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Investmentfonds
06/14/2015

Politik der EZB schickt Anleihenkurse auf Talfahrt

Staatspapiere gehören in ein breit gestreutes Portfolio. Doch die Erträge sind überschaubar.

von Robert Kleedorfer

Deutsche Staatsanleihen gelten als die sichersten in ganz Europa. Die Nachfrage ist entsprechend groß. Wenig überraschend sind daher die Renditen neu ausgegebener Papiere lange Zeit im Keller gewesen. Mitte April wurde der Tiefstand für zehnjährige Laufzeiten von nur 0,075 Prozent erreicht. Die Kurse bereits herausgegebener Anleihen befanden sich umgekehrt im Hoch.

Mittlerweile hat sich das Bild gedreht. Die Kurse kamen ins Rutschen, die Rendite stieg umgekehrt auf knapp ein Prozent. Und wird laut Analyse der Erste Group bis Sommer 2016 auf 1,60 Prozent zulegen. Das verheißt für die Kurse nichts Gutes.

Zurückzuführen ist diese Entwicklung auf die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB). Ihr gigantisches Programm zum Ankauf von Euro-Staatsanleihen im Ausmaß von mehr als einer Billion Euro flutet die Finanz- und allen voran natürlich die Anleihenmärkte. Schon jetzt ist davon ein Viertel (254 Mrd. Euro) erreicht.

Mitte 2016 würden rund 20 Prozent aller Euro-Staatsanleihen in den Händen der EZB liegen, sagt Fritz Mostböck, Chefanalyst der Erste Group. "Das EZB-Programm läuft weniger lang als jenes der US-Notenbank mit vier Jahren. Dafür wirkt es kurzfristig deutlich aggressiver."

Ziele

"Neben einem Konjunkturimpuls soll das Programm auch Inflation bringen", sagt Mostböck. "Die große Gefahr einer Deflation ist damit nun gebannt." Im Mai betrug die Inflation in der Eurozone im Durchschnitt 0,2 Prozent. Freilich, vom Idealziel knapp unter 2,0 Prozent ist EZB-Chef Mario Draghi noch weit entfernt. Es reicht aber schon, die Anleihenkurse zu drücken. Denn steigende Preise lösen diesen Effekt aus.

"Über alle Euroländer gerechnet sind aber nicht die gleichen Effekte zu erwarten", sagt Mostböck. So sei das Programm etwa für Deutschland und Österreich weniger sinnvoll, da teilweise die heimischen Banken, von denen die EZB die Anleihen unter anderem erwirbt, keine zusätzliche Liquidität benötigen würden. Je mehr Staatsanleihen sich in ausländischem Besitz befinden, desto einfacher sei es jedoch, zuzukaufen. Beispielsweise liegen knapp 74 Prozent österreichischer Anleihen im Ausland, in Spanien sind es nur 39, in Italien 32 Prozent (Durchschnitt Eurozone 49 Prozent).

"Die EZB kann mangels Angebots nicht immer so viel kaufen wie geplant", sagt Mostböck. Dies treffe etwa auf Papiere aus Luxemburg oder Litauen zu.

Für Anleger heißt dies alles laut Erste Group: Euro-Staatsanleihen bleiben wichtiger Bestandteil in einem Portfolio. Für eine Veranlagung sprechen der längerfristig höhere Ertrag gegenüber Geldmarktveranlagungen und die durchschnittlich gute Bonität.

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