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Nach der Pleite
12/01/2015

Politik sucht Lösung für Zielpunkt-Mitarbeiter

Auffanglösung mit Mitbewerbern überlegt. Diskussion um Pfeiffer-Zukunft.

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) sieht angesichts der Zielpunkt-Pleite offene Fragen, was wirklich zu der Insolvenz geführt habe. Außerdem betonte er im Pressefoyer nach dem Ministerrat am Dienstag, dass der Staat alle Möglichkeiten ausschöpfe, die rund 2.700 betroffenen Mitarbeiter voll zu unterstützen. Dienstag früh seien die Zielpunkt-Betriebsräte gemeinsam mit Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) bei ihm gewesen, erklärte Faymann. „Es sind hier viele offene Fragen zu klären, welche Vorgänge wirklich zu der Insolvenz geführt haben und wie die Abwicklung erfolgt“, sagte der Bundeskanzler. „Die Mitarbeiter jedenfalls hat es wie ein Blitz getroffen, keine Arbeit zu haben.“

Auffanglösung ?

Es sei schnell reagiert worden, der Insolvenzentgeltfonds solle dafür sorgen, dass die Menschen rasch Geld bekommen, außerdem gebe es Kooperationen mit vier Banken, dass die Mitarbeiter günstig zu Geld kommen. Für Lehrlinge, die keinen Ausbildungsplatz finden, würden die überbetrieblichen Lehrwerkstätten einspringen. Auch Vizekanzler und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) versicherte die Unterstützung für die Mitarbeiter. Die Zielpunkt-Mitarbeiter seien sehr qualifiziert. Neben Arbeitsstiftungen gebe es auch die Möglichkeit einer Auffanglösung mit Unternehmen, ähnlich wie bei der Alpine-Pleite, erklärte Mitterlehner. Ein entsprechendes Konzept mit der Branche solle in den nächsten Tagen entwickelt werden. Durchblicken ließ der Wirtschaftsminister, Änderungen im Kartellrecht überlegen zu wollen: Anders als in Deutschland sei die Mitarbeitersituation im Kartellrecht derzeit kein Kriterium, dies sei eine „Zukunftsaufgabe“.

"Die Vorgehensweise ist ein Wahnsinn"

Das Karellrecht sieht auch Hundstorfer als mögliches Hindernis bei allfälligen Übernahmen von Filialen durch Konkurrenten: "Die Filialen in den Bundeslaendern und die Arbeitsplaetze werden nicht das Problem, die bringen wir schon unter, auch wenn der Handel ein schwieriger Arbeitsmarkt ist. Aber die Filialen in Wien werden schwierig. Da haben wir kartellrechtlich ein Problem, nur Lidl hätte da noch Luft." An Zielpunkt selbst übt Hundstorfer herber Kritik: "Das Management von Zielpunkt ist schlecht, die Taktik und die Vorgehensweise ein Wahnsinn. Die 30 Millionen werden einfach in den Insolvenzfonds abgeschoben. Wenn der Pfeifer sagt, ich kann nicht mehr hineininvestieren, dann verstehe ich das. Aber dann sollte es einen halbwegs geordneten Ausstieg geben. Nicht so.‎"

Diskussion um Pfeiffer-Zukunft

In der Branche wird bereits über die weitere Zukunft des Eigentümers Pfeiffer spekuliert. Branchenexperten erwarten weitere Veränderungen etwa bei Unimarkt und Nah & Frisch. Mit Zielpunkt habe sich Pfeiffer überhoben. „Pfeiffer hat Kompetenz im Großhandel, da waren die gut. Den Einzelhandel haben sie unterschätzt“, sagte ein Branchenkenner zur APA.

Mit einem Marktanteil von 2,5 Prozent sei Zielpunkt ein kleiner Player, dafür sei die Kette „nur eingeschränkt innovativ und schon gar nicht einzigartig“ gewesen. Der heimische Einzelhandel wird zu über 80 Prozent von Rewe (Billa, Merkur, Penny, Adeg), Spar und Hofer dominiert. Auf Lidl und M-Preis fallen Marktanteile von 5,8 bzw. 3,5 Prozent. In diesem schwierigen Umfeld hätte sich Zielpunkt viel eindeutiger positionieren müssen, sind sich Experten einig. Weder habe man sich nur auf ein Bundesland noch auf eine klare strategische Orientierung geeinigt.

Investitionsstau

„Aus Sicht des Kunden hat Zielpunkt keinen klaren Wettbewerbsvorteil aufgebaut. Es gab kein Wow-Erlebnis in dem Sinne, dass die Märkte besser aussahen als früher, das Warenangebot oder Service deutlich besser wurde“, meinte ein Kenner des Lebensmittelhandels. Pfeiffer hat zwar -zig Millionen in Zielpunkt investiert, aber offenbar noch immer zu wenig. „Der Investitionsstau war gewaltig.“

Die Kette befand sich schon tief in der Krise, bevor Pfeiffer das heiße Eisen anpackte. Allein der deutsche Eigentümer Tengelmann änderte mehrfach seine Strategie, was Kunden verwirrte und zu Millionenverlusten führte. Zunächst wurde aus Löwa Zielpunkt, dann Plus. Einige Jahre später wurde aus Plus wieder Zielpunkt. Auch spätere Eigentümer wie der Finanzinvestor BluO sowie der Deutsche Jan Satek scheiterten an einer Sanierung.

Spannend wird nun, was mit den anderen Pfeiffer-Töchtern Unimarkt und Nah & Frisch passiert. Unimarkt ist dabei, sich stark im Online-Geschäft zu positionieren. Doch die Konkurrenz schläft nicht. Billa setzt ebenfalls auf die Online-Hauszustellung. „Das wird für Unimarkt eine gewaltige Herausforderung, sich mit einem Riesen wie Billa zu matchen. Es würde mich nicht wundern, wenn es hier zu Veränderungen kommen würde“, so ein Insider. Eine Stand-Alone-Variante hält er für schwierig und daher einen Verkauf von Unimarkt für sehr wahrscheinlich.

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