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Milliardenflut
12/05/2015

Risiken und Nebenwirkungen der Rezepte von Dr. Mario

Die EZB hat die Geldschleusen noch weiter geöffnet. Das hat auch Nachteile.

von Christine Klafl

Am Donnerstag hat die Europäische Zentralbank unter ihrem Boss Mario Draghi der Eurozone weitere Milliarden-Medikamente verordnet. Der KURIER hat einen Beipackzettel dazu entwickelt.

Länger in Quarantäne

60 Milliarden Euro steckt die EZB monatlich in den Aufkauf von Staatsanleihen. Statt im Herbst 2016 soll erst im Frühjahr 2017 damit Schluss sein, was den Gesamtbetrag auf 1,5 Billionen Euro erhöht. Das klingt fast wie Planwirtschaft. Staaten sind nicht mehr gezwungen, ihre Haushalte in Ordnung zu bringen, um günstig an Investorengelder zu kommen. Sie können sich ohnehin beinahe zu Nullzinsen verschulden – die EZB kauft alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Risiko wird dabei viel zu wenig Stellenwert eingeräumt. Die Staatsschuldenkrise ist zwar noch da, wird derzeit aber völlig ausgeblendet.

Homöopathische Dosis

Der EZB-Leitzins liegt weiterhin bei winzigen 0,05 Prozent. An diesem Satz orientieren sich mehr oder weniger die Verzinsungen vieler Spar- und Vorsorgeprodukte. Seit der jüngsten Notenbank-Sitzung ist klar: Die Zinsdosis wird noch lange im homöopathischen Bereich bleiben. Mit normalen Sparprodukten wird es damit unmöglich bleiben, die Kaufkraft zu erhalten. Bei Vorsorgeversicherungen werden die Summen, die ausgezahlt oder verrentet werden, enttäuschend ausfallen. Die Sparer sind damit die Leidtragenden der EZB-Politik. Werden weitere Anlegergelder Richtung Aktienmärkte oder Immobilien gelenkt, können dort gefährliche Preisblasen entstehen.

Bittere Pillen

Üblicherweise bekommt man Zinsen, wenn man Geld irgendwo anlegt. Nicht so Banken, die überschüssige Liquidität bei der EZB parken. Die müssen seit Juni des Vorjahres sogar Strafzinsen zahlen. Am Donnerstag wurde diese Strafdosis von 0,2 auf 0,3 Prozent erhöht. Dr. Mario (Draghi) will mit dieser Hungerkur bewirken, dass die Kreditzinsen sinken und die Banken mehr Kredite vergeben. Dafür müsste aber die Kreditnachfrage anspringen. Bei noch lahmer Konjunktur, geopolitischen Krisenherden, Flüchtlingsströmen und schwächelnden Wachstumsmärkten fehlt vielen Unternehmen der Mut zu Investitionen. Und dass die Kreditzinsen sinken, könnte sich als Fehldiagnose erweisen: Höhere Strafzinsen fressen die Bankerträge, was bedeuten könnte, dass die Institute Zinsen oder Gebühren anheben, statt sie zu straffen.

Kneippkur

Die Geld-Schwemme der EZB soll letztlich auch bewirken, dass die Inflation anzieht. Diese ist aber vor allem so tief, weil die Öl- und damit die Spritpreise so tief sind. Den Ölmärkten können auch mächtige Notenbanker nichts verordnen.

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