FILE PHOTO: A Ryanair Boeing 737 aircraft approaches Paris-Beauvais airport in Tille, France

© REUTERS / Christian Hartmann

Wirtschaft

Ryanair startet in Wien durch: Neue Flugzeuge, neue Strecken

500 Millionen Dollar Investition, 200 Arbeitsplätze, Ticket-Preise für den Sommer 2022 steigen

von Andrea Hodoschek

09/28/2021, 06:04 PM

Europas größte Billigflug-Airline Ryanair will beim Durchstarten aus der Corona-Krise die Nase vorn haben und hat die ehrgeizigen Wachstumspläne nochmals nach oben korrigiert. Am Dienstag kündigte Ryanair-Chef Michael O’Leary den bisher prallsten Sommerflugplan ab Wien an.

Der Ryanair-Boss landete (mit der eigenen Fluglinie) zwar mit einiger Verspätung in Wien, konnte die verlorene Zeit aber durch ein noch höheres Sprechtempo als sonst üblich wettmachen. „Während andere Airlines wie die AUA Flüge streichen und 1.300 Jobs abbauen, investieren wir in Wien weitere 500 Millionen Dollar.“

Für den Sommerflugplan 2022 wird Ryanair fünf neue Flugzeuge nach Wien stellen und damit auf 19 Maschinen insgesamt aufstocken. Das Investment schaffe 200 neue Arbeitsplätze – 120 Jobs für Flugbegleiter, 60 für Piloten und 20 für Ingenieure. „Gut bezahlte Jobs“, merkte O’Leary an. Die Gewerkschaft sieht das freilich ganz anders.

Mit dem Sommerflugplan 2022 nimmt die Ryanair-Group ab Wien neun neue Destinationen ins Programm. Großteils touristische Strecken, von Amann bis Rimini. Im Winter erhält Ryanair bereits 55 der 210 bestellten neuen Boeing 737-8200 („Gamechanger“), die Langversion der monatelang mit einem Flugverbot belegten 737-Max.

Ryanair CEO Michael O'Leary press conference in London

Das Fluggeschäft zieht wieder an. Die Nachfrage sei in allen Märkten erstaunlich, sagte O’Leary, die Vorausbuchungen gut. Nach Urlaub im Inland seien jetzt die Sonnen-Destinationen besonders gefragt. Da bereits einige Mitbewerber vom Markt verschwunden seien, lägen die Sitzplatz-Kapazitäten in Europa für den Sommer 2022 um 20 Prozent unter dem Vor-Corona-Niveau. Weshalb die Preise steigen würden, auch bei Ryanair. Trotzdem sei man mit einem Durchschnittspreis von 37 Euro pro Ticket nach wie vor wesentlich günstiger als die Mitbewerber und die AUA.

Kritik an Regierung

Österreichs Regierung habe keinen Wachstums- und Erholungsplan für die Luftfahrt, sparte O’Leary nicht mit Kritik an der heimischen Politik. Die Ticketsteuer von 12 Euro schade den Airlines massiv. O’Leary kritisierte wieder die 600 Millionen Euro Staatshilfe für die AUA und die Lufthansa-Milliarden als extrem unfair und pure Verschwendung, „die Steuerzahler werden ihr Geld nie zurück bekommen“. Ebenso illegal sei der geplante Mindestpreis (rund 40 Euro) für Flugtickets.

Billig-Aktion

Unbeeindruckt von den Plänen der österreichischen Regierung startet Ryanair wieder eine Billig-Aktion mit Ticketpreisen ab 19,90 Euro. Gültig für Reisen bis Ende November 2021, die Tickets müssen bis Donnerstag, 30. September, um Mitternacht gebucht werden.

Die Arbeiterkammer erstritt vor kurzem ein Urteil, dass 32 Klauseln bei der Ryanair-Tochter Laudamotion unzulässig seien, etwa die Check-in-Gebühr. Man werde dagegen vor die europäischen Gerichte gehen, kündigte O’Leary an. Es könne doch nicht sein, „dass die Gerichte den Airlines vorschreiben, welche Gebühren sie verlangen dürfen“.

"Vertrauen Sie nicht den Russen"

In Luffahrtkreisen gibt es Spekulationen, Ryanair könne sich mit russischen Flugzeuglieferanten einlassen. O'Leary hatte im September  nach zehn Monaten Verhandlungen mit Boeing über den Kauf von weiteren Flugzeugen 737-Max die Gespräche abgebrochen. Boeing habe "einen optimistischeren Ausblick auf die Flugzeugpreise als wir", sagte O'Leary, daher seien beide Seiten überein gekommen, "keine weitere Zeit mit diesen Verhandlungen zu verschwenden".

Russland will unbedingt seine Irkut MS-21 im Westen verkaufen, die ersten Flieger sogar gratis. Auf die Frage, ob er auch Flugzeuge aus Russland oder China zukaufen könnte, meinte O'Leary, Russland sehe er in nächster Zeit nicht, da erher schon aus China. Nachsatz: "Vertrauen Sie nicht den Russen".

Impf-Verweigerer

Die Lufthansa-Tochter Swiss droht impfunwilligen Besatzungsmitgliedern jetzt mit der Kündigung. Wer weiterhin eine Corona-Impfung verweigere, müsse voraussichtlich Ende Jänner 2022 mit der Kündigung rechnen, teilte die Airline am Dienstag mit. Swiss beruft sich darauf, die Impf-Verweigerung sei eine „Pflichtverletzung gemäß Gesamtarbeitsvertrag“.

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