Wirtschaft
12.06.2017

Opel-Chef Neumann zurückgetreten

Nachfolger wird der bisherige Finanzchef Michael Lohscheller.

Opel-Chef Karl-Thomas Neumann ist von seinem Amt als Sprecher der Geschäftsführung zurückgetreten. Er bleibe aber Mitglied in der Geschäftsführung, bis der Verkauf von Opel/Vauxhall an den französischen Autokonzern PSA abgeschlossen sei, teilte Opel am Montag mit. Zu seinem Nachfolger wurde der bisherige Opel-Finanzchef Michael Lohscheller ernannt. Damit werde ein nahtloser Übergang des Unternehmens an PSA gesichert. Neumann erklärte, es sei „eine schwierige, persönliche Entscheidung“ gewesen.

Die Übernahme von Opel durch den PSA-Konzern soll in der zweiten Jahreshälfte über die Bühne gehen, der 31. Juli sei der frühest mögliche Zeitpunkt, sagte ein Opel-Sprecher vor wenigen Tagen. Bis dahin müssten aber alle Voraussetzungen erfüllt sein, besonders die Freigabe durch die Kartellbehörden. Wie die "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" bereits am Sonntag berichtete, sehe Neumann die Übernahme durch PSA nach wie vor als richtigen Schritt. Er sorge sich jedoch, ob die Franzosen die einschneidende Wirkung der Elektromobilität richtig erkennen.

Der frühere VW-Manager Neumann hat in Rüsselsheim eine Menge bewirkt. Seit 2013 stand er an der Spitze des traditionsreichen Autobauers, der in den Jahren davor etliche Chefwechsel und dramatische Momente erlebt hatte. Neumann hat vor allem das Image von Opel wieder auf Vordermann gebracht. Der frühere Opel-Betriebsratschef Klaus Franz bedauerte im Gespräch mit der "Automobilwoche" bereits den möglichen Rückzug Neumanns. "Ich persönlich habe schon lange mit Neumanns baldigem Abschied gerechnet, denn eine Persönlichkeit wie er kann schlicht und einfach nicht unter einem PSA-Chef Carlos Tavares arbeiten", sagte er am Samstag der Fachzeitung.

2,2 Milliarden für Übernahme

PSA will den deutschen Konkurrenten kostengünstiger organisieren. Die Franzosen sollen für das GM-Europa-Geschäft inklusive der britischen Opel-Schwester Vauxhall und der Finanzsparte rund 2,2 Mrd. Euro zahlen. Opel/Vauxhall beschäftigt etwa 38.000 Mitarbeiter in sieben europäischen Ländern, die Hälfte davon in Deutschland. Die Beschäftigten in den deutschen Werken sind über einen Tarifvertrag bis Ende 2018 vor Entlassungen sicher. PSA unterhält eigene Entwicklungszentren mit rund 13 000 Beschäftigten, so dass Doppelfunktionen und Job-Streichungen zu erwarten sind.

Die Franzosen haben sich und Opel ehrgeizige Ziele gesetzt. Nicht weniger als einen "europäischen Champion" will PSA-Chef Carlos Tavares mit der Übernahme des deutschen Konkurrenten Opel schmieden. Allerdings stehen Opel nach Ansicht von Experten davor noch einige harte Sanierungsschritte bevor. Bis 2020 soll Opel wieder profitabel sein. Einen Drei-Jahres-Plan soll es dafür geben, bei dem das Opel-Management in der Pflicht ist. In den letzten Monaten hatten beide Seite mehrfach betont, dass Neumann dabei an Bord bleiben solle, auch wenn es hinter den Kulissen auch manche Zweifel gab.