Wirtschaft
31.03.2018

Quartalsbilanz an den Börsen: Wie gewonnen, so zerronnen

Auf Gewinne im Jänner folgten Verluste, weil die Angst vor Handelskonflikten die Börsen regierte.

Beim Blick auf die Entwicklung der Wiener Börse im ersten Quartal könnte man sich fragen: „Außer Spesen nichts gewesen?“ Ein kleines Plus von 0,2 Prozent schaut auch wirklich nach Winterschlaf und Frühjahrsmüdigkeit aus. „In Wirklichkeit aber hat sich Österreich gut geschlagen“, sagt Helge Rechberger, Aktienexperte der Raiffeisen Bank International. In Frankreich, den Niederlanden oder in Deutschland ging es mit den Börsenbarometern überall nach unten (siehe Grafik) .

Im Jänner war die globale Börsenwelt noch in Ordnung. Angespornt von guter Konjunktur und der US-Steuerreform, die steigende Unternehmensgewinne verhieß, zogen die Aktienkurse kräftig an. Ausgerechnet ein guter Arbeitsmarktbericht aus den USA verschreckte dann aber die Anleger. Aus Angst, die Inflationsraten und in Folge die US-Leitzinsen werden stark anziehen, zogen sich die Investoren aus Aktien zurück. „Und auf die Inflationssorge folgte der Handelskonflikt“, sagt Rechberger rückblickend. Strafzölle auf Importe in die USA könnten dem Welthandel in die Quere kommen und die Konjunktur dämpfen. Vor allem aber würden sie das Preisniveau in den USA in die Höhe drücken – laut Rechberger „ein weiteres Schauferl für die Inflation“.

Optimistisch

Unsicherheit ist schlecht für die Aktienmärkte, „genau die haben wir aber momentan“, so der Aktienexperte. So schwelt etwa der US-Zollstreit mit China weiter. Rechberger ist trotzdem optimistisch und sagt den Börsen für das zweite Quartal Gewinne voraus. Dass US-Präsident Donald Trump mit Strafzöllen drohe, könne schließlich auch Positives bewirken. Die EU und China könnten ihrerseits Zölle senken und Handelsbarrieren für die Amerikaner abbauen. Bleiben damit US-Strafzölle vom Tisch, könnte das die Technologiebörse Nasdaq beflügeln. Viele der dort notierten Unternehmen produzieren zumindest teilweise in China und litten zuletzt unter den angedrohten Zöllen.

Jerome Powell, der neue Chef der US-Notenbank Fed, hat bei seiner ersten Sitzung den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 1,50 bis 1,75 Prozent angehoben. Den nächsten Zinsschritt erwartet Rechberger bei der Fed-Sitzung im Juni.