Der Maguari HS1 von Hispano Suiza soll bald präsentiert werden

© Hispano Suiza

Wirtschaft
03/04/2019

Österreicher will spanische Luxus-Automarke wiederbeleben

Hispano Suiza. Erwin Himmel entwickelt in Villach ein Auto, das rund 2,2 Millionen Euro kosten soll.

von Horst Bauer

Gut acht Jahrzehnte war es still um die ehemalige Luxusmarke Hispano Suiza. Jetzt gibt es gleich zwei Projekte, die das automobile Dornröschen wachküssen wollen. Während auf dem Genfer Salon der Großenkel des seinerzeitigen Gründungs-Financiers eine Elektro-Sportwagen-Studie unter diesem Label präsentiert, wird in Villach gerade das erste Modell eines Supersportlers namens Maguari HS1 GTC fertiggestellt, der ebenfalls den Markennamen Hispano Suiza trägt.

Der Mann hinter diesem Projekt, der ehemalige Audi-Designer Erwin Himmel, im KURIER-Gespräch über die Wahl von Villach als Entwicklungs-Stützpunkt, das Konkurrenz-Projekt und die Pläne mit der Marke.

KURIER: Was hat Sie bewogen, die Entwicklungsabteilung von Hispano Suiza gerade in Villach anzusiedeln?

Erwin Himmel: Die Entscheidung dafür ist 2016 gefallen, weil Österreich in der Automobilbranche eine wichtige Rolle spielt und speziell für so kleine, hochwertige Strukturen wie unsere ideal ist. Und Villach ist perfekt gelegen auf der Achse zwischen München und Modena, wo viele unserer Partnerbetriebe zu Hause sind. Außerdem haben wir Entwicklungspartner in Kärnten, in Oberösterreich, in der Steiermark und in Wien. Dafür ist Villach ein perfekter Standort.

Woher stammt der V-10-Motor für den Maguari?

Dieses fantastische Triebwerk kommt von Audi, wird bei uns aber komplett überarbeitet. Wir haben zwei Turbolader dazu entwickelt plus zwei Elektro-Kompressoren, mit denen das kleine Turboloch kompensiert wird. Zusätzlich werden Details im Motor ausgetauscht und zum Teil durch Titan-Teile ersetzt, damit sie die höhere Belastung aushalten. Diese Arbeiten werden alle in Villach durchgeführt – mit deutscher Kompetenz eines spezialisierten Partnerbetriebes.

Wird Ihr derzeitiger Entwicklungs-Standort in Hinkunft für die Produktion der Serienmodelle ausgebaut werden?

Wenn wir den nächsten Schritt machen – also die Manufaktur aufbauen –, dann wollen wir uns dafür einen repräsentativeren Ort hier in Kärnten suchen als die jetzige Halle in einem ehemaligen Industriegebiet. Das muss dann unsere Visitenkarte sein, weil die Kunden, die so ein Produkt kaufen, kommen uns besuchen. Die bleiben nicht bei einem Händler, sondern wollen direkt die Produktion sehen.

Warum hat es von der Präsentation auf dem Genfer Salon 2010 bis heute gedauert, bis das Modell fertig entwickelt war?

Das Auto, das wir jetzt präsentieren, ist ja ein komplett neues Fahrzeug. Es hat in der Zwischenzeit den neuen Bugatti gegeben und damit ist die Latte wieder höher gelegt worden. Da muss man mit der Zeit gehen und im Automobilbereich sind die Prozesse eben sehr langwierig. Auch bei Bugatti hat es von der ersten Vorstellung des Modells in Genf noch sechs Jahre gedauert, bis es fertig war.

Wie viele Leute arbeiten aktuell an dem Projekt?

Die Hispano Suiza Automobilmanufaktur ist die Mutterfirma mit Sitz in der Schweiz, bei der derzeit sieben Leute arbeiten. Und in Österreich haben wir eine GmbH als Tochter der Schweizer Gesellschaft. Bei der sind es aktuell vierzehn Leute, von denen die meisten hier aus der Region kommen. Aber mit der Manufaktur kann das kurzfristig bis auf 150 Mitarbeiter nach oben gehen. Denn wir wollen vom Maguari insgesamt 300 Stück produzieren, also 50 Stück pro Jahr.

Wer sind die Kunden für so ein Auto, das rund 2,2 Millionen Euro kosten soll, und wie viele davon gibt es?

Auf der Forbes-Liste jener Reichen, die pro Jahr über 30 Millionen ausgeben, standen im Jahr 2010 offiziell 80.000 Individuen weltweit. Heute liegen wir da bei 250.000. Und der Kunde, der dieses Auto kauft, hat bereits eine Sammlung zu Hause. Das sind keine Einzelkäufer.

Wie finanziert sich so ein aufwendiges Projekt, bei dem es Jahre dauert, bis Kundengeld zurückkommt? Indem man sich Investoren dazu holt. Das war eine meiner Aufgaben in diesen Jahren seit 2010, diese Finanzierung aufzubauen. Heute haben wir mehrere internationale Investoren, die zu einem gewissen Prozentsatz an der Schweizer Firma beteiligt sind.

Wie stehen Sie zu dem anderen Hispano-Suiza-Projekt, das in Genf ebenfalls einen Supersportwagen unter diesem Markennamen präsentiert?

Da steht der Großenkel des damaligen Mitbegründers dahinter, den ich schon 2009 persönlich kennengelernt habe, weil ich ihn damals mitintegrieren wollte. Er hat aber kein Interesse gezeigt. Daraufhin habe ich mir die Markenrechte in Europa gesichert, die nicht er zu vergeben hatte, weil es eine tote Marke war. Bei einer Marke ist es nämlich wichtig, dass sie aktiv ist.

Und wie lange war Hispano Suiza nicht aktiv? Die Autoproduktion wurde in Barcelona schon in den 30er-Jahren vom spanischen Diktator Franco geschlossen. Danach hat man zwar noch ein paar Jahre in Frankreich unter diesem Namen Flugmotoren und Fahrwerksteile hergestellt, aber Autos wurden seit 1938 keine mehr gebaut. Und damit war auch die Marke tot. Zum Problem für die Betreiber kann das erst werden, wenn sie die Marke mit Leben erfüllen, also eine Serienversion des aktuellen Showcars Carmen irgendwann tatsächlich verkaufen wollen.

Wie haben Sie nun vor, die Marke Hispano Suiza abseits des aktuellen Modells mit Leben zu erfüllen?

Wir wollen in Zukunft noch weitere Modelle auf den Markt bringen und darüber hinaus nicht nur im Automobilbau präsent sein. Vielmehr werden wir auch mit Segel- und Motor-Yachten etwas aufbauen und im Uhren-Sektor aktiv werden.

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Zur Person Erwin Himmel: Designer und Mastermind

Der Steirer Erwin Leo Himmel  (62) arbeitete nach seiner Ausbildung an der TU Graz und dem Royal College of Art in London  lange Jahre für den VW-Konzern. Zunächst bei Audi und von 1995 an als Leiter des Design Center Europe des Konzerns in Barcelona. Dort machte er sich im Jahr 2000 mit seiner Firma Fuore Design selbstständig (Kunden: u. a. Mitsubishi und Subaru). Nach der Liquidation der Firma  2007 wandte er sich dem Projekt der Wiederbelebung der Marke Hispano Suiza zu. Er sicherte sich vor neun Jahren die Rechte an dieser Marke für Europa (mittlerweile hält er diese auch für weitere internationale Märkte)  und präsentierte 2010 eine erste Designstudie eines Modells auf dem Genfer Salon.

La Hispano-Suiza Fábrica de Automóviles S.A wurde  1904 vom Schweizer Technik-Genie Marc Birgkit und dem spanischen Investor Damian Mateu gegründet (daher der Name). Die Marke spielte zu Beginn  des frühen 20. Jahrhunderts in einer Liga mit Rolls Royce, Bugatti, Bentley und Maybach. Man entwickelte und produzierte vor allem in Paris, wo 1938 das letzte Modell  vom Band lief.