Wirtschaft
26.04.2018

Österreich ist spitze – bei der Besteuerung der Arbeit

Österreich liegt laut OECD auf Platz fünf der Hochsteuerländer. Experten raten, kleine Einkommen besonders zu entlasten.

Arbeitseinkommen sind in Österreich so stark mit Steuern und Abgaben belastet wie in kaum einem anderen reichen Land. Ein alleinstehender Durchschnittsverdiener mit rund 46.000 Euro Jahresbrutto führt 47,4 Prozent an die Finanz und Sozialversicherung ab (inklusive den Dienstgeberbeiträgen). In Europa bedeutet das Platz fünf, analysiert die Industriestaaten-Organisation OECD in ihrem jüngsten „Taxing Wages“-Bericht. Noch höher ist die Belastung in Belgien (53,7 Prozent), Deutschland, Italien und Frankreich (siehe Grafik). Im OECD-Schnitt sind es 35,9 Prozent. Für Familien mit Kindern sieht das Bild eine Spur freundlicher aus.

Wenig Spielraum

„Natürlich besteuern wir die Löhne überdurchschnittlich hoch“, sagt Arbeiterkammer-Ökonom Markus Marterbauer zum KURIER. „Bei uns sind auch die staatlichen Leistungen überdurchschnittlich gut.“ Es gebe kaum einen anderen OECD-Staat, in dem Infrastruktur oder Sozialleistungen ähnlich gut ausgebaut seien. Die Schlussfolgerung aus dem Bericht müsse sein, die Finanzierung stärker auf andere Einnahmenquellen abseits der Löhne zu verlagern.

Laut Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) hängt in Österreich fast die Hälfte der Staatseinnahmen an den Arbeitseinkommen. Von den Gesamtabgaben von 76 Mrd. Euro entfiel aber nur ein geringer Teil auf die Lohnsteuer, nämlich 19,2 Mrd. Euro. Ein viel größerer Teil von 44,2 Mrd. Euro fließt in die Sozialversicherung zur Absicherung der Arbeitnehmer durch Pensions-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung. „Wenn man wirklich die Arbeit entlasten will – und die OECD-Daten zeigen, dass die Belastung im unteren und mittleren Bereich besonders groß ist – dann hat die Lohnsteuer nur einen begrenzten Spielraum“, folgert WIFO-Budgetexpertin Margit Schratzenstaller. Da müsse man über die Sozialversicherungsbeiträge und die Lohnsummenabgaben gehen.

Die für 2020 geplante Steuerreform sollte fünf Milliarden Euro Umfang haben, wünscht sich IHS-Chef Martin Kocher. Die Entlastung sollte primär Beziehern kleiner und mittlerer Einkommen, aber auch Firmen zugute kommen. Im Gegenzug sei für ihn eine -Steuer und eine moderate Anhebung der Grundsteuer denkbar, sagte Kocher im Klub der Wirtschaftspublizisten.