Karl Schellmann vom WWF: "Bezahlen die Folgen unseres Overshoots mit zerstörten Lebensräumen"

© REUTERS/DAVID GRAY

Welterschöpfungstag
08/19/2014

Lieber Erdenbewohner, dein Budget ist aufgebraucht

Bodenschätze, Überfischung und Co.: Heute hat die Menschheit den Jahresvorrat an Ressourcen konsumiert.

von Stefan Hofer

Stellen Sie sich vor, Sie erledigen am Montag den Einkauf für die ganze Woche, müssen also damit "haushalten". Doch Freitag ist der Kühlschrank leer. Dumm gelaufen. Bevor Sie aber auf die Idee kommen, nächste Woche besser zu wirtschaften, zapfen Sie das Haushaltsbudget der kommenden Woche an, um den Vorrat aufzufüllen. Auch kein verantwortungsbewusster Firmenchef würde dauerhaft so handeln. Doch den Konzern Erde führen wir auf Pump. Der "Welterschöpfungstag" soll diese Ressourcenverschwendung vor Augen führen.

Rund um den Globus machen Umweltschutzorganisationen auf den "Overshoot Day" aufmerksam - in Österreich sind dies der WWF, Greenpeace und Global 2000. Dieses Jahr fällt der Tag auf den 19. August.

"Auf Kosten zukünftiger Generationen"

"Ab jetzt leben wir von den Vorräten des nächsten Jahres und damit auf Kosten von zukünftigen Generationen“, mahnt Wolfgang Pekny von der Plattform Footprint. Schrumpfende Regenwälder, Artenverlust, Überfischung der Meere, Bodenerosion und Trinkwasserknappheit - Pekny zählt nur einige Probleme auf.

Das Global Footprint Network berechnet, wie viel Biokapazität (Ressourcen und Naturleistungen) die Erde für uns jährlich bereithält. Diesem "Angebot" wird die Nutzung durch die Menschheit gegenübergestellt. Zum Wettstreit um die Ressourcen kommt das globale Verteilungsproblem.

Weltweit leben 85 Prozent der Menschen in Ländern, die deutlich mehr verbrauchen, als sie reproduzieren können. Vor allem in Europa wird überkonsumiert. Hätte hingegen jeder die Ansprüche eines durchschnittlichen Inders, könnte das Ökosystem sogar 14 Mrd. Menschen tragen, so die Theorie. Auch wenn der "Overshot Day" eine Zahlenspielerei ist - die Ressourcenverschwendung ist Realität.

Wie der Mensch der Erde zu schaffen macht

Österreich im roten Bereich

Auch finanziell und an Bodenschätzen reiche Staaten wie Österreich kommen nicht mit dem aus, was das eigene Land bietet: "Wir beanspruchen die Ressourcen von mehr als "eineinhalb Mal Österreich" und liegen damit genauso schlecht wie der Weltdurchschnitt", ergänzt Hanna Simmons von Greenpeace.

In anderen Worten: Bei gerechter Aufteilung würde jedem Menschen unserer Erde maximal 1,7 Hektar zustehen. Herr und Frau Österreicher verbrauchen derzeit aber durchschnittlich 5,3 Hektar.

Karl Schellmann vom WWF Österreich ergänzt: „Allein auf dem Energiesektor wird das sehr deutlich. Die in Österreich verbrauchte Energie wird zu fast zwei Dritteln aus autoritären Staaten wie Kasachstan, Russland, Nigeria oder Libyen importiert. Die dort lebenden Menschen bezahlen die Folgen unseres Overshoots mit zerstörten Lebensräumen, verseuchten Gewässern, Armut und sozialen Konflikten“, so Schellmann. Aus Sicht des WWF-Klimareferenten kann Österreich seine Öko-Schuld nur durch systematische Halbierung des Energieverbrauchs und einen konsequenten Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energieträger abbauen.

Zum Ausprobieren

Mit dem Footprint-Rechner auf www.mein-fussabdruck.at kann jede und jeder den eigenen Ökologischen Fußabdruck berechnen und bewusst verkleinern.

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