Das Foto vom Dienstag (09.09.2003) zeigt zwei 25 mg Tabletten Viagra, die auf der Medikamentverpackung liegen. Am 15. September 1998 wurde die Potenzpille des US-Pharmakonzern Pfizer in der Europäischen Union zugelassen. Nach Angaben von Pfizer wurden in Deutschland seit der Einführung am 1. Oktober rund 30 Millionen Tabletten abgegeben. Foto: Uli Deck dpa/lsw (zu dpa Korr "Fünf Jahre Viagra in Deutschland - 30 Millionen Tabletten verkauft" vom 10.09.2003)

© APA/Uli Deck

Preisschlacht
05/28/2013

"Billig"-Viagra ab Juni auch in Österreich

Patentschutz von Pfizer läuft aus: Schon 16 große Generika-Hersteller haben Zulassung für Potenzpille.

von Anita Staudacher

Vor 15 Jahren kamen die kleinen blauen „Wunderpillen“ erstmals auf den Markt. Seither lässt sich mit Viagra vor allem eines: prächtig Geld verdienen. 2012 setzte der US-Pharmakonzern Pfizer mit seinem „Präparat zur Behandlung von erektiler Dysfunktion“ 1,6 Mrd. Euro um.

Ab 22. Juni wird der Kuchen neu verteilt. Dann läuft der Patentschutz für Viagra (Wirkstoff Sildenafil) in vielen Ländern Europas, darunter Deutschland und Österreich, ab. Die Hersteller sogenannter Nachahmer-Präparate (Generika) scharen bereits in den Startlöchern. Ab 23. Juni dürfen sie loslegen.

In Österreich haben laut AGES bereits 16 Pharmakonzerne Zulassungen für insgesamt 76 Viagra-Präparate in der Tasche. Als Fixstarter gelten die Generikariesen Teva/Ratiopharm, Hexal/Sandoz oder Actavis. Weil die Entwicklungskosten niedriger sind, können Generika-Potenzpillen erheblich billiger angeboten werden als das Originalpräparat. In Österreich ist Viagra ein verschreibungspflichtiges Medikament, wird aber nicht von der Krankenkasse bezahlt. Die Preise bewegen sich je nach Stärke des Wirkstoffs zwischen 56 und 211 Euro. Experten rechnen ab dem Sommer mit einer regelrechten Preisschlacht. Vertriebsmitarbeiter der Pharmariesen würden bereits ausschwärmen, um Apotheken auf ihr Produkt einzuschwören, ist zu hören.

In Slowenien, wo der Patentschutz bereits früher ausgelaufen ist, bietet der Pharmakonzern Krka unter dem Markennamen „Vizarsin“ einen um 30 Prozent billigeren Viagra-Klon an. Actavis vertreibt sein Billig-Viagra bereits in Bulgarien.

Pfizer selbst will das Billigfeld nicht einfach der Konkurrenz überlassen und bringt schon Anfang Juni ein Generikum, das nur ein Viertel des Originals kosten soll.

Medikamente führen die Hitliste bei den Fälschungen an

Die Fälschung von Markenprodukten ist weltweit ein riesiges Problem. Der Schaden beläuft sich nach Schätzungen auf 125 Mrd. Dollar (96,7 Mrd. Euro) oder 2,5 Millionen gefährdete Arbeitsplätze.

Auch in Österreich haben die Zollfahnder alle Hände voll zu tun, gefälschte Produkte aus dem Verkehr zu ziehen. Am Donnerstag wurde dazu der alljährliche Produktpirateriebericht im Parlament präsentiert und es zeigt sich – dank besserer Aufklärung – ein rückläufiger Trend.

Konkret wurden im Vorjahr in Österreich 2344 Sendungen mit gefälschten Produkten abgefangen und dabei 182.046 Artikel aus dem Verkehr gezogen. Die Waren hätten – als Originale – 4,2 Mio. Euro gekostet. 2011 waren 3201 Sendungen mit knapp 98.000 Artikeln den Zollfahndern ins Netz gegangen, der Wert war noch bei 5,3 Mio. Euro gelegen.

Bittere Pillen

Ein besonderes Problem stellen dabei weiterhin die Medikamentenfälschungen dar. Der heimische Zoll gilt hier in der EU als besonders erfolgreich im Aufgriff der illegalen Produkte. Vielfach helfen hier die von Fälschungen betroffenen Firmen und machen auf Problemsendungen und wie man solche erkennt, aufmerksam.

Im Gegensatz zu Briefen darf die Behörde Pakete aufmachen und kontrollieren. Experten sehen recht schnell, ob sie es mit dem Original oder einer Fälschung zu tun haben. Nach China kommen die meisten Fälschungen übrigens aus Indien – praktisch zur Gänze sind das vermeintliche Medikamente.

Wenn der Zoll gefälschte Produkte findet, informiert er den Empfänger und die Firma, deren Waren betroffen sind. Wenn beide zustimmen, dann wird die Sendung vernichtet, erläuterte Gerhard Marosi, Experte für Produktpiraterie im Finanzministerium. Zu 95 Prozent gibt es dieses Einverständnis. Der Empfänger wird in der Regel nicht bestraft – außer dass er das Produkt nicht erhält und den Kaufpreis abschreiben kann.