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Wirtschaft
03/18/2022

Raiffeisen Research: Heuer 6,5 Prozent Inflation im Jahresschnitt

Auch 2023 und darüber hinaus ist mit erhöhten Teuerungsraten zu rechnen.

Die Inflationsprognosen werden immer weiter hinaufgeschraubt. Wegen der hohen Energiepreise erwarten die Experten von Raiffeisen Research für heuer in Österreich eine Teuerungsrate von 6,5 Prozent im Jahresschnitt, das wäre das höchste Niveau seit über 40 Jahren.

Zuletzt hatten Ökonomen der Bank Austria diese Woche eine Rate von 5,9 Prozent prognostiziert. Die Eurozone steuert laut Raiffeisen Research mit 6,3 Prozent auf einen neuen Rekord seit Beginn der Währungsunion zu.

Strukturelle Gründe

Zwar seien solch hohe Niveaus maßgeblich, aber nicht ausschließlich, den emporgeschnellten Preisen für Strom, Gas und Öl geschuldet. Anders als in früheren Phasen stark energiepreisgetriebener Inflationsanstiege sei aber auch 2023 und darüber hinaus mit erhöhten Teuerungsraten zu rechnen, so Raiffeisen Research am Freitag.

Denn strukturelle Gründe sprächen dafür, dass die Zeiten niedriger Inflation wie vor der Pandemie der Vergangenheit angehören. Im Februar ist die Inflation in Österreich auf 5,9 Prozent geklettert, den höchsten Wert seit dem Jahr 1984.

In der Vergangenheit hätten sich hohe Inflationsraten von 6 bis 7 Prozent ausgesprochen günstig für Wohnimmobilien erwiesen, heißt es in der an sich zum Thema Immobilien gedachten Analyse. Erst ein Stagflationsszenario, also nochmals deutlich höhere (kostengetriebene) Inflationsraten in Verbindung mit niedrigem bis negativem realen BIP-Wachstum dürfte auf dem Wohnimmomarkt zu realen Wertverlusten führen, wird betont.

Dynamisches Jahr

"Ein solches Szenario wird von uns aber nicht unterstellt. Wir rechnen daher mit einem abermals dynamischen Jahr auf dem österreichischen Wohnimmobilienmarkt und einem österreichweiten Anstieg der Wohnimmobilienpreise von etwa 8 Prozent", heißt es.

Ungeachtet dessen gelte: Das absehbar abermals hohe Preiswachstum im Gesamtjahr 2022 dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass das zweite Halbjahr angesichts verschärfter Kreditvergabestandards (angekündigt ab Jahresmitte) und gesunkener Leistbarkeit wohl weniger dynamisch verlaufen dürfte als das erste - ein Trend, der sich laut Raiffeisen Research zumindest auch 2023 fortsetzen dürfte. Ebenso würden die wohl auch mittelfristig erhöhten Baukosten einen nachfrage- und damit letztendlich preisdämpfenden Faktor darstellen.

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