© dpa/Stefan Rampfel

Wirtschaft
10/10/2012

Preise steigen: Schlechteste Ernte seit 40 Jahren

Trockenheit, Frost, Unwetter – durch Wetterkapriolen fällt die Getreideernte heuer um ein Viertel magerer aus. Mehl, Brot und Gebäck werden teurer.

von Christine Klafl

Derzeit ziehen wieder Unwetter über Österreich. Für die Getreidebauern kommen die Regenfälle im Hochsommer allerdings viel zu spät. Seit Ende Oktober 2011 bis in den Juni 2012 hinein "gab es praktisch keine Niederschläge", sagt Franz Stefan Hautzinger, Präsident der Agrarmarkt Austria (AMA). Dafür gab es im Winter "sibirische Kälte ohne Schneedecke". Und damit nicht genug: Nachtfrost am 18. Mai und extreme Hitze an etlichen Junitagen rafften vor allem im Osten Österreichs weitere Teile des heimischen Getreides dahin.

Fazit der Wetterkapriolen: Die heurige Getreideernte ist, von der Menge her, die schlechteste seit mehr als vierzig Jahren. AMA-Vorstandsvorsitzender Günter Griesmayr: "Diese Ernte wird noch lange in Erinnerung bleiben." Geschätzte 2,3 Millionen Tonnen Getreide (ohne Mais) werden heuer eingefahren, das ist um ein Viertel weniger als in Normaljahren.

Nicht nur in Österreich spielte das Wetter verrückt. Die USA etwa werden von der schlimmsten Dürre seit Jahrzehnten heimgesucht. Weizen und Mais verdorren. Die weltweite Ernte wird, laut AMA, den globalen Bedarf heuer nicht decken können. Die Lagerbestände werden daher um sieben bis acht Prozent abgebaut werden müssen (mehr dazu in der Bildergalerie).

Die Auswirkungen

Schon in den vergangenen Wochen haben die erwarteten Missernten die Getreide- und Maispreise in die Höhe getrieben. Mais war zuletzt so teuer wie noch nie und Weizen so teuer wie seit eineinhalb Jahren nicht mehr. Die Auswirkungen:

Für Bauern: Sie können für ihre Getreideernte zwar mehr erlösen. Weil die Ernte allerdings so schlecht ausgefallen ist, werden vor allem in Ostösterreich viele Bauern höchstens die Produktionskosten hereinbekommen.

Für Mühlen: Müller müssen für Getreide derzeit rund 30 Prozent mehr zahlen als im langjährigen Durchschnitt. Sie werden daher spätestens Anfang September den Mehlpreis um 15 bis 20 Prozent anheben.

Für Konsumenten: Im Lebensmittelhandel wird Mehl teurer werden. Auch die Brot- und Gebäckpreise werden steigen. Um wie viel, ist noch offen. Der Anteil der Rohstoffkosten an einer Semmel macht übrigens nur 4,0 bis 4,5 Prozent aus. Viel schwerer ins Gewicht fallen hier die Personalkosten. Die Bäckerinnung erwartet daher Preiserhöhungen nach den Lohnverhandlungen im Herbst.

Trotz aller Wetterkapriolen gibt es auch gute Nachrichten: Das geerntete Brotgetreide (in Summe 1,2 Millionen Tonnen) ist von bester Qualität. Die heimischen Mühlen verarbeiten davon rund 500.000 Tonnen, der Rest wird exportiert – etwa nach Italien. Minderwertigere Qualitäten, die die Industrie etwa zur Erzeugung von Biosprit braucht, werden aus den Nachbarstaaten in Zentraleuropa importiert. Und noch eine gute Nachricht: Die Regenfälle in den vergangenen Wochen waren zwar fürs Getreide schlecht, "tun dem Mais aber besonders gut", so AMA-Präsident Hautzinger. Eine gute Maisernte im Herbst könnte die Ertragsausfälle beim Getreide ein wenig abfedern.

Im Gegensatz zu Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich glaubt Hautzinger nicht daran, dass der Bio-Treibstoff E10 ausschließlich mit heimischem Getreide produziert werden könnte. "Aus rein österreichischer Produktion ist das nicht möglich."

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