Pipelines in Österreich: Unbemerkt und unverzichtbar
Verdichterstationen sind an der Oberfläche, aber Gas-Pipelines führen großteils durch den Untergrund.
Wer genau schaut, erkennt Hinweise darauf, wenn unter einem Acker eine Erdgasleitung liegt. Im Normalfall merkt man nichts davon, wenn Millionen Tonnen Öl und Gas durch das Land gepumpt werden. Durch die mutmaßliche Sabotage der Rohölleitung TAL ist einigen Menschen vielleicht erst bewusst geworden, wie wichtig die unterirdische Infrastruktur für die Energieversorgung Österreichs ist.
Unterbrechung auf der einzigen Rohöl-Route
Die transalpine Pipeline (TAL) ist eine 753 Kilometer lange Rohrleitung, die von Triest über die Alpen bis zu Raffinerien in Süddeutschland führt. Abzweigungen führen auch zu Raffinerien in Tschechien und zur Raffinerie der OMV in Schwechat. Die heimische Abzweigung wird Adria-Wien-Pipeline genannt. Unbekannte haben Ende März in einem Wald nahe Tolmezzo einen Hochspannungsmasten beschädigt, daraufhin musste eine Pumpstation für die TAL abgeschaltet werden.
Pumpstation der TAL-Leitung im osttiroler Gruben.
Drei Tage lang war die Pipeline unterbrochen. Die Raffinerie Schwechat konnte auf Vorräte zurückgreifen und die Produktion fortsetzen. Der Vorfall zeigt aber, welche Folgen es hat, wenn ein maßgeblicher Versorgungsweg beeinträchtigt ist. Eine Alternative zur TAL gibt es nicht. Es ist die einzige Ölpipeline, die nach Österreich führt. Entsprechend vorsichtig ist die italienisch-deutsch-österreichische Betreibergesellschaft, wenn es um Kommunikation geht.
Lieber nicht so viel darüber sprechen
Sie betont, dass die Pipeline seit 60 Jahren sehr verlässlich Rohöl nach Mitteleuropa liefert. Die Unterbrechung im März sei nicht so dramatisch gewesen, wie es Medien darstellten. Zu Unterbrechungen komme es schon aus Wartungs- und Reparaturzwecken immer wieder einmal. Nichtsdestotrotz handle es sich um sensible Infrastruktur, über die man lieber nicht so viel spreche.
Ausgegraben werden Pipelines meist nur, wenn oberflächliche Reparaturen durchzuführen sind.
Gasnetz weiter verzweigt, aber nicht überall
Bei Erdgas stehen Österreich mehrere Versorgungswege zur Verfügung. Seit dem Abwenden von Russland aufgrund der Ukraine-Invasion kommt der Großteil des Gases aus Deutschland nach Österreich, der Rest hauptsächlich über Italien. Wenn man sich die Struktur des Gasnetzes ansieht, offenbart sich sofort, dass es lange Zeit in die andere Richtung ging. Über den Knotenpunkt Baumgarten an der Grenze zu Slowenien floss russisches Gas Richtung Deutschland und Italien.
Im Osten Österreichs ist das Gasnetz weit verzweigt. Zwischen den Hauptsträngen West-Austria-Gasleitung WAG (Deutschland) und Transalpine Pipeline TAG (Italien) gibt es Querverbindungen.
Zum Westen hin werden die Verbindungen spärlicher. Eine "Tauernleitung" zwischen Salzburg und Kärnten wurde aus wirtschaftlichen Gründen nicht realisiert. Die "Hochfilzenleitung" zwischen Salzburg und Tirol entsteht gerade. Die WAG erhält unterdessen auf ihrem westlichsten Abschnitt eine zweite parallele Rohrleitung, den "WAG Loop". Er soll die Übertragungskapazität aus Deutschland steigern.
Das weitverzweigte Netz der Rohrleitungen im Untergrund.
Kriminelle Energie hielt sich bisher in Grenzen
Die großen Gasleitungen des Landes sind zwar in über einem Meter Tiefe vergraben, aber dennoch sichtbar. Alle 70 bis 200 Kilometer gibt es an der Oberfläche Verdichterstationen, um den Gasfluss konstant zu halten. Die kriminelle Energie, hier absichtlich Beschädigungen anzurichten, habe sich bisher in Grenzen gehalten, erklärt Peter Jurik von Austrian Gas Grid Management (AGGM).
Abteilung im Innenministerium überwacht Bedrohungslage
Zu Schäden komme es dennoch hie und da. "Dann rücken alle verfügbaren Leute aus und reparieren das. Die Versorgung wird so rasch wie möglich wieder aufgenommen." Als kritische Infrastruktur beobachten Behörden den Sicherheitsstatus der Leitungen aber genau. Die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) im Innenministerium berät Betreiber zu physischen, organisatorischen und hybriden Bedrohungen.
Laut AGGM hat jeder Netzbetreiber Krisenpläne. Die DSN betreibt auch ein Frühwarn- und Informationssystem, mit dem Betreiber rasch über mögliche Bedrohungen benachrichtigt werden. Sie tragen die primäre Verantwortung für die sichere Energieversorgung. Die Aufgaben des Staates seien Unterstützung, Koordination, Überwachung und die Stärkung der Resilienz.
Wasserstoffnetz kommt noch dazu
In Zukunft wird Öl- und Gas-Pipelines auch Infrastruktur für einen weiteren Energieträger hinzukommen: Wasserstoff. Ein Wasserstoff-Leitungsnetz soll in den kommenden Jahren aufgebaut werden. Den Anfang werden eine Leitung im Osten Österreichs (H2 Collector Ost) und in Oberösterreich (H2 Backbone WAG + Penta-West) machen. Danach sollen auch bisherige Erdgas-Leitungen schrittweise umgewidmet werden. Ab 2030 soll an den meisten Hauptsträngen für Erdgas auch Wasserstoff verfügbar sein.
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