Wirtschaft
05.12.2011

Osteuropa: Gefahr der Ansteckung

In Osteuropa sinkt die Nachfrage während das Risiko steigt. Die Gefahr der Ansteckung mit der Schuldenkrise ist groß.

Konjunktur-Prognosen werden in Zeiten wie diesen prinzipiell nur nach unten revidiert. "Eine schwache Erholung mit blauen Flecken" lautete im März die Vorschau des Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) für Osteuropa. "Die Erholung wird schwächer, die Flecken werden dunkler und die Risiken größer", heißt es acht Monate später.

Das größte Risiko sieht WIIW-Experte Peter Havlik in einer "Ansteckung" der Staaten in Ost- und Südosteuropa durch die Schuldenkrise der Eurozone. Denn die Vorschau des WIIW für Osteuropa ist durchwachsen. Ab 2012 drohe ein Nachfragerückgang und eine neue Kreditklemme. Zumal von der Exportwirtschaft dieser Länder keine großen Impulse zu erwarten sind.

Die Vorgaben der Österreichischen Nationalbank für heimische Banken mit Töchtern in Osteuropa interpretiert Havlik im Hinblick auf die strengeren Bestimmungen von Basel III als "Vorsichtsmaßnahme mit Signalwirkung." Ab 2012 dürfen nicht mehr als 110 Euro Kredit auf 100 Euro lokale Einlagen vergeben werden.

Das größte Wachstumspotenzial sieht Havlik in den baltischen Ländern. Ungarn gilt als Sonderfall. Die Wirtschaftsdaten schauen auf den ersten Blick ganz gut aus. Ungarn hat eine positive Leistungsbilanz und einen Haushaltsüberschuss. Erreicht wurde das allerdings durch kurzfristige Maßnahmen ohne nachhaltige Wirkung, kritisiert das WIIW. So wurden die privaten Pensionskassen zur Budgetsanierung zweckentfremdet und befristete Sondersteuern eingeführt. "Die ungarische Wirtschaft wird zehn Jahre stagnieren", lautet Havliks Schlussfolgerung.

Schrumpfkur

Auch die österreichische Industrie ist laut dem Einkaufsmanagerindex der Bank Austria weiter auf Schrumpfkur. Der Index sank von 48 auf 47,6 Punkte und fiel damit auf den tiefsten Wert seit Juli 2009. Nach dem tollen Jahresbeginn 2010 geht es seit dem Sommer bergab. Trotzdem rechnet Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer mit einem Industrie-Wachstum von etwa sieben Prozent.