Riess-Hahn: „Die Mietpreisbremse ist ein Marketingsignal“

Bausparkassen kritisieren heimische Wohnpolitik, verteidigen aber die Förderung für Bausparen. In Summe 33 Millionen Euro im Vorjahr.
INTERVIEW: WÜSTENROT - RIESS-HAHN

Seit Jahresbeginn wurden die gesetzlichen Möglichkeiten zur Erhöhung von Mieten erneut verschärft und sie gelten nun auch für den freien Markt. Daran stößt sich Susanne Riess-Hahn, Chefin der Wüstenrot Bausparkasse. „Es ist ein Versuch, schnell ein Marketingsignal zu setzen.“ Dabei habe eine solche Bremse noch nirgends zu einer Lösung, sondern zu einer weiteren Verknappung und Verteuerung geführt. Riess-Hahn gesteht zwar zu, dass es in den vergangenen Jahren bei den Mietkosten beträchtliche Steigerungen gegeben habe. Und die junge Generation könnte sich nur unter äußersten Schwierigkeiten Eigentum leisten, meist nur mit Unterstützung der Eltern. Riess-Hahn sieht die Bundesländer in der Pflicht, für ausreichend kostengünstigen Neubau zu sorgen.

Aktuell wohnen laut einer vom Bausparkassenverband in Auftrag gegebenen Integral-Studie unter 1.000 Österreicherinnen und Österreichern zwischen 18 und 75 Jahren 48 Prozent zur Miete, 42 Prozent im Eigentum und der Rest bei den Eltern, in einer WG oder ähnliches. Bevorzugterweise würden gerne 82 Prozent der Befragten ins Eigentum wechseln. Im Vorjahr waren es 79 Prozent. „Der Wunsch nach Eigentum wird immer stärker“, sagt Raiffeisen-Bausparmanager Hans-Christian Vallant. 56 Prozent könnten sich dies derzeit aber schlicht nicht leisten, „das ist ein riesiger Anstieg um 14 Prozent“. Im Durchschnitt würden 75 Prozent der notwendigen Summe fehlen.

Hier kommt das Bausparen ins Spiel. 19 Prozent aller Befragten und knapp ein Drittel der potenziell Finanzierungsinteressierten würden „auf jeden Fall“ ein Darlehen bei einer Bausparkasse abschließen. „Es gibt Fixzinssätze, stabile Konditionen und Planbarkeit bei der Rückführung“, nennt Marcus Kapun, Vorstandschef der start:Bausparkasse, die Vorteile. Die Ausleihungen liegen bei 20,54 Mrd. Euro (plus 0,3 Prozent). Im Durchschnitt werden laut Vallant die Summen wieder größer und betragen mehr als 200.000 Euro.

Sparen

Auf der Sparseite wurden 434.000 Neuverträge abgeschlossen. 2024 waren es noch rund 472.000. Die Gesamtsumme kletterte dennoch um 626 Mio. Euro auf 15,2 Mrd. Euro. 37 Prozent aller Österreicher haben einen Bausparvertrag. „Bausparen hat sich sehr gut gehalten, aber natürlich gibt es ein paar neue Anbieter wie etwa Fondssparen oder Kryptos“, sagt Kaim, Chef der s Bausparkasse. Viele Menschen würden aber kein Geld verlieren wollen und daher auf das risikolose Bausparen setzen.

Zum Erfolg beitragen würde auch die staatliche Prämie von derzeit 18 Euro im Jahr, in Summe 33 Mio. Euro. „Die Prämie ist eine der sinnvollsten und effektivsten staatlichen Förderungen, obwohl sie sehr niedrig ist“, sagt Riess-Hahn. Sie sei auch geringer als in anderen Ländern. Das System sollte nicht infrage gestellt werden. „Die Prämie sollte Anreiz sein und motivieren weiter zu sparen, auch wenn sie von der Höhe her nur symbolisch ist“, sagt Vallant. Jedenfalls biete sie eine Hebelwirkung.

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