Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

RBI will mit neuer Strategie das Wachstum beschleunigen

Neuer RBI-Chef Höllerer will Profitabilität erhöhen. Gewinn stieg im ersten Halbjahr um ein Viertel. Klage wegen Russland-Tochter eingereicht.
Das Logo der Raiffeisen Bank International (RBI) an einem modernen Bürogebäude.

Seit 1. Juli ist Michael Höllerer neuer Vorstandschef der Raiffeisen Bank International (RBI). Gleich zu Beginn seiner Amtszeit kann er positives verkünden: Im ersten Halbjahr, das noch sein Vorgänger Johann Strobl zu verantworten hatte, wurde der Gewinn ohne das Russland-Geschäft um ein Viertel gesteigert. „Wir haben in den ersten sechs Monaten des Jahres ein sehr gutes Ergebnis erzielt und wichtige M&A-Projekte erfolgreich auf den Weg gebracht“, sagte Höllerer.

Konkret gemeint sind damit die Übernahmen der rumänischen BBVA Garanti sowie der Addiko Bank. In Rumänien läuft der Genehmigungsprozess, die Übernahme soll Anfang Oktober abgeschlossen sein. Bei der Addiko Bank, wo sich die RBI im monatelangen Bieterkampf gegen den slowenischen Konkurrenten NLB durchgesetzt hat, soll demnächst in die nächste Phase starten. Die Annahmefrist für die Aktionäre ist am Mittwoch ausgelaufen, allerdings gibt es eine dreimonatige Nachfrist, in der das Angebot der RBI von den Anteilseignern, die noch nicht angedient haben, noch angenommen werden kann. Zudem müssen in den kommenden Monaten Genehmigungen von den Regulatoren und eine Fusionsfreigabe eingeholt werden.

Privatkunden

„In den kommenden Monaten werden wir intensiv an unserer neuen Strategie arbeiten, die einen klaren Fokus auf Wachstum und Profitabilität legen wird“, kündigte Höllerer an. „Die RBI ist bereit für Wachstum.“ Viel Potenzial sieht er im Privatkundengeschäft, wo die Kundenbasis ausgebaut werden soll. Das Kundenerlebnis soll zudem mit KI-Unterstützung verbessert werden. Generell will die Bank die Digitalisierung ihrer Prozesse fortsetzen. Konkrete Pläne bezüglich weiterer Zukäufe habe die RBI nicht.

Das Kerngeschäft der Bank erwirtschafte derzeit eine Eigenkapitalrendite von 13 Prozent. „Das ist nicht genug“, so der Banker. Die Verbesserung der Profitabilität habe höchste Priorität. Die RBI werde die Effizienz, die Ausgaben und die Kapitalallokation genau auf den Prüfstand stellen.

Ausstieg

Das Russland-Geschäft werde indes weiter abgebaut, „bis weitere Lösungen gefunden werden können“, so Höllerer. Ein Ausstieg aus Russland sei sehr komplex, bleibe jedoch „ein wichtiger Eckpunkt der künftigen Strategie, auch wenn es schwierig ist, die nötigen Genehmigungen zu erhalten. Wir müssen es weiter versuchen, und wir werden uns noch mehr anstrengen“. Er habe sein Team angewiesen, die Bemühungen in diesem Bereich zu verdoppeln.

Das Kreditgeschäft in dem Land ging seit Jahresbeginn von 2,6 auf 2,5 Milliarden Euro zurück. Die Einlagen liegen mit 10,9 Milliarden Euro deutlich über den Ausleihen. Das Kreditvolumen sei seit Beginn des Krieges um 80 Prozent geschrumpft, die Einlagen um 40 Prozent. Unterm Strich schrieb die russische Tochter aber wieder einen Gewinn von 550 Millionen Euro nach einem Minus von 437 Mio. Euro im ersten Halbjahr 2025. Im vergangenen Jahr hatten sich die Strafzahlungen im Rechtsstreit mit der russischen Rasperia-Gruppe negativ auf das Ergebnis niedergeschlagen.

In dem Streit hat die RBI nun zum Gegenschlag ausgeholt. Am Donnerstag klagte die RBI Rasperia in Österreich auf 3,15 Mrd. Euro Schadenersatz. Ziel ist es, mit dem Geld jenen Schaden zu kompensieren, der ihrer Tochter in Russland durch Rasperia-Klagen entstanden ist. Wie lange der Streit dauern wird und in welcher Form der geforderte Schadenersatz gezahlt werden könnte – bar oder in anderer Form – sei noch nicht absehbar, so Höllerer.

Kommentare