Wirtschaft
06.06.2017

Paukenschlag: Pecik verlässt Telekom-Aufsichtsrat

Ex-Großaktionär verabschiedet sich mit Hauptversammlung am 9. Juni aus dem Gremium.

Paukenschlag im Aufsichtsrat der teilstaatlichen, rund 18.000 Mitarbeiter großen Telekom Austria. Der ehemalige Großaktionär und Investor Ronny Pecik verabschiedet sich mit dem Stichtag der Hauptversammlung am Freitag, den 9. Juni, aus dem Aufsichtsrat.

Pecik informierte zu Wochenbeginn den Aufsichtratspräsidenten der Telekom, Ex-OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer (SPÖ), und den Vize-Vorsitzenden Carlos Moreno, Statthalter des Mehrheitseigentümers América Móvil, über seinen Rücktritt. Pecik ist seit 2012 Mitglied des Aufsichtsrates, drei Jahre davon agierte er als Vize-Chef. Sein Mandat bei der börsenotierten Telekom Austria wäre noch bis 2018 gelaufen.

Für Außenstehende mag der vorzeitige Rücktritt des gelernten Investmentbankers und Selfmade-Unternehmers überraschend sein, für Insider allerdings weniger. Offiziell soll Pecik, hört man, Zeitmangel als Grund für seinen Rücktritt angeben. Tatsächlich aber gab es zwischen Pecik und Alejandro Plater, dem CEO der Telekom-Holding, immer wieder unterschiedliche strategische Auffassungen.

So soll Pecik beispielsweise bei den Auseinandersetzungen zwischen Plater und A1-Chefin Margarete Schramböck hinter der Spitzenmanagerin gestanden sein. Die Tochter A1 ist das Kernstück und der größte Gewinnbringer des Konzerns. Platers Plan, A1 von einer AG in eine GmbH mit weisungsgebundenen Managern statt Vorständen abzustufen, scheiterte am Veto von Finanzminister Hans Jörg Schelling, ÖVP.

Bemerkenswert dabei: Plater gilt als der Vertraute von Daniel Hajj, dem CEO von América Móvil und Schwiegersohn von Konzerngründer Carlos Slim. Hajj hatte Plater gegen massive Kritik von österreichischer Seite gehalten. Die Staatsholding ÖBIB verwaltet die 28,4 Prozent der Republik an der Telekom Austria. Pecik sitzt allerdings nicht auf einem österreichischen Ticket, sondern ist als Nominierter der Mexikaner im Aufsichtsrat.

Der einstige Großaktionär Pecik hatte sich schrittweise direkt und über Optionen in die Telekom eingekauft, bis er 22 Prozent an der Gruppe besaß. Nachdem der ägyptische Telekom-Unternehmer und Milliardär Naguib Sawiris wieder ausgestiegen war, verkaufte Pecik – mit Unterstützung der damaligen "alten" Staatsholding ÖIAG – seinen Telekom-Anteil 2012 an América Móvil.

Damals wurde ein Preis von rund 883 Millionen kolportiert. Es wurden alle möglichen Summen genannt, doch wie hoch der Gewinn des Investors Pecik wirklich war, ist bis heute nicht bekannt. Heute haben die Mexikaner bei der Telekom die Mehrheit und das alleinige Sagen. Ein Syndikatsvertrag sichert der Republik Österreich lediglich Vetorechte.

Pecik hatte als Aufsichtsrat die Sanierung der Telekom vorangetrieben, die auf einem riesigen Schuldenberg saß, die Dividende nur noch auf Pump zahlen konnte und von den Skandalen der Vergangenheit eingeholt wurde. Dabei hatte auch der eine oder andere Vorstand abgehen müssen.