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Wirtschaft

RBI: Gamestop-Schlacht schadet dem Ruf des Aktienmarktes

Am Ende verlieren alle Seiten, nicht nur Hedgefonds, so die Meinung der RBI-Experten.

02/04/2021, 02:36 PM

Seit √ľber einer Woche liefern sich Kleininvestoren, die sich auf sozialen Plattformen unter dem Namen "WallStreetBets" organisieren, mit einem Hype der Gamestop-Aktie einen Kampf gegen Hedgefonds.

Ziel ist es unter anderem, die Methoden dieser Hedgefonds anzuprangern und deren Marktmacht zu st√∂ren. Die Analysten der RBI sehen jedoch mehr Schaden als Nutzen in dieser Aktion und brechen eine Lanze f√ľr langfristig orientierte Aktienm√§rkte.

"Der allermeiste Schaden aber ist der Reputationsverlust des Aktienmarkts in der √Ėffentlichkeit. Gerade die Aktie wird immer wieder - auch in √Ėsterreich - f√ľr ideologische Fehlinterpretationen missbraucht", schreiben der Chefanalyst der Raiffeisen Bank International (RBI), Peter Brezinschek, und Christian Hinterwallner, Leiter des Equity Research der Bank, in einem Marktkommentar.

Die Aktie als Form der längerfristigen Unternehmensbeteiligung sei ideal zur Beschaffung von Eigenkapital und gerade in Krisenzeiten sei Eigenkapital der wichtigste Risikopuffer.

Durch den kurzfristig angelegten Run auf die Gamestop-Aktien w√ľrden jedoch alle Beteiligten verlieren und nicht nur die Hedgefonds, die mit Leerverk√§ufen auf fallende Kurse bei Gamestop gesetzt haben und deswegen von den Anh√§ngern der WallStreetBets scharf kritisiert werden. "Beide vereint kurzfristiges Gewinnstreben. Die langfristige Komponente von Aktien bleibt auf der Strecke.

Wie viel Marktmissbrauch und Marktmanipulation hinter den Spekulationsattacken vorliegt, wird sicherlich von der SEC, der amerikanischen Wertpapieraufsicht, zu klären sein", so die Analysten.

Die US-Finanzministerin Janet Yellen hat f√ľr heute, Donnerstag, ein Treffen mit der US-Wertpapieraufsicht SEC anberaumt, um √ľber das weitere Vorgehen im Fall Gamestop zu beraten. Geladen sind au√üerdem Vertreter der Terminm√§rkte-Beh√∂rde Commodity Futures Trading Commission und der Notenbank Fed sowie deren New Yorker Ableger.

Hedgefonds mussten im Kampf um die Gamestop-Aktie bereits massive Verluste hinnehmen. Wie aus j√ľngsten Daten des Datenanbieters Ortex hervorgeht, summieren sich seit Jahresbeginn die Verluste der Hedgefonds auf 12,5 Mrd. Dollar (10,3 Mrd. Euro). Die Leerverk√§ufe, mit denen Hedgefonds oft arbeiten, seien nicht "automatisch gut oder schlecht", sondern w√ľrden h√§ufig "einen Finger in eine (fundamentale) Wunde" legen, so die Analysten.

Bei Gamestop sehen die Erwartungen derzeit nicht allzu rosig aus. Das Unternehmen d√ľrfte noch bis 2022 teils massive Verluste schreiben und laut Businessplan erst 2023 wieder einen Nettogewinn einfahren, so die RBI.

Dementsprechend k√∂nnten auch die Kleinanleger bald das Nachsehen haben, denn der aktuelle Kurs der Aktie werde nicht durch die Erwartungen der Firma gerechtfertigt. "Langfristig sprechen Gewinnwachstum und Gesch√§ftsmodell f√ľr die Aktienentwicklung. Nicht Herdenschw√§rme aus Social Media oder Leerverkaufsorgien", schreiben die Analysten.

Vertrauensverluste möglich

Gratis-Broker wie Robinhood, die in die Kritik der Kleinanleger gerieten, nachdem sie kurzfristig Orderstopps f√ľr Gamestop verh√§ngten, k√∂nnten zumindest Vertrauensverluste erleiden, so die RBI-Analysten. Die Kaufstopps seien zwar in erster Linie deswegen zustande gekommen, da als Sicherheit f√ľr die rasant gestiegenen Handelsums√§tze mehr Liquidit√§t bei den Clearing H√§usern hinterlegt werden musste.

Robinhood habe in den Tagen danach kurzfristig mehr als 3 Mrd. Dollar Eigenkapital aufnehmen m√ľssen, aber dennoch weiterhin den Kauf von Gamestop-Aktien stark beschr√§nkt. Das habe ihnen auch vonseiten der Politik Kritik eingebracht.

Die Analysten k√∂nnen dem Kampf um die Gamestop-Aktien aber auch Positives abgewinnen. So werde die Diskussion um Marktmissbrauch und Marktmanipulation sowie das Interesse von mehr und j√ľngeren Menschen am Aktienmarkt neu entfacht.

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