Wirtschaft
11.07.2018

Privatkonkurs Auer-Welsbach: Es geht um 1,34 Milliarden Euro Forderungen

. © Bild: Getty Images/Adrian Assalve/IStockphoto.com

Diese private Megapleite des früheren AvW-Zampano sprengt alle Rekorde. Die Gläubiger sehen de facto aber kaum Geld.

Vor acht Jahren ist das Kärntner Anlagekarussell AvW um Wolfgang Auer-Welsbach in den Bankrott geschlittert, doch die Abwicklung dieser Mega-Insolvenz ist noch nicht abgeschlossen. Denn neben der zwei Gesellschaften AvW Invest und AvW Gruppe wurde auch Finanzzampano Auer-Welsbach als Privatmann in den Konkurs geschickt. Für Donnerstag hat Masseverwalter Clemens Jaufer von der Kanzlei Scherbaum-Seebacher eine Prüfungstagsatzung am Bezirksgericht Graz-West anberaumt. Das Grazer Gericht ist deshalb zuständig, weil Auer-Welsbach seinen Wohnsitz lange in der steirischen Landeshauptstadt hatte.

Dieser Privatkonkurs bricht alle bisherigen Rekorde. So haben die Gläubiger laut Jaufer 4985 Forderungen mit einem Betrag in Höhe von 1.346.412.988,74 Euro, sprich 1,346 Milliarden Euro angemeldet. Die Gläubigerliste umfasst 118 Seiten.

Laut Markus Graf vom Gläubigerschutzverband AKV lässt sich der enorme Forderungsstand leicht erklären: Sowohl die rund 8000 geschädigten AvW-Anleger als auch die Masseverwalter der insolventen AvW-Gesellschaften haben in diesem Schuldenregulierungsverfahren ihre gesamten Forderungen angemeldet.

Auch ein ehemaliger steirischer Vertriebspartner von Auer-Welsbach macht eine Forderung in Höhe von 44 Millionen Euro geltend. Graf rechnet aber damit, dass abzüglich der Mehrfach-Anmeldungen etwa 480 Millionen Euro Forderungen schlagend werden. Der Masseverwalter muss auch 500 Euro je geschädigtem Anleger als Forderung anerkennen. Diesen Betrag hat das Landesgericht Klagenfurt ihnen als Schadenersatz zuerkannt.

Am Ende wird der Fall als größter Privatkonkurs in die österreichische Justizgeschichte eingehen.

250.000 Euro im Topf

Aus dem Privatkonkurs werden die Anleger keine nennenswerte Quote erhalten. Im Ausschüttungstopf liegen abzüglich aller Kosten nur knapp 250.000 Euro, davon könnten aber 100.000 Euro zugunsten der Finanz noch abgezogen werden.

Im Insolvenzverfahren der AvW Gruppe haben die Anleger 438 Millionen Euro an Forderungen angemeldet. Sie werden knapp elf Prozent bzw. rund 48 Millionen Euro erhalten.

Im Insolvenzverfahren der AvW Invest wurden 431 Mio. Euro Forderungen angemeldet. Die Gläubiger haben fast sechs Prozent bzw. 25,85 Millionen Euro erhalten.

Von der Republik Österreich erhielten die AvW-Opfer zuvor je 20.000 Euro, weil die Anlegerentschädigung nur rund fünf Millionen Euro aufbringen konnte. Diese Entschädigung betrug 153 Millionen Euro.Kid Möchel