© KURIER/Jeff Mangione

Renault
08/02/2013

Renault-Chef: "Rabatte sind eine Krankheit"

Vize-Chef Carlos Tavares will die Flaute mit Qualität, E-Autos und neuem Werk in China bekämpfen.

von Robert Kleedorfer

KURIER: Der Pkw-Absatz ist in Europa in den ersten sechs Monaten des Jahres generell sehr schwach gewesen, auch für Renault. Was sind Ihre Erwartungen für das zweite Halbjahr?

Carlos Tavares: Angesichts eines um sieben Prozent rückläufigen Absatzes in Europa hat sich Renault weltweit mit minus 1,9 Prozent gut gehalten. Der Marktanteil blieb stabil. Das ist auf die neuen Modelle Clio, Capture, Dacia Sandero und das Elektroauto Zoe zurückzuführen. Für das Gesamtjahr rechnen wir in Europa für alle Hersteller im Durchschnitt mit einem Minus von nur fünf Prozent. Das heißt, dass das zweite Halbjahr besser laufen wird.

Wie zufrieden sind Sie mit der Österreich-Tochter?

Der Marktanteil hat im ersten Halbjahr im Gegensatz zu anderen Ländern zugelegt (bei Renault von 5,3 auf 5,4 Prozent, bei Dacia von 1,5 auf 2,2 Prozent, Anm.). Das liegt an der Art, wie wir unsere Fahrzeuge vermarkten. Die Qualität des Marketing ist besser als in anderen Ländern, indem die Vorzüge unserer Autos besser dargestellt werden. Dann verstehen die Kunden auch, dass wir höhere Nettopreise verlangen als Mitbewerber.

Aber es gibt doch auch bei Renault noch immer hohe Rabatte.

Da gebe ich Ihnen recht, sie sind noch immer zu hoch (lacht). Aber Rabatte sind eine weit verbreitete Krankheit in Europa. Sie resultieren aus den zu hohen Produktionskapazitäten in der Region. Nirgendwo auf der Welt sind die Rabatte beim Autokauf so hoch. Das ist nicht gesund für das Geschäft. Wir müssen in der Branche wieder den Wert der Produkte hervorheben.

Um Kapazitäten aus dem Markt zu nehmen, werden wohl Autowerke geschlossen werden müssen. Wird auch Renault betroffen sein?

Nein. Denn 80 Prozent unserer Verkäufe in einer Region werden auch in dieser Region hergestellt. Das ist auch bei vielen anderen Herstellern so, einfach, um Logistikkosten, Importzölle und Währungsrisiken gering zu halten. Daher ist es besser, dort die Autos zu produzieren, wo sie verkauft werden.

Aber die Überkapazitäten gibt es ja trotzdem.

Richtig, aber das Problem ist nicht einfach durch Schließen von Werken, was auch soziale Probleme schafft, zu lösen. In unserem Fall ging es darum, die französischen Gewerkschaften und Parteien davon zu überzeugen, dass die Werke in Frankreich mindestens so wettbewerbsfähig sein müssen wie jene in anderen Ländern Europas. Da sind die Lohnkosten nur ein Bestandteil, es geht etwa auch um Effizienz. So haben wir ein Maßnahmenpaket erarbeitet, um unsere Werke vom Kostenfaktor her auf Europaniveau zu heben. Aber mit Indien oder China wollen wir uns sicher nicht messen.

Dennoch werden immer weniger Autos in Europa verkauft.

Das ist auch auf die Qualität der Autos zurückzuführen, die immer länger halten. Aber generell sind die Menschen verunsichert und halten sich bei Neuwagen zurück. Die Frage ist, wie man ihnen das Vertrauen wieder zurückgibt, das ist die Kernfrage.

Renault will sich globaler aufstellen und vor allem im Boommarkt China künftig stärker präsent sein. Wie sehen die Pläne konkret aus?

Wir haben die Absicht, mit unserem chinesischen Joint-Venture-Partner Dongfeng einen SUV zu bauen. Der Businessplan ist bereits fertig, wir warten noch auf die Freigabe durch die Behörden in den nächsten Monaten. Dann beginnen wir unsere erste Fabrik in China zu bauen.

Ist das nicht ein bisschen spät?

Ja, das ist es, aber nicht zu spät, weil der Markt stark wächst. Aber natürlich ist der Markteintritt jetzt schwieriger als noch vor zehn Jahren. Wir werden auch unser Händlernetz von derzeit 80 auf mehr als 100 ausbauen. Derzeit verkaufen wir pro Jahr 30.000 importierte Autos in China.

Wollen Sie auch noch in andere Märkte eintreten?

Derzeit sind wir in der Hälfte des Weltmarktes vertreten. Es ist unsere Vision, von einem europäischen zu einem globalen Hersteller zu werden. 1999 wurden nur elf Prozent unserer Autos außerhalb Europas verkauft, im Vorjahr waren es schon 50 Prozent. Renault hat keine Schulden, somit sind wir in der Lage zu investieren. Das war auch während der Krise so, wodurch wir jetzt neue Modelle auf den Markt bringen konnten.

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The new BMW i3 electric car is seen with Tower Bri

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Bei den von Renault stark forcierten Elektroautos sind aber die Erfolgsaussichten fraglich.

Natürlich gab und gibt es bei Elektroautos Unsicherheiten. Wir glauben aber an den Erfolg. Weil die Kinder von heute so erzogen werden, dass sie als Käufer von morgen aus Umweltgründen zu solchen Autos greifen werden. Zudem gibt es den Druck, etwas gegen die Luftverschmutzung zu machen. Zuerst wird in Städten Maut eingeführt, dann wird es Fahrverbote für Autos mit Verbrennungsmotor geben. Und drittens wird der Ölpreis stark steigen, wenn die Weltwirtschaft wieder anzieht. Elektroautos werden sich daher durchsetzen, aber ich kann nicht sagen, wann.

Carlos Tavares

Nummer Zwei

Carlos Taveres ist nach Konzernchef Carlos Ghosn seit 2011 die Nummer zwei bei Renault und unter anderem für das Auslandsgeschäft verantwortlich. Der 1958 in Portugal geborene Topmanager begann seine Berufslaufbahn 1981 als Ingenieur bei Renault. 2005 wurde er in den Vorstand der japanischen Konzernschwester Nissan berufen.

Rennfahrer

Privat ist Tavares verheiratet und hat drei Kinder. In seiner Freizeit ist der Motorsportfan bei Rennen auch als Fahrer anzutreffen.

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