Rumler: "Impfen gehört zu den Meilensteinen der Medizin"

© Kurier/Gilbert Novy

Wirtschaft
04/13/2019

Pfizer-Chef Rumler: „Wichtig, mehr übers Impfen aufzuklären“

Der Österreich-Chef des US-Pharmakonzerns über Impfmüdigkeit, Zeckeninvastion, lokale Pharma-Produktion und Medikamenten-Engpässe.

von Anita Staudacher

Der US-Pharmariese Pfizer betreibt in Österreich klinische Krebsforschung und stellt in Niederösterreich Zeckenschutz-Impfstoff für den Weltmarkt her. Österreich-Chef Robin Rumler fordert ob der Masernfälle mehr Aufklärung übers Impfen und erklärt, warum Arzneien oft nicht lieferbar sind.

KURIER: Aktuelle Masernfälle sorgen für eine Debatte über Impfpflicht. Ihre Meinung?

Robin Rumler: Das ist eine gesellschaftspolitische Frage, die wir immer diskutieren werden. Grundsätzlich sind die Österreicher Impfmuffel und daher schlechter geschützt als in anderen Ländern. Daher ist es wichtig, aufzuklären und aufzuzeigen, was es bedeutet, wenn ich eine Impfung bekomme.

Was sagen Sie den Impfskeptikern?

Impfungen gehören zu den Meilensteinen der Medizin und sind eine der erfolgreichsten Präventionsmaßnahmen. Dass heute noch Impfungen angezweifelt werden, dürfte eigentlich gar nicht mehr sein.

Pfizer stellt in Orth an der Donau FSME-Impfstoff für den Weltmarkt her. Merken Sie eine Impfmüdigkeit auch beim Zeckenimpfen ?

Nein, in diesem Bereich nicht. Die Leute fürchten sich offenbar vor den Zecken und hier ist auch das Bewusstsein da, dass die Impfung wichtig ist. Die Durchimpfungsrate liegt jenseits der 80 Prozent und ist relativ stabil, nur bei der Auffrischungsimpfung könnte es besser sein.

Mildere Temperaturen begünstigen die Zeckenverbreitung in Europa. Merken Sie eine steigende Impfstoff-Nachfrage?

Es stimmt, mit der Erderwärmung dringt die Zecke in immer mehr Regionen vor, etwa in den Norden nach Skandinavien und Russland. In Orth stellen wir jährlich 12 Millionen Dosen FSME- und Meningitis-Impfstoff für Österreich, Europa und die Welt her. Wir sehen durchaus eine steigende Nachfrage, die das Werk auch in Zukunft festigt. Pfizer hat in den vergangenen Jahren mehr als 20 Millionen Euro in den Standort investiert und wir sind derzeit sehr zufrieden wie es läuft.

Zuletzt häufen sich in Österreich die Medikamenten-Engpässe. Was läuft hier falsch?

Man muss unterscheiden zwischen Liefer- und Versorgungsengpass. Pfizer hatte im Vorjahr eine Liefersicherheit von 97,3 Prozent. Wir haben 140 Medikamente in 500 Packerln. Sie sehen also, in welch wenigen Fällen es tatsächlich zu Lieferschwierigkeiten kam. Aus Sicht des Patienten geht es um die Versorgung selbst – also bin ich für meine Krankheit mit einer Therapie versorgt. Diese ist in Österreich fast immer gewährleistet.

Aber wenn nur eine wichtige Arznei nicht lieferbar ist, kann das problematisch sein...

Klar, wenn ein Produkt fehlt, ist das natürlich ein Problem. Medikamente kosten in unterschiedlichen Ländern unterschiedlich viel. Österreich ist eher ein günstiges Preisland. Es ist nicht verboten, dass ein Medikament dann vom Ausland gekauft wird. Apotheken, Großhandel, Industrie und Behörden müssen hier eng zusammenarbeiten, um die optimale Versorgung zu sichern.

Viele Medikamente bzw. Wirkstoffe werden aus Kostengründen in Billiglohnländern Asiens hergestellt. Braucht es wieder mehr Produktion in Europa?

Ich würde mich freuen, wenn wir noch mehr Produktion in Europa hätten, vor allem auch in Österreich. Pfizer ist überall, nicht nur in Billiglohnländern. Wir haben weltweit 58 Produktionsstätten, davon 16 in Europa, eines in Österreich. Das zeigt schon, dass uns an der Versorgungssicherheit viel liegt.

Stichwort Sozialversicherungsreform. Aus 21 Trägern werden fünf. Ein richtiger Schritt?

Eine Vereinfachung von 21 auf fünf Kassen erscheint logisch. Auch die Stärkung des niedergelassenen Bereichs macht allemal Sinn. Für uns ist wichtig, dass wir mit allen Beteiligten im System auch in Zukunft eng zusammenarbeiten. Ich erwarte mir keine negativen Auswirkungen auf die Versorgung mit Medikamenten.

Die Medikamentenpreise sind ein wesentlicher Kostenfaktor im Gesundheitssystem. Der Rahmen-Pharmavertrag lief 2018 aus. Wie geht’s weiter?

In den vergangenen Jahren sind die Preise nur moderat angestiegen, im Vorjahr um etwa drei Prozent. Von einer Kostenexplosion kann keine Rede sein. Darüber hinaus geben Pharmafirmen Rabatte, die in diesen drei Prozent gar nicht abgebildet sind. Die Kassen haben dadurch eine Menge Geld gespart. Wir sehen eigentlich keine Notwendigkeit für einen neuen Rahmenvertrag. Selbstverständlich arbeiten wir mit der Sozialversicherung zusammen und führen laufende Gespräche.

Pfizer hat viele neue Arzneien in der Pipeline. Wann kommen die Produkte auf den Markt?

Wir haben zirka 60 neue Arzneien in der Forschung. Schwerpunkt ist hier die Krebstherapie, aber auch seltene Erkrankungen, innere Medizin, Impfungen sowie immunologisch und entzündliche Krankheiten. Ich erwarte in nächster Zeit konkret zwei neue Krebsmedikamente, eines im Bereich Lungenkrebs, eines gegen Brustkrebs. Wir haben auch ein neues Medikament gegen eine seltene Herzerkrankung und Neurodermitis in der Zulassung. Es geht also Schlag auf Schlag. Wir hoffen, dass die neuen Therapien rasch beim Patienten ankommen, dass die Türen geöffnet und Bürokratie weiter abgebaut wird.

Sie haben schon vor zwei Jahren einen „Masterplan Gesundheit“ gefordert. Geschehen ist seither wenig. Muss nicht mehr in der Prävention geschehen?

Stimmt. Wir liegen bei Alkohol, Rauchen oder Übergewicht im oberen Bereich, hier muss endlich gehandelt werden. Ich würde mir wünschen, dass Prävention und Gesundheit in ein ganzheitliches Programm mit konkreten Zielen gegossen werden. Das Thema Gesundheit muss einen Pep haben. Wenn ich eine gesündere Zukunft schaffe, hat das nicht zuletzt positive Auswirkungen auf die Wirtschaft.

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Pfizer: Nummer 2 am Pharmamarkt

Pfizer ist mit 48 Mrd. Euro Umsatz  und 90.000 Mitarbeitern der zweitgrößte Pharmakonzern  der Welt hinter Novartis.  Der Viagra-Hersteller   ist mit mehr als 100 Medikamenten auf dem österreichischen Markt  vertreten  und verkauft  mit ThermaCare, Vitasprint oder Centrum auch    rezeptfreie Produkte.  In Orth werden FSME- und Meningitis-Impfstoffe für den Weltmarkt hergestellt.

Pfizer Österreich  beschäftigt 500 Mitarbeiter, davon 250 in der Produktion   in Orth. Zuletzt wurden 212 Mio. Euro umgesetzt und 54 Mio. Euro investiert. Es finden  in Koop.  mit Spitälern und  Ärzten rund 20 klinische Studien statt. 

Robin Rumler (55) ist seit 2009 Geschäftsführer von Pfizer Austria und  ist Vize-Präsident der Pharmig, die die Interessen von 120 Pharmafirmen vertritt.

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