© Kurier/Gilbert Novy

Interview
09/27/2021

Pfizer-Chef Robin Rumler: "Bei Impfstoffen sind wir Weltmeister"

Pfizer erzeugt den begehrten COVID-19-Impfstoff Comirnaty. Österreich-Chef Robin Rumler zum besten Jahr der Firmengeschichte und warum das trotzdem kein Glück ist

von Sandra Baierl

Sie waren die Ersten. Gemeinsam mit BioNTech produziert das US-Unternehmen Pfizer ein Vakzin gegen COVID-19. Österreich-Chef Robin Rumler über den Firmenerfolg, die Produktion in Orth/Donau und Forschungsmeister Europa.

KURIER: Sie haben 100 Medikamente im Portfolio, ich nehme an, alles dreht sich derzeit um Ihr Corona-Medikament.

Robin Rumler: Wir tragen eine sehr große Verantwortung. Die Pandemie ist die eine Sache, alle anderen Therapiefelder die andere. In Österreich alleine haben wir etwa 1,5 Millionen Menschen, die mit unseren Produkten und Therapien ein Leben führen.

Wenn Sie zurückblicken: Wie waren die vergangenen eindreiviertel Jahre für Pfizer?

Plötzlich war dieses Virus auch in Europa. Wir haben sofort alle Datenbanken aufgemacht, haben weltweit Wissenschaftler zusammengebracht, auch mit anderen Unternehmen. Und dann haben wir gesagt, wir arbeiten mit jenem Partner, mit dem wir schon längere Zeit zusammengearbeitet haben, mit BioNTech.

Wir sind in der vierten Welle, müssen eine dritte Impfwelle starten. Wie sieht es mit den Produktionsmengen aus?

Es gibt ausreichend Impfstoffe. Wir schaffen es, heuer drei Milliarden Impfstoff-Dosen zu produzieren, nächstes Jahr sogar vier. Für die vierte Corona-Welle sollte eine Auffrischung erfolgen. Derzeit sind die Impfstoffe dafür aber noch nicht zugelassen. Wenn dies erfolgt ist, dann haben wir genug Impfstoffe im Land, um das durchführen zu können.

Die Verteilung ist dann ohnehin geregelt.

Ganz klar. Es ist ein Agieren im Schulterschluss. Man muss sich vorstellen, dass die ganze Welt COVID-19-Impfstoffe haben will. Aus meiner Sicht war es ein guter Zug, dass man sich als EU entschlossen hat, gemeinsam aufzutreten. Rückblickend betrachtet ist das gut gelaufen.

Wie oft muss man den Impfstoff adaptieren? Die Produktion findet in vier europäischen Werken statt. Ist das sicher genug?

Es sind vier Werke in Europa, fünf in den USA. Und etwa zwanzig weitere Vertragsproduktionsstätten weltweit. Wir sind hier sehr gut aufgestellt. Die Frage nach der Adaptierung des Impfstoffes ist natürlich wichtig. Wir beobachten selbstverständlich das Mutieren des Virus. Im Augenblick ist es so, dass der vorhandene Impfstoff funktioniert. Wir könnten innerhalb von sechs Wochen den Code ändern und innerhalb von wenigen Wochen auch eine normale Produktionsleistung sicherstellen.

Ist eine Produktion in Orth an der Donau ein Thema?

Die Produktion in Orth ist ein großartiges Werk. Wir produzieren dort Impfstoffe, wie etwa die Zecken-Impfung, für den weltweiten Markt. Das müssen wir auch weiter sicherstellen. Das Werk ist damit komplett ausgelastet.

Ein Impfstoff, der auf der ganzen Welt heiß begehrt ist, ist so etwas ein Glücksfall für ein Pharma-Unternehmen?

Ich will und kann es nicht Glücksfall nennen. Aber es ist ein Höhepunkt. Und natürlich sind wir unglaublich stolz, dass wir hier entscheidend beitragen können. Der wirtschaftliche Aspekt ist natürlich auch gegeben und nicht von Nachteil für ein Unternehmen. Ein großer Teil unserer Gewinne geht aber immer in Forschung und Entwicklung: wir investieren heuer zehn Milliarden Dollar.

Ich gehe davon aus, dass dieses Produkt ein Goldesel ist.

Dieses Produkt macht jetzt weltweit Furore, wenn ich das so sagen darf. Sie kennen wohl unsere Firmenentwicklung: Wir hatten heuer eine Umsatz-Erwartung von etwa 42 Milliarden Dollar, wir werden jetzt irgendwo in Richtung 80 Milliarden Dollar gehen. Das ist natürlich gewaltig. Auf der anderen Seite darf man die Investitionen nicht vergessen, die jetzt stattgefunden haben. Aber ja, es ist ganz klar ein wirtschaftlicher Erfolg.

Wie schwierig wäre es für ein anderes Unternehmen, den Impfstoff nachzubauen?

Der Impfstoff besteht aus zirka 280 Bestandteilen, die werden in 86 Zulieferungsunternehmen hergestellt und die wiederum kommen aus 19 Ländern. Und auch wenn man das alles hat, muss man sie entsprechend zusammensetzen. Da bringe ich wieder das Know-how ins Spiel. Und die Logistik. Und die Distribution. Man kann sich also vorstellen, dass das nicht so einfach ist.

Was macht das mit den Preisen, wenn ein Produkt so stark nachgefragt ist?

Die Preise halten sich an internationale Verträge. Sie variieren teilweise nach der Kaufkraft der Länder – und das ist auch gut so.

Heißt: Er kostet pro Dosis zwischen fünf und 15 Euro – das bleibt?

Ungefähr so. Mit keinen groben Preissteigerungen.

Wir haben viel von Forschung und Entwicklung gesprochen. Wie sehen Sie den Forschungsstandort Europa? Europa hat ja immerhin das Rennen beim Impfstoff gemacht.

Also im Bereich Impfstoffe sind wir Weltmeister. Europa ist das Herz der Impfstoffforschung geworden. Hier werden mittlerweile etwa 75 Prozent aller Impfstoffe für den Weltmarkt produziert, viele Impfstoffe werden hier auch komplett entwickelt. Da ist wahnsinnig viel Know-how. Man darf auch nicht vergessen, dass ein Impfstoff komplexer herzustellen ist als manch anderes Medikament. Wir setzen sehr stark auf Europa und auf die europäische Produktion.

Also keine Abwanderungstendenzen.

Wir bemühen uns sehr, den Standort Europa auszubauen. Ich denke, das wird auch so bleiben.

Wie steht der Pfizer-Chef eigentlich zum Thema Impfpflicht?

Meine persönliche Meinung, und ich bin von meiner Ausbildung her Mediziner: Ich glaube, eine Pflicht ist nicht der Weg zum Ziel. Ich gebe aber auch zu, dass es immer schwieriger wird, zu überzeugen. Es ist klar, dass Impfungen definitiv der Ausweg aus der Pandemie sind. Das muss man vermitteln.

Es geht in großen Schritten auch zum Impfstoff für Kinder. Wie sieht es da aus?

Wir können aktuell den Impfstoff ab zwölf Jahren verabreichen. Alles Weitere ist Zukunftsmusik, die aber hoffentlich bald gespielt wird.

Sie sind soeben zu einem der attraktivsten Arbeitgeber in Österreich gekürt worden. Warum?

Ich glaube, wir leben eine sehr offene, kommunikative Kultur. Es motiviert natürlich auch, wenn man erfolgreich ist.

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