Energiehunger pumpt Kurse von Pipelinebetreibern nach oben

Milliardenaufträge für neue KI-Projekte versprechen Stabilität.
Energiehunger pumpt Kurse von Pipelinebetreibern nach oben

Nordamerika, angeführt von den USA, ist der weltweit größte Produzent von Erdöl und Erdgas, getrieben durch den Fracking-Boom. Damit die Rohstoffe von Bohrturm zu den Abnehmern gelangen, sind Pipelines notwendig. Auf Herstellung, Errichtung und Betrieb haben sich einige Konzerne spezialisiert, allen voran das kanadische Unternehmen Enbridge. Dieses betreibt ein riesiges, kontinentübergreifendes Pipelinenetzwerk in Nordamerika, das rund 60.000 Kilometer an Fernleitungen sowie mehr als 200.000 Kilometer an kleinräumigen Verteilnetzen für Unternehmen und Haushalte umfasst.

Generell profitieren Pipelinebetreiber derzeit von einem Boom der Nachfrage nach Erdgas, der durch Exporte von Flüssigerdgas (LNG) sowie durch stark zunehmende Stromerzeugung infolge der wachsenden Nutzung von Künstlicher Intelligenz und Rechenzentren angetrieben wird. Enbridge teilte im Februar mit, dass sich Projekte im Wert von 39 Milliarden kanadischen Dollar (24 Mrd. Euro) in der Pipeline befinden. „Wir treiben weiterhin mehr als 50 Rechenzentrumsprojekte in ganz Nordamerika voran, die eine neue Transportkapazität von bis zu 283 Milliarden Litern pro Tag erfordern“, sagte CEO Greg Ebel.

Der Konzern investiert aber auch in erneuerbare Energien. Aktuell in ein 740-Mio.-Euro-Projekt in Wyoming für ein großes Technologieunternehmen sowie ein Onshore-Windprojekt in Texas im Wert von 250 Mio. Euro zur Unterstützung der Rechenzentrumsaktivitäten von Meta Platforms.

Erwartungen übertroffen

Die Jahreszahlen übertrafen die Erwartungen der Analysten. Die Aktie liegt auf einem Rekordwert und hat heuer bereits 14 Prozent zulegen können. Zwar dürfte laut Analysten der Kurs auf Jahressicht das Ende der Fahnenstange erreicht haben. Allerdings liegt die Dividendenrendite aktuell bei 5,3 Prozent und das Unternehmen hat die Ausschüttungen 31 Jahre infolge erhöht.

Der texanische Mitbewerber Energy Transfer wiederum betreibt ein riesiges Netz von rund 225.000 km an Pipelines in 44 US-Bundesstaaten. Neue Verträge, etwa mit Oracle-Rechenzentren, sichern zusätzliche Nachfrage. Die Aktie legte heuer schon 15 Prozent zu und kann auf eine Dividendenrendite von 7 Prozent verweisen. Die Ausschüttung wächst laut Management jährlich um drei bis fünf Prozent. Die meisten Analysten raten zum Aufstocken bzw. Kauf des Titels, das durchschnittliche Kursziel liegt 15 Prozent im Plus.

Dritter im Bunde ist Enterprise Products Partners. Diese Aktie liegt heuer sogar 17 Prozent im Plus und kommt auf eine Rendite von knapp 6 Prozent. Das Unternehmen hat die Ausschüttung 27 Jahre gesteigert und verfügt über hohe Bonität. Im Vergleich zu den Mitbewerbern gilt die Aktie als unterbewertet.

Generell haftet Pipelinebetreibern das Attribut der Umweltzerstörung an. Immer wieder gibt es rechtliche Konflikte bei Neuerrichtungen, vor allem mit indigenen Völkern. Erst im März sprach ein Gericht Energy Transfer in einer Klage gegen Greenpeace 345 Millionen Dollar Schadenersatz zu.

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