Wirtschaft 12.03.2014

Österreichs Banken müssen aufräumen

Die EZB zwingt mit Bilanzchecks die 128 größten Banken Europas zum Handeln. © Bild: APA/EPA/BORIS ROESSLER

Um sich für EZB-Bilanzcheck fit zu machen, werden Risiken in Osteuropa reduziert.

Die Milliarden-Abschreibungen der Bank Austria (BA) haben am Dienstag überrascht. Dieser Schritt ist ein "Befreiungsschlag", sagte Bankchef Willi Cernko. Weitere Großbanken würden folgen. Antworten auf Fragen zur Lage der heimischen Banken in Osteuropa gibt der KURIER.

War es notwendig, dass die BA den Wert all ihrer Töchter in Osteuropa auf null gestellt hat?

Die Lösung ist radikal und bringt unterm Strich ein gewaltiges Minus in der Bilanz. Andererseits ist nun sichergestellt, dass keine weiteren Abschreibungen aus diesem Posten folgen können. Investoren begrüßen die Maßnahme, was sich auch in einem starken Anstieg des Aktienkurses der BA-Mutter UniCredit widerspiegelte. Zudem wurde operativ, also im Kerngeschäft der Bank, ein Gewinn erzielt, die BA ist also eine gesunde Bank.

Was hat das mit dem Bilanzcheck der Europäischen Zentralbank (EZB) zu tun?

Die EZB nimmt heuer die 128 größten Banken Europas unter die Lupe (darunter Erste, Bawag, ÖVAG, RZB, RLB OÖ sowie NÖ, die BA über die UniCredit). Dabei sollen größere Risiken ausgemacht werden, die sich im Falle einer Krise für die Bank bzw. infolge das ganze System negativ auswirken könnten. Mit der erfolgten Abschreibung eliminiert die BA eines der möglichen Risiken. Die RZB wiederum hat mit der Kapitalerhöhung ihrer Tochter RBI vorgesorgt. Bankexperte Stefan Pichler von der WU Wien erwartet für Österreichs Institute "keine bösen Überraschungen".

Sind die Risiken im Osten nach wie vor so groß?

Alle Länder Osteuropas über einen Kamm zu scheren, wäre falsch. In Polen oder Tschechien etwa entwickelt sich die Wirtschaft gut. In anderen Ländern wie Ungarn oder am Balkan gibt es hingegen Probleme, ebenso im Krisenherd Ukraine. Österreichs Banken sind dort über Kredite und Staatsanleihen in Milliardenhöhe engagiert.

In welchen Ländern stehen Österreichs Institute vor einem Rückzug?

Die Ukraine steht an erster Stelle. Schon vor Ausbruch des Konflikts lahmten die Geschäfte, die Erste Bank zog sich bereits im Vorjahr zurück, die RBI wollte ihre Tochter verkaufen, mangels attraktivem Angebot liegt der Plan aber auf Eis. Auch die BA will aussteigen. In Rumänien wiederum sucht die ÖVAG noch einen Käufer ihres verlustreichen Ablegers. Schwierig ist die Lage auch in Slowenien und Ungarn. Und die Hypo Alpe-Adria wartet ohnehin flächendeckend auf Interessenten.

Wo gibt es noch Wachstumschancen?

Neben der Türkei hat Russland das größte Potenzial. "Der Konflikt mit der Ukraine macht aber die weitere Entwicklung schwierig zu prognostizieren", sagt Pichler. Generell schrecke mangelnde Rechtssicherheit ab.

War es ein Fehler, in den Osten zu expandieren?

Nein, sagen Experten und Ratingagenturen. Pichler: "Auf die Nase gefallen ist nur die Hypo, und die ÖVAG ist zu spät und zu teuer eingestiegen."

Erstellt am 12.03.2014