Beim Eintritt in das OPEC-Gebäude wurde Temperatur gemessen

© APA/AFP/ALEX HALADA

OPEC
03/06/2020

Coronavirus: Der Öl-Markt hat sich angesteckt

Das Treffen der Energieminister in Wien stand ganz im Zeichen der Epidemie. Ergebnis: Die Ölförderung wird reduziert.

von Irmgard Kischko

Wenn die Ölminister der 14 OPEC-Staaten zu ihren Treffen in die Wiener OPEC-Zentrale kommen, werden sie üblicherweise von Hunderten von Journalisten mit Fragen bedrängt. Fernsehstationen aus aller Welt, Zeitungsjournalisten und Ölmarktanalysten der großen Investmenthäuser verfolgen jedes Wort der OPEC mit Akribie.

Gestern, Donnerstag, aber begrüßten Rot-Kreuz-Mitarbeiter die OPEC-Minister beim Eingang zum Verhandlungssaal in Wien. Allen Verhandlern und ihren Begleitern wurde zunächst die Körpertemperatur gemessen. Auf großen Bannern wurde darauf hingewiesen, sich die Hände gründlich zu waschen, Händeschütteln und Umarmungen zu vermeiden. Und Journalisten waren im OPEC-Gebäude dieses Mal gar nicht zugelassen.

Das Coronavirus ist aber nicht nur auf den Bannern das große Thema. Es ist auch der eigentliche Grund, warum die Ölminister diese Woche nach Wien gereist sind. Schon seit dem Ausbruch der Krankheit im Jänner in China ist eines klar: Die Ölnachfrage wird weit weniger stark ausfallen, als die Ölförderländer noch kurz zuvor erwartet haben.

Knapp 100 Millionen Fass Öl pro Tag verbraucht die Welt, etwa 28 Millionen Fass davon liefern die OPEC-Länder. Das Nachfragewachstum, das zunächst auf mehr als eine Million Fass pro Tag für heuer geschätzt wurde, wird es bei weitem nicht geben. Allein China braucht derzeit vier Millionen Fass weniger Öl pro Tag als vor der Virus-Krise.

Das Land hat seinen Ölbezug aber noch nicht so stark reduziert, ein Gutteil der Importe landet daher in den Öllagern. Die Folge: Auch wenn sich das Coronavirus in den nächsten Monaten nicht mehr weiter ausbreitet, wird China seine Ölnachfrage nicht sofort erhöhen.

Ölminister unter Druck

Für die OPEC ist das ein denkbar schlechtes Umfeld, zumal schon zuvor die Ölnachfrage nicht gerade boomte. Das Öl-Kartell hatte seine Förderung daher schon bei seiner jüngsten Sitzung Anfang Dezember in Wien erneut limitiert. 2,1 Millionen Fass Öl pro Tag werden zusammen mit den Nicht-Mitgliedsstaaten der so genannten OPEC+ (siehe Faktenleiste unten) weniger produziert als im Jahr 2017. Aber das reichte nun nicht mehr, um einen Verfall des Ölpreises zu verhindern.

Seit Jänner ist der Ölpreis um rund 20 Prozent gefallen. Die Ölförderländer der OPEC aber hängen enorm von Einnahmen aus dem Verkauf des „schwarzen Goldes“ ab. Und mit 50 Dollar je Fass, das Öl aktuell kostet, kommen die meisten dieser Länder nicht aus. Saudi Arabien etwa, das enorm billig Öl aus dem Wüstensand pumpen kann, hat sein Budget mit 80 Dollar je Fass (159 Liter) kalkuliert, um keinen weiteren Schulden aufzubauen. Seit dem „Arabischen Frühling“ Ende 2010 hat das Land seine Sozialausgaben in die Höhe geschraubt, um die Bevölkerung zu beruhigen und weitere Proteste gegen das Regime zu verhindern.

Trotzdem hat das größte Förderland innerhalb der OPEC zuletzt seine Ölproduktion schon freiwillig reduziert. 9,7 Millionen Fass Öl pro Tag pumpte Saudi Arabien im Februar aus dem Boden, um 400.000 Fass weniger als im Monat zuvor. Bei den Verhandlungen in Wien drängte das Land daher die anderen Mitgliedsländer, ebenfalls den Förderhahn etwas zuzudrehen.

Der Beschluss, 1,5 Millionen Fass weniger zu produzieren, kam dann überraschend schnell. Schon Donnerstag Mittag kam die Meldung, die OPEC sei sich einig. Der Ölpreis ließ sich davon nicht beeindrucken und fiel.

Mitglieder
Saudi Arabien, Irak, Iran, Vereinigte Arabische Emirate, Kuwait, Venezuela, Nigeria, Angola, Katar, Algerien, Äquatorialguinea,      Gabun, Kongo, Libyen

OPEC+
Zehn Länder kooperieren mit der OPEC: Russland, Kasachstan,  Aserbaidschan, Bahrain, Brunei, Malaysien, Mexiko, Oman, Sudan und Südsudan

45 Millionen
Die OPEC produziert mit der OPEC+ zusammen etwa 45 Millionen Fass Öl pro Tag. Das ist etwas weniger als die Hälfte des täglichen Weltölbedarfs

USA
Wichtige Ölproduzenten sind aber weder in OPEC noch OPEC+: USA, Kanada, Brasilien und Norwegen

Russische Frage

Das Problem: Die OPEC hat in die 1,5 Millionen Fass Förderkürzung auch Russland einbezogen. Der Energieminister des Landes, Alexander Nowak, abreist aber erst am Freitag nach Wien, um mit der OPEC zu verhandeln. Zuletzt zeigte sich Russland nicht besonders kooperativ. „Sie können auch mit einem tieferen Ölpreis leben“, sagt Ölmarktexperte Hannes Loacker von Raiffeisen Capital Management (RCM).

Doch mit dem Kürzungsbeschluss habe die OPEC einen ordentlichen Druck auf Russland aufgebaut. Stimme nämlich Nowak nicht zu, wäre Saudi Arabien wohl sehr erzürnt. Die Ölmärkte seien jedenfalls verunsichert, deshalb falle der Preis, betonte Loacker.

Aber auch wenn Russland am Freitag zustimme, dürfte der Ölpreis nicht nach oben schießen. Die Nachfrage sei sehr schwach. Manche Analysten meinen sogar, dass es heuer erstmals seit der Finanzkrise gar kein Nachfragewachstum geben wird. Optimisten unter den Förderländern hoffen noch, dass der tägliche Ölbedarf um bis zu eine Million Fass pro Tag wachsen könnte.

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