© Kurier/Gerhard Deutsch

Interview
11/05/2019

Porr-Boss: "Wir nehmen Risiko heraus"

Der Baukonzern steigt aus England aus, will geringere Kosten und selektiveres Wachstum, sagt Porr-Chef Karl-Heinz Strauss.

von Christine Klafl

In den vergangenen zwei Jahren sind die Eckdaten des heimischen Baukonzerns Porr wie Wolkenkratzer in die Höhe geschossen. Die Bauleistung ist von 2 auf 5,6 Milliarden Euro gestiegen, die Mitarbeiterzahl hat sich auf rund 20.000 verdoppelt. Porr-Chef Karl-Heinz Strauss erzählt, warum er jetzt etwas vom Gas geht und wieso es bei allgemein schwächerer Konjunktur am Bau gut läuft.

KURIER: Werden Sie Aktionäre und Mitarbeiter überraschen und sich bald in den Aufsichtsrat zurückziehen?

Karl-Heinz Strauss: Nein (lacht). Ich habe erst kürzlich einen Vertrag für weitere fünf Jahre unterschrieben.

Sie haben 2019 zum Jahr der strategischen Durchsicht erklärt. Was sind die wesentlichen Erkenntnisse?

Sie wissen, Kosten sind wie Staub, Sie können sie wegwischen, aber sie kommen immer wieder. Wir haben uns daher schlanker aufgestellt, aus vier Geschäftseinheiten sind drei geworden. Und wir bieten bei Projekten selektiv. Wir wollen nicht wieder zweistellig wachsen.

Der Bau hat über Personalmangel geklagt. Gilt die Klage noch immer?

Wir waren und sind in einer historisch einmaligen Situation. Die Nachfrage nach Bauleistung ist sehr hoch, die Personal- und Materialkosten aber auch. In Deutschland und Polen waren Subunternehmen, etwa beim Roh- oder Fassadenbau, Mangelware. Langsam lässt der Druck nach. In Österreich suchen wir derzeit 300 bis 400 Mitarbeiter, von Facharbeitern über Betonbauer bis zu erfahrenen Maschinisten.

Hat die neue Strategie Auswirkung auf Ihre Märkte?

Wir nehmen Risiko heraus. Österreich, die Schweiz, Deutschland, Polen, Tschechien, die Slowakei und Rumänien sind unsere Heimmärkte. Katar, Dubai, Norwegen und England laufen als Projektmärkte. Aus England ziehen wir uns ganz zurück, Norwegen wird noch analysiert.

Und in Katar und Dubai?

Dort wollen wir unser Geschäftsvolumen von 450 bis 500 Millionen auf 150 bis 180 Millionen im Jahr zurückfahren. Wegen der politischen Instabilität nehmen wir dort keine Projekte mehr an, die mehrere Jahre dauern.

Das Geschäft in Polen wird heuer mit roten Zahlen abschließen. Was ist passiert?

Wir haben 2015 das Polen-Geschäft von Bilfinger übernommen. Aus dieser Zeit gab es Aufträge, die mit keiner Preisgleitklausel versehen waren. Die Preisanstiege waren damals nicht vorhersehbar, das bringt jetzt die Verluste. Die Lehre daraus: Keine Aufträge ohne Preisgleitklausel mehr.

Das Tempo der Wirtschaft lässt gerade spürbar nach. Merkt man das am Bau auch?

Nein, wir sind in einer ganz anderen Phase. Deutschland muss viel Geld für die Erneuerung der Infrastruktur ausgeben. Und in Österreich boomt der Hochbau nach wie vor. Solange die Zinsen so tief sind, werden auch Wohn- und Bürobau gut gehen.

Und in Osteuropa?

Dort wollen wir jetzt auch ins Geschäft mit den mittelgroßen Aufträgen hinein. Die Mittel aus dem EU-Kohäsionsfonds werden dort fleißig angezapft.

Zum Thema Fachkräftemangel: Wie können Sie die Baubranche jungen Menschen schmackhaft machen?

Da gibt es mehrere Schienen. Wir finanzieren zum Beispiel Stipendien für Junge, die Bauingenieurswesen studieren. Für Lehrlinge bieten wir mit unserem neuen Ausbildungscampus eine zusätzliche Bildungsschiene. Der Campus ist aber auch für ältere Mitarbeiter gedacht, etwa für Maschinisten, wenn er eine neue Maschine kennenlernen muss.

Müssen Sie junge Führungskräfte mit Autos locken?

Die sagen heute eher nein zu Autos. Dafür wollen sie lieber eine Wohnung. Da haben wir Kooperationen mit dem ÖSW (Österreichisches Siedlungswerk, Anm.).

Emissionen und Klimawandel zählen zu den Topthemen. Müssen Sie den ganzen Fuhrpark auf Elektrofahrzeuge umstellen?

Man muss die Kirche im Dorf lassen. Mein Vergleich dazu: Ein Schiff, das von Hamburg ans Rote Meer fährt, kommt auf so viele Emissionen wie ganz Stuttgart in zwei Monaten.

In aller Kürze: Papamonat?

Das gibt es s bei uns schon lange.

Autonomes Fahren?

Ohne die Bauindustrie nicht möglich.

Digitales für Mitarbeiter?

Jeder Mitarbeiter hat ein iPhone, viele auch ein iPad.

Kommunikation mit vernetzten Baggern & Co.?

10.000 Geräte melden täglich Daten.

Der gebürtige Kärntner (Jahrgang 1960) war bis zur Jahrtausendwende bei der RZB für den Aufbau des Immo-Geschäfts verantwortlich. Dann machte er sich mit Strauss&Partner, einem Immobilienentwickler, selbstständig. Im Herbst 2010 übernahm er den Chefposten beim Baukonzern Porr. Neben dem Posten als CEO ist Strauss auch Miteigentümer: Das Syndikat aus Strauss und Ortner-Gruppe hält 53,7 Prozent. Im April feierte Porr das 150-jährige Jubiläum als ältestes börsenotiertes Unternehmen in Wien.

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