Plus 20 Prozent: Warum Zucker teurer wird

Der heimische Marktführer Agrana hebt den Preis kräftig an. Der Handel gibt die Erhöhung an die Konsumenten weiter. Worin die Ursachen für die Erhöhung liegen.

"Darf's ein bisserl mehr sein?". Anscheinend ja. Nach gestiegenen Preisen bei Kaffeebohnen und Milch müssen sich die Österreicher künftig... ... auch auf einen deutlich höheren Zuckerpreis einstellen. Der österreichische Marktführer Agrana erhöht ab Oktober den Zuckerpreis um ein Fünftel. Auch die großen Getränkehersteller sind von der Preiserhöhung stark betroffen: Etwa der Salzburger Getränkehersteller Red Bull oder der Vorarlberger Fruchtsaftproduzent Rauch. Marie-Luise Dietrich von Pfanner kündigt an, dass Fruchtsäfte demnächst um zehn Cent je Liter teurer werden. Dietrich: "Aber nicht nur wegen dem Zuckerpreis, auch Beeren, Früchte und Verpackungsmaterialien sind teurer geworden." Warum wird Zucker jetzt eigentlich teurer? Verantwortlich für die Erhöhung macht Agrana-Chef Johann Marihart... ... einerseits den derzeit hohen Weltmarkt-Zuckerpreis (Im Bild: Zuckerrohr-Ernte in Kuba)... ... und andererseits eine Zucker-Unterversorgung in der EU. Die Zucker-Produktion in der Union für den EU-Markt sei nach der Reform der Zuckermarktordnung im Jahr 2006 auf 13,3 Mio. Tonnen Zucker pro Jahr begrenzt worden. 80 von 180 Zuckerfabriken wurden daraufhin geschlossen, sehr viele davon in Osteuropa. "Erst hat die EU die Schließung von alten Zuckerfabriken subventioniert, und jetzt gibt es zu wenig Ware. Aus Nicht-EU-Ländern wie der Schweiz können wir nicht importieren, weil es da hohe Zölle gibt", kritisiert Spar-Chef Drexel. Der Lebensmittelhändler plant die höheren Zuckerpreise direkt an die Konsumenten weiterzureichen. Für Agrana ist die scharfe Kritik an der Preiserhöhung durch den Spar-Chef nicht nachvollziehbar. Spar habe "die Preise schon Ende Juni angehoben, obwohl man monatelang noch altpreisigen Zucker hatte", entgegnet Marihart. Ich bin verwundert, dass der Handel erst jetzt aufschreit“, meint Michael Bruckner, Geschäftsführer des Verbands der Markenbäcker. Seit Jahresbeginn seien die Preise für Zucker um mehr als 50 Prozent gestiegen. Vor einem Jahr hätte eine Tonne 550 Euro gekostet, mittlerweile sei man bei rund 900 Euro. Ernst Karpfinger, Präsident der Rübenbauern, versteht die Aufregung nicht: "Wenn ein Kilo Zucker 1,20 Euro kostet, ist er das meiner Meinung nach auch wert. Wir haben jetzt wieder die Zuckerpreise von 2005 und damit ein Niveau, auf dem auch die Bauern leben können.“ Warum der Weltmarktpreis so hoch ist, lässt sich unter anderem durch dieses Beispiel erklären: Brasilien verarbeitet einen großen Teil der Ernte zu Biosprit - die Menge für die Zuckererzeugung wird also knapper und der Preis höher. Agrana, mit der Marke "Wiener Zucker", ist der einzige Zuckerhersteller Österreichs und hält einen Marktanteil von rund 90 Prozent am heimischen Zuckermarkt. Der Agrarkonzern betreibt zwei Zuckerfabriken in Niederösterreich (Im Bild: Tulln) mit einer Produktionskapazität von über 400.000 Tonnen.
(APA, KURIER, KURIER.at / sho) Erstellt am
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