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Wirtschaft

Rund 100.000 Seefahrer sitzen seit Monaten auf Frachtschiffen fest

Unter den Betroffenen nehmen Depressionen und Suizide zu

07/21/2021, 04:31 PM

Containerschiff. Rund 100.000 Seeleute sitzen weltweit auf Containerschiffen fest. Die meisten von ihnen hatten laut der Internationalen Schifffahrtskammer (ICS) seit Monaten keine Tag Pause an Land.

Viele dĂŒrfen wegen der neuen Corona-Wellen in ihren HeimatlĂ€ndern nicht von Bord, zumal nur die wenigsten von ihnen geimpft sind. Sie haben Freunde und Familie seit Monaten nicht gesehen, Depressionen und Suizide nehmen zu.

Einer der Betroffenen ist der indische KapitĂ€n Tejinder Singh, der seit ĂŒber sieben Monaten keinen festen Boden mehr unter den FĂŒĂŸen hatte. Wann er wieder nach Hause kann, weiß er nicht. Sein letzter Einsatz dauerte elf Monate, lĂ€nger ist laut UN-SeefahrtsĂŒbereinkommen nicht erlaubt. „Wir sind vergessen und werden als selbstverstĂ€ndlich angesehen“, klagt Singh. „Die Leute da draußen machen sich keine Gedanken darĂŒber, wie die Regale in ihren SupermĂ€rkten gefĂŒllt werden.“

Singh und die meisten aus seiner 20-köpfigen Crew haben auf einer anstrengenden Odyssee mittlerweile fast den ganzen Globus umrundet: Von Indien ĂŒber die USA ging es weiter nach China, wo sie wochenlang vor ĂŒberlasteten HĂ€fen festsaßen und darauf warteten, Fracht abzuladen. Mittlerweile ist sein Schiff nach Australien unterwegs. Die Nachrichtenagentur Reuters erreichte das Schiff irgendwo im Pazifischen Ozean.

HumanitÀre Krise

Die Vereinten Nationen sprechen von einer humanitĂ€ren Krise auf See und setzen sich dafĂŒr ein, dass Regierungen Seeleute als systemrelevante ArbeitskrĂ€fte einstufen und sie so schneller geimpft werden können. Laut SchĂ€tzungen der ICS sind nur 2,5 Prozent der Seefahrer geimpft.

Die meisten der etwa 1,7 Millionen kommerziellen Seeleute weltweit kommen aus Asien, mehr als ein Drittel stammt aus Indien und den Philippinen. In vielen asiatischen LĂ€ndern wĂŒtet die Delta-Variante des Virus und Regierungen untersagen, dass die Besatzungen an Land gehen. Manchmal wird ihnen sogar medizinische Versorgung verweigert.

Normalerweise gehen monatlich weltweit 50.000 Seeleute an und von Bord. Da diese Rotation in der Corona-Pandemie nicht funktioniert, sitzen gleichzeitig schÀtzungsweise 100.000 Seefahrer an Land fest. Sie können nicht an Bord der Schiffe gehen, auf denen sie ihren Lebensunterhalt verdienen.

Wie Gewerkschaften berichten, erwĂ€gt fast die HĂ€lfte der Seefahrer in Anbetracht der schwierigen Situation, ihren Job ĂŒberhaupt aufzugeben. Die globalen Lieferprobleme wĂŒrden sich dadurch voraussichtlich noch verstĂ€rken. Rund 90 Prozent des weltweiten Warenverkehrs entfĂ€llt auf Containerschiffe.

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