Europaweit werden derzeit Lebensmittelproben gezogen.

© dpa-Zentralbild/Jens Büttner

Pferdefleischskandal
02/19/2013

Nestlé entdeckt Pferde-DNA in Produkten

Zwei Teigwarengerichte wurden aus dem Verkauf genommen. Österreichs Regierung will sich für mehr Transparenz in der EU stark machen.

von Simone Hoepke

Der Pferdefleischskandal macht auch vor dem größten Lebensmittelkonzern der Welt nicht halt. Nestlé hat in Italien und Spanien Nudelgerichte (Buitoni Beef Ravioli und Beef Tortellini) sowie in Frankreich Tiefkühl-Lasagne vom Markt genommen. Die Packungen haben nicht deklariertes Pferdefleisch enthalten. Sie sollen bei einem deutschen Zulieferer vom Band gelaufen sein. In Österreich erhältliche Nestlé-Produkte sind nicht betroffen.

Bei der Agentur für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (AGES) laufen die Kontrollen indes auf Hochtouren. 43 Proben – von Burgern über Fertiggerichte bis zu Kebabfleisch – werden unter die Lupe genommen, ständig weitere Proben angeliefert. Erstes Zwischenergebnis: 28 Analysen bzw. Gutachten sind abgeschlossen, nur eine Probe war positiv. Das betroffene Produkt, „Combino Tortelloni“, hat Lidl mittlerweile aus dem Verkehr gezogen. Mitte nächster Woche sollen weitere Ergebnisse am Tisch liegen.

400-Euro-Test

Mittels DNA-Test wird nicht nur kontrolliert, ob dem Rind auch Pferdefleisch untergemengt wurde. „Wir prüfen auch auf die Parameter Huhn, Ziege, Schaf, Esel,Schwein und Pute“, erklärt AGES-Geschäftsführer Heinz Frühauf. Noch nie hätte es so umfangreiche Untersuchungen wegen des Verdachts auf gewerbsmäßigen Betrug gegeben, sagt er. Die Kosten für eine Untersuchung inklusive Gutachten belaufen sich übrigens auf rund 400 Euro pro Probe.

In Deutschland wurden in der Zwischenzeit 360 amtliche DNA-Analysen durchgeführt. Die Prüfer wurden in 24 Fällen fündig. Jetzt werden neben Fertiggerichten und Schlachtbetrieben auch Großküchen unter die Lupe genommen. Wer Hauptverursacher und Mitververantwortliche des Lebensmittelskandals sind, ist allerdings noch nicht geklärt. Der Guardian hat die Vertriebswege eindrucksvoll nachgestellt.

Einig sind sich die Experten nur, dass grenzüberschreitende Ermittlungen nötig sind, um die Drahtzieher des gewerbsmäßigen Betrugs zu überführen. Sie dürften mit dem falsch deklarierten Fleisch gut verdient haben. Experten zufolge ist Pferdefleisch in Rumänien um bis zu 80 Prozent billiger als Rindfleisch.

Den Konsumenten ist die Lust auf Fertiggerichte jedenfalls noch nicht vergangen. Die Verkaufszahlen sind laut Händlern nicht rückläufig.

Koalition für EU-weite Datenbank

Ich bin fest davon überzeugt, dass die Konsumenten wollen, dass man aus diesem Schaden klug wird", sagte SP-Bundeskanzler Werner Faymann am Dienstag im Pressefoyer nach dem Ministerrat. Auch VP-Vizekanzler Michael Spindelegger pochte auf stärkere Kontrollen. Es brauche eine transparente Herkunftskennzeichnung sowie eine EU-weite Datenbank für Produkte, so die Position Österreichs.

Man werde deshalb den Druck für solche Maßnahmen innerhalb der EU "beibehalten und erhöhen", kündigte SP-Gesundheitsminister Alois Stöger an, der vor allem bei bearbeiteten Lebensmitteln - das Pferdefleisch war ja in Fertiggerichten gefunden worden - Handlungsbedarf sieht. VP-Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich bekräftigte seine Forderung nach einem „Reisepass für Lebensmittel." Es brauche eine „klare Herkunftskennzeichnung“, was er beim Agrarministerrat kommende Woche in Brüssel auch vorschlagen werde.

Kulinarische Tabus

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