Die Talfahrt der russischen Währung hatte sich aus Furcht vor einer Verschärfung der westlichen Sanktionen im Zuge der Ukraine-Krise beschleunigt.

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Rubel-Verfall
12/16/2014

Russlands Wirtschaft vor dem Kollaps

Talfahrt geht weiter, Moskauer Börse bricht ein. Furcht vor Pleite Russlands, Bevölkerung verfällt in Kaufrausch.

Es war ein schwarzer Dienstag, an den Finanzmärkten regierte Panik. Mit dem Ölpreis stürzten auch Währungen und Aktien ins Bodenlose. Die russische Währung verlor bis zum Dienstagnachmittag um 20 Prozent an Wert. An der Moskauer Börse sackte der Rubel-Wert am Dienstag auf ein Tief. Im Devisenhandel kostete 1 Euro am Abend knapp 91 Rubel. Seit Jahresbeginn büßte der Rubel fast 60 Prozent seines Wertes ein.

Die drastische Leitzinserhöhung - die Zentralbank hob ihren Leitzins um 6,5 Prozentpunkte auf 17 Prozent (nach zuvor 10,5 Prozent) an - gegen die steigende Inflation im Land und den anhaltenden Rubelverfall scheint nicht zu greifen. An der Moskauer Börse kam es zu extremen Kursschwankungen nach der Zinsentscheidung - auch am Aktienmarkt.

Zentralbank: "Lage kritisch"

Die formal unabhängige Zentralbank hatte jüngst ihre Strategie im Kampf gegen den Verfall der Landeswährung geändert und den Wechselkurs freigegeben. Sie beendete die zuletzt gängige Praxis, Rubel-Ankäufe zur Stützung der Währung auf täglich 350 Mio. Dollar zu begrenzen. Stattdessen kündigte sie an, bei Bedarf jederzeit und in ausreichendem Umfang mit Interventionen auf spekulative Kursbewegungen zu reagieren. Die Zentralbank in Moskau nannte die Lage am Dienstag "kritisch".

Preise für Verbraucher gestiegen

Die Talfahrt der russischen Währung hatte sich aus Furcht vor einer Verschärfung der westlichen Sanktionen im Zuge der Ukraine-Krise beschleunigt. Die bisherigen Strafmaßnahmen schlagen bereits auf die russische Wirtschaft durch. Die Konjunktur ist eingebrochen. Der Rubel fällt auf immer neue Rekordtiefs. Investoren ziehen Milliarden Dollar ab. Russische Firmen haben nur noch beschränkten Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten. Hinzu kommt der sinkende Ölpreis, der der von Öl- und Gasexporten stark abhängigen russischen Wirtschaft zu schaffen macht. Durch den Währungsverfall sind zudem die Preise für russische Verbraucher erheblich gestiegen.

Der Ausblick für die Wirtschaft hat sich seit dem Sommer merklich eingetrübt. Die Notenbank in Moskau schätzt, dass die Wirtschaft im kommenden Jahr um 4,5 Prozent schrumpfen dürfte, wenn der Ölpreis im Schnitt bei 60 Dollar (48,29 Euro) pro Barrel liegt.

"Es schwirren Gerüchte herum, dass das Land in die Zustände des Krisenjahres 1998 zurückfallen könnte."

Analysten sprechen schon von Panik. "Es schwirren Gerüchte herum, dass das Land in die Zustände des Krisenjahres 1998 zurückfallen könnte", sagte Alena Afanasjewa vom Forex Club in Moskau. 1998 hatte massive Kapitalflucht eine tiefe Wirtschaftskrise ausgelöst, in der die Landeswährung ins Trudeln geriet. Das Land musste letztlich mit Milliardenkrediten des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank stabilisiert werden.

Auch Präsident Wladimir Putin stellt die wirtschaftliche Entwicklung vor große Herausforderungen. Seine Popularität beruht nicht zuletzt auf dem Versprechen von Stabilität und Wohlstand. Während Ministerpräsident Dmitri Medwedew ein Treffen der für Wirtschaftsfragen zuständigen Minister einberief, schwieg Putin - vorerst.

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