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Geschäft mit Quantencomputern nimmt Fahrt auf

Umsätze mit Quantencomputern legen deutlich zu. Auch österreichische Firmen und Gründer mischen auf dem Milliardenmarkt mit.
Labor des Quantencomputerherstellers PlanQC

Zusammenfassung

  • Umsätze mit Quantencomputern steigen, österreichische Firmen wie Planqc, AQT und ParityQC sind am Milliardenmarkt beteiligt.
  • Quantencomputer werden zunehmend in Branchen wie Pharma, Finanzen und Logistik eingesetzt, liefern aber noch keinen praktischen Vorteil für industrielle Anwendungen.
  • Quantenkommunikation und -verschlüsselung gewinnen an Bedeutung, insbesondere durch private Aufträge und steigende Cybersicherheitsanforderungen.

Ob zur Simulation von chemischen Prozessen in der Pharmaindustrie, der Errechnung von Routen in der Logistik, bei der Entwicklung neuer Materialien oder bei Bilderkennungsproblemen in der Raumfahrt. Quantencomputer kommen bereits bei zahlreichen Unternehmen und Organisationen zum Einsatz. Die Technologie, heißt es in einer vor Kurzem veröffentlichten Studie der Berater von McKinsey, etabliere sich zunehmend als Wirtschaftsfaktor und entwickle sich von einem Zukunftsthema zu einem „echten Markt“.

„Noch liefern Quantencomputer keinen praktischen Vorteil für industrierelevante Anwendungen“, sagt der Tiroler Physiker Alexander Glätzle, der in München den Quantencomputerhersteller Planqc mitgegründet hat. „Wir sehen aber, dass immer mehr Branchen Interesse haben, sich auf den Einsatz der Technologie vorzubereiten.“

Budgets steigen

Laut McKinsey steigen die Budgets, die Firmen in die Technologie investieren. Ein erheblicher Teil fließt in die Entwicklung von Anwendungsfällen, heißt es in dem Quantum Technology Monitor der Unternehmensberater. Sie sehen darin auch ein wachsendes Vertrauen, dass Quantenrechner schon bald reale Probleme lösen können.

Im vergangenen Jahr wurde mit Quantencomputern laut der Studie erstmals mehr als eine Mrd. Dollar umgesetzt. Laut den Prognosen soll der Markt bis 2030 auf 25 bis 34 Mrd. Dollar wachsen.

„Exponentielle Vorteile“

Es sei theoretisch gut belegt, dass Quantencomputer bei bestimmten Problemklassen exponentielle Vorteile gegenüber klassischen Verfahren erzielen können, sagt Glätzle. Sein Unternehmen arbeitet mit Firmen wie Airbus oder der BMW Group an konkreten Anwendungen.

Quantenrechner von Planqc sollen schon bald an das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und an das Leibniz Rechenzentrum in München geliefert werden. Dort werden sie im Verbund mit Supercomputern zur Lösung spezifischer Probleme zum Einsatz kommen. Auch ein Cloud-Dienst, über den Kunden Rechenzeit für spezielle Operationen zur Verfügung gestellt werden soll, ist in Arbeit.

Alexander Glätzle

Planqc-Mitgründer Alexander Glätzle

Quantencomputer stellt auch das Innsbrucker Unternehmen AQT (Alpine Quantum Technologies) her. Systeme des Unternehmens sind an der Universität Innsbruck sowie in Hochleistungsrecheninfrastrukturen in München und im Poznan Supercomputing and Networking Center im polnischen Posen integriert. Die Kosten

Neben dem Verkauf von Geräten und Komponenten, etwa Lasergeräte oder Quantenprozessoren, verdient AQT auch mit dem Bereitstellen von Rechenleistungen, auch über Cloudpartner wie Amazon Web Services (aws), Horizon Quantum und Scaleway Geld. Zu den Kunden zählt etwa der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim.

AQT Quantencomputer

Quantencomputer von AQT

Mit Bauplänen und einem Betriebssystem für Quantenrechner ist auch das Innsbrucker Unternehmen ParityQC gut im Geschäft. Zuletzt gelang es dem vom Physiker Wolfgang Lechner und der Wirtschaftswissenschafterin Magadalena Hausner gegründeten Unternehmen mit seiner Architektur die Kapazität eines IBM-Quantenprozessors zu verdoppeln. Die Lösungen des Scale-ups kommen u. a. bei einem Quantenrechner des japanischen Computerkonzerns NEC zum Einsatz. Auch in zahlreichen Forschungs- und Industriekonsortien ist man vertreten.

Welche Branchen haben bereits einen strategischen Nutzen?

Die Pharma- und die Finanzindustrie, sagt Glätzle. Bei der Medikamentenentwicklung seien viele Probleme von Natur aus quantenmechanisch. In der Finanzindustrie könnten viele Bereiche - vom Risikomanagement bis zur Portfoliooptimierung - auf Quantenrechnern abgebildet werden. „Selbst wenn der Effekt nur ein Prozent betragen würde, könnten bei großen Portfolios Wertsteigerungen im Milliardenwert erzielt werden“, rechnet er vor.

Noch dominieren bei den meisten Firmen staatliche Aufträge. Mit öffentlichen Auftraggebern langfristige Projekte umzusetzen, sei zentral, sagt Glätzle. „So können wir Systeme weiterentwickeln, bis ein breiter Markt in der Industrie entsteht.“

Großes Interesse Quantenverschlüsselung

In einem anderen Bereich der Technologie, der Quantenkommunikation, hat sich das Verhältnis zwischen öffentlichen und privaten Auftraggebern bereits gedreht. Das Wiener Start-up Zerothird, das quantensichere Kommunikationslösungen für Glasfasernetze auf Basis der Quantenverschränkung anbietet, erhält bereits zwei Drittel seiner Aufträge von privaten Firmen, wie Gründer Rupert Ursin dem KURIER erzählt.

Dazu haben strenge Cybersicherheitsregeln für die kritische Infrastruktur beigetragen, aber auch die Furcht vieler Unternehmen, dass heute von Angreifern abgefangene verschlüsselte Daten ganz einfach entschlüsselt werden können, wenn Quantencomputer erst einmal leistungsfähig genug sein werden.

Rupert Ursin

Zerothird-Mitgründer Rupert Ursin mit einem Quantenkryptografiegerät seines Unternehmens.

Zerothird, das u. a. an einer abhörsicheren Glasfaserverbindung zwischen Wien und Frankfurt arbeitet, zählt Banken, darunter die österreichische Erste Bank, ebenso zu seinen Kunden wie Unternehmen aus dem Mobilitäts- und Logistikbereich, etwa die ÖBB. Auch mit Betreibern von Rechenzentren ist man in Gesprächen. Vor kurzem ist auch der Verbund über seinem Risikokapitalarm Verbund X Ventures bei dem Wiener Deeptech-Unternehmen eingestiegen.

Wann werden Quantencomputer tatsächlich Vorteile bringen? Glätzle geht davon aus, dass sie bis zum Ende des Jahrzehnts industrierelevante Fragestellungen lösen können. Bis echter Nutzen für die Industrie herausschaue, werde es noch dauern, sagt auch AQT-Marketingleiter Franz Domig. Je nach Problemstellung und Qualität der Softwareentwicklung spricht er von zwei bis zehn Jahren.

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