Michael Höllerer: Will in zwei Jahren wieder die Nummer 1 am heimischen Investmentfonds-Markt sein.

© KURIER/Franz Gruber

Investmentfonds
01/10/2015

"Vorsorge darf nicht bestraft werden"

Michael Höllerer, Chef der Raiffeisen-Fonds, über Kosten und neue Produkte.

von Christine Klafl

159 Milliarden Euro stecken derzeit in Fonds heimischer Investmentfonds-Gesellschaften, um 13,7 Milliarden mehr als vor einem Jahr. Die meisten Marktanteile vereinigt allerdings nicht mehr – so wie viele Jahre hindurch – Raiffeisen auf sich, sondern die Erste Sparinvest. Michael Höllerer, seit Anfang April der neue Geschäftsführer der Raiffeisen-Fondsgesellschaft, erzählt im KURIER-Interview, wie er die Marktführerschaft zurückerobern will, wie er das Unternehmen umbaut und was auf die Kunden zukommt.

KURIER: Woran können Anleger merken, dass jetzt Sie das Sagen haben?

Michael Höllerer: Wir stecken im Asset Management mitten in einem Kulturwandel. Als neues Geschäftsführungsteam haben wir uns zum Ziel gesteckt, dass wir die Kundengelder viel aktiver managen als früher. Dadurch soll erreicht werden, dass die Kundengelder möglichst ertragreich angelegt sind. Der Privatkunde klebt nicht an Benchmarks, er will verständlicherweise, dass er möglichst am Aufschwung partizipiert und am Abschwung möglichst nicht teilnimmt.

So viel Aktivität klingt nach höheren Kosten ...

Wenn wir Mehrwert liefern, ist unsere Dienstleistung das auch wert. Außerdem: 2014 war das Jahr der internen Hausaufgaben, wir sind dabei, unsere Kosten um mehr als zehn Prozent zu senken. Anfang 2014 gab es 310 Mitarbeiter, zum Jahresende waren es 255, durch Fluktuation und die Nutzung des internen Arbeitsmarktes bei Raiffeisen.

Sie haben jetzt rund 270 Fonds. Wird die Anzahl reduziert?

Wir schauen uns gerade an, welche Assetklassen wir forcieren möchten und wo wir uns zurückhalten. Sehr ähnlich gelagerte Fonds werden zusammengelegt. Die Kunden, aber auch die Berater sollen es leichter haben.

Gibt es trotz der Reduktion auch neue Produkte?

Ja, wir werden im Jänner mit einem neuen Pensionsprodukt starten. Das wird eine klassische Ansparlösung in unterschiedlichen Ausprägungen. Ziel ist es, das Ersparte stetig zu vermehren und auch in Krisen möglichst das Geld zu erhalten.

Ist dieses Produkt mit Kapitalgarantie ausgestattet?

Nein, Garantien sind weder unsere Freunde noch die der Kunden. Zum Teil arbeiten wir mit Absicherungsinstrumenten, vor allem aber mit aktivem Management.

Hat durch Verluste bei geschlossenen Immobilien- oder Schiffsfonds auch Ihre Fondsindustrie gelitten?

Wie die gesamte Branche hat auch das Wort Fonds gelitten, ja. Aber der offene Investmentfonds ist ein sehr transparentes Produkt. Ich glaube, dass wir das Vertrauen zurückbekommen.

Sind Sie angetreten, um die Marktführerschaft zurückzuerobern?

(Lacht) Wenn wir unsere Strategie so umsetzen, wie wir sie geplant haben, werden wir in zwei Jahren wieder die Nummer eins sein.

Was sagen Sie zum neuen Finanzminister?

Der Finanzminister macht das echt gut. Es ist gut, dass er weiß, dass man zuerst Geld verdienen muss, bevor man es ausgibt. Und dass er auf den Mittelstand achtet, auf den Standort, und dass die Headquarters im Land bleiben.

Was wünschen Sie sich von ihm für Ihre Branche?

Bitte keine finanztechnischen und administrativen Hürden. Die Politik muss sagen: Ihr vom Finanz- und Kapitalmarkt, ihr seid wichtig für uns. Ihr seid ein wichtiger Bestandteil der Wirtschaft.

Stichwort Steuerreform: Was sollte hier mit Blick auf die Anleger berücksichtigt werden?

Das Steuersystem sollte so sein, dass jene, die vorsorgen, nicht bestraft werden. Die Wertpapier-Kest (Besteuerung von Kursgewinnen, Anm.) beispielsweise ist doch nur ein Placebo für Ideologen, das bringt nichts. Eigenverantwortliches Handeln darf steuerlich nicht bestraft werden.

Zur Person: Michael Höllerer

Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien startete Michael Höllerer 2004 seine Karriere als Abteilungsleiter bei der Finanzmarktaufsicht. Zwei Jahre später später wechselte er zur Raiffeisen Zentralbank (RZB), wo er das Vorstandssekretariat leitete. Von 2008 bis 2012 war der gebürtige Niederösterreicher Referent im Kabinett des Finanzministeriums. Dann kehrte er zur Raiffeisen Zentralbank zurück – als Generalsekretär. Heuer im April wurde er zusätzlich zum Geschäftsführer der Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft bestellt. Höllerer sitzt auch in etlichen Aufsichtsräten, unter anderem im Aufsichtsrat der Raiffeisen Bausparkasse und der Raiffeisen-Leasing Gesellschaft. Höllerer ist verheiratet und Vater einer Tochter. Mitte Jänner feiert er seinen 37. Geburtstag.

Anlegen in Dollars: Riskant, aber verlockend

Mini-Zinsen auf Sparbücher und bonitäts-starke europäische Staatsanleihen: Auf der Suche nach höheren Renditen scheint der Dollar-Raum derzeit die weitaus beste Alternative für Anleger zu sein. Die US-Wirtschaft brummt, die Zinsen dürften steigen, Währungsgewinne sind für europäische Investoren daher absehbar.

Doch ganz so sicher und risikolos ist eine Veranlagung in den USA nicht. „Im Moment geht zwar viel Geld in den Dollar-Raum. Aber Währungskurs-Gewinne wie im Vorjahr sind nicht mehr zu erwarten“, sagt Franz Gschiegl, Chef der Sparinvest der Erste Group. 2014 konnten Dollar-Investoren 14 Prozent Gewinn aus der Aufwertung der US-Währung zum Euro lukrieren. Wenn es gut gehe, seien heuer drei bis vier Prozent weitere Währungsgewinne drin, meint Gschiegl.

Der Dollar könnte aber auch in die andere Richtung gehen. Denn eine zu hohe Währung schade den Exporten. „In den vergangenen zehn Jahren hat es mindestens fünf extreme Kursbewegungen des Dollar zum Euro gegeben“, weist der Sparinvest-Chef auf die massiven Schwankungen hin, mit denen Dollar-Anleger rechnen müssten.
Interessanteste Anlageklasse in den USA ist für Gschiegl noch immer der Aktienbereich. Auch wenn die US-Börsen das sechste Jahr in Folge gestiegen seien, gebe es noch ein bisschen Potenzial nach oben. Allzu rosig dürfe man US-Aktien allerdings auch nicht sehen. Bedrohungen gingen von der extrem hohen Verschuldung der USA und vieler Bundesstaaten aus. Gschiegl glaubt auch nicht, dass der Dollar noch viel gegen den Euro aufwerten werde.

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