktplatz, die zu drastischen Rückgängen im Gartengeschäft geführt haben sollen.

Konkurrenzdruck und Baustellen

Vor allem Baustellen sollen den Betrieb gestört haben. Dazu kam, dass die Betriebsanlagen in nächster Zeit gewartet und saniert werden hätten müssen, das Geld dafür soll aber fehlen. Der operative Betrieb der drei Restaurants soll bereits heute geschlossen worden sein. Dem Vernehmen nach soll eine Wiedereröffnung nicht geplant sein.

Schulden und Vermögen

Die Verbindlichkeiten werden mit rund 555.000 Euro beziffert, davon sollen 116.000 Euro auf einen ausgenutzen Kontokorrentrahmen entfallen. Die Aktiva sollen rund 100.000 Euro betragen, davon entfällt ein Drittel auf Forderungen gegen Kunden, auf Darlehen und Kautionen. Zwar wurde ein Kostenvorschuss (4.000 Euro) zur Deckung der Verfahrenseröffnungskosten hintergelegt, darüberhinaus soll aber kein (verwertbares) Vermögen vorhanden sein.

 

AMS über Kündigungen informiert

Auch anstehende Investitionen können mangels Liquidität nicht durchgeführt werden. Ein in den letzten Monaten gestartetes Kosteneinsparungsprogramm hätte nicht die gewünschten Effekte erzielt. Die betroffenen Arbeitnehmer seien bereits beim Arbeitsmarktservice (AMS) gemeldet worden.