Privatkonkurs: Männer haben die höheren Schulden

Die Verschuldung ist bei Männern und Frauen im Vorjahr deutlich gestiegen.
Stempel "Insolvenz" auf Papier

Eine Analyse der Privatkonkurse des KSV1870 zeigt eine brisante Entwicklung auf. Die Zahl der eröffneten Schuldenregulierungsverfahren (Privatkonkurse) ist zwar im Jahr 2025 im Vergleich zu 2024 um knapp ein Prozent auf 8.766 Fälle leicht gesunken. Das entspricht bundesweit 24 Fällen pro Tag.

„Wie die Analyse zeigt, mussten Männer (61 %) deutlich häufiger den Weg in den Privatkonkurs antreten als Frauen (39 %). Den größten Unterschied zwischen Mann (63 %) und Frau (37 %) gab es in Tirol, am geringsten fällt die Differenz in Kärnten (58 vs. 42 %) aus“, so der KSV1870. „Analysiert man nur jene Fälle, die „echte Privatpersonen“ betreffen, und damit nicht auf eine ehemalige Selbständigkeit zurückzuführen sind, sind es 57 Prozent Männer und 43 Prozent Frauen. Hier liegt die Hauptursache für einen Privatkonkurs bei beiden Geschlechtern im persönlichen Verschulden, dazu zählen u.a. die Überschätzung der eigenen finanziellen Leistungskraft und ein schlechtes Konsumverhalten.“ 

Schulden deutlich gestiegen 

Trotz weniger eröffneter Verfahren sind die durchschnittlichen Passiva um 35 Prozent bzw. 40.000 Euro auf 153.000 Euro gestiegen. Ursache ist, dass es im Vorjahr etwas mehr Fälle mit Passiva von mehr 10 Millionen Euro gab als im Jahr 2024.  Lässt man die Großpleiten beiseite, sind die Passiva immer noch um 10.000 Euro gestiegen. „Das Ausmaß der Verschuldung pro Schuldner steigt seit dem Jahr 2022 stetig. Diese Entwicklung fand auch im Vorjahr ihre Fortsetzung“, sagt Karl-Heinz Götze vom KSV1870. „Ähnlich wie bei den Fallzahlen zeigt sich auch in puncto Schuldenhöhe ein deutlicher Unterschied zwischen den Geschlechtern. Während Männer mit 194.000 Euro (2024: 138.000 Euro) über dem Durchschnitt liegen, liegen Frauen mit 86.000 Euro (2024: 77.000 Euro) darunter.“ 

Konstantes Schuldenniveau 

Ein Blick auf die „echten Privatpersonen“ belege, dass das Schuldenausmaß der Männer im vergangenen Jahr auf 76.000 Euro leicht gestiegen ist, und sich jenes der Frauen auf 55.000 Euro etwas reduziert hat. Insgesamt befindet sich das Schuldenausmaß im mehrjährigen Vergleich seit 2019 auf einem relativ konstanten Niveau ohne gröbere Veränderungen. 

Gruppe der 41- bis 60-Jährigen

Wie die aktuelle KSV1870 Analyse zeigt, muss weiterhin die Gruppe der 41- bis 60-Jährigen (49 Prozent) am häufigsten den Weg in den Privatkonkurs antreten. „Zudem war sie im vergangenen Jahr auch für fast zwei Drittel (64 %) der Passiva verantwortlich – mit durchschnittlichen Schulden in der Höhe von 201.000 Euro, was rund 70.000 Euro über dem Wert aus dem Jahr 2024 liegt“, so der KSV1870. „Weitere 37 Prozent entfallen auf die 25- bis 40-Jährigen (Schulden: 97.000 Euro pro Kopf) und weitere 11 Prozent sind den Über-60-Jährigen (161.000 Euro) zuzurechnen. Die Zahl der jungen Menschen (unter 25 Jahren) in Privatkonkurs liegt bei drei Prozent (48.000 Euro) und entspricht in etwa dem Vorjahreswert (2 %).“ 

Die Entwicklung 2026

Wie sich die Zahl der eröffneten Privatkonkurse im Jahr 2026 entwickeln wird, lässt sich aus heutiger Sicht noch nicht seriös prognostizieren. Ein Faktor, der mittelfristig Einfluss auf die Entwicklung der Privatkonkurse nehmen könnte, sei die unverändert hohe Arbeitslosigkeit in Österreich. „Insbesondere Langzeitarbeitslose könnten in Kombination mit den anhaltend hohen Kosten eher heute als morgen betroffen sein“, sagt Götze. „Unabhängig der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen wird die diesjährige Entwicklung auch davon abhängen, wie es mit der Befristung des Tilgungsplans, der eine 3-jährige Entschuldungsdauer für Privatpersonen vorsieht, weitergeht. Diese Frage ist nach wie vor ungeklärt und wir seitens der österreichischen Bundesregierung in naher Zukunft zu klären sein.“ 

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