Wirtschaft 17.09.2012

Österreich "rettet" deutsche Stromversorgung

Um die Stabilität seines Stromnetzes zu gewährleisten, musste Deutschland Anfang Dezember auf österreichischen Importstrom zurückgreifen.

Acht österreichische Energieversorger - von der Wien Energie bis zum Verbund - haben Anfang August 2011 Post von der deutschen Bundesnetzagentur bekommen. Sinngemäß heißt es in den Schreiben, dass es im süddeutschen Raum im Falle eines extrem strengen Winters zu Stromdefiziten kommen könnte. Die österreichischen Betreiber mögen ihrem Nachbarn bitte aushelfen. Das tun sie auch: Die beiden größten Stromkonzerne, die Verbund AG und die Energieversorgung Niederösterreich (EVN), sowie die Stadtwerke aus Wien halten zusätzliche Kraftwerks-Kapazitäten bereit. Und mussten diese auch schon zur Verfügung stellen.

Der Netzbetreiber Tennet musste am 8. und 9. Dezember 2011 erstmals auf die Kaltreserve zurückgreifen, um die Stabilität der deutschen Stromversorgung gewährleisten zu können, berichtet die Welt. Und das obwohl sich der Dezember äußert mild präsentiert hat – von einem harten Winter noch keine Spur. Die kalte Jahreszeit gilt wegen höheren Stromverbrauchs und geringeren Erträgen aus Solaranlagen als besondere Herausforderung für Energieanbieter. Eine Sprecherin von Tennet sprach laut Welt von einer "Vorsichtsmaßnahme".

Vielmehr gibt es einen anderen Grund, warum der niederländische Betreiber Tennet, der die Hochspannungsleitungen der E.on in Deutschland übernommen hatte, auf österreichischen Strom zurückgreifen musste: In Norddeutschland sorgte das Sturmtief "Ekkehard" für volles Windkraftangebot, das aber wegen fehlender Leitungen nicht in den Süden transportiert werden konnte. Um die Belastung im deutschen Stromnetz auf der Nord-Süd-Trasse zu reduzieren, mussten in Süddeutschland Kapazitäten hochgefahren werden. Und die kamen aus Österreich: Aus dem steirischen Verbund-Kraftwerk bei Neudorf-Werndorf, das mit schwerem Heizöl betrieben wird, wurden 150 Megawatt angerufen. 470 Megawatt kamen aus den EVN-Kraftwerken Theiß und Korneuburg.

Atomausstieg

Die deutsche Regierung fasste nach der Atomkatastrophe von Fukushima eilig den Beschluss, acht der 17 Atomkraftwerke vom Netz zu nehmen und über die nächsten Jahre rasch aus der Kernkraft auszusteigen. Der Beschluss könnte vorschnell gewesen sein. Die Versorgungssicherheit bleibe durch den Atomausstieg für eine Reihe von Jahren angespannt, warnte Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur, vor Engpässen in der Stromversorgung. Die Netzagentur hat darauf verzichtet, ein stillgelegtes Atomkraftwerk als Kaltreserve für den Winter bereitzuhalten.

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( KURIER , rtr ) Erstellt am 17.09.2012