Österreichs Unis sind für Doktoranden aus Nicht-EU-Ländern wenig attraktiv. Damit fehlen uns die "Einsteins von morgen".

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Innovation
03/04/2014

Österreich braucht mehr Einsteins

Gerade noch in die EU-Top-Ten geschafft – dabei war Österreich 2009 schon auf Platz sechs.

von Hermann Sileitsch-Parzer

Die Forschungserfolge von heute sind das Wachstum und die Jobs von morgen: Deshalb stehen die großen Wirtschaftsblöcke der Welt in einem ständigen Wettstreit, wer die besten Ideen hat, die innovativsten Produkte entwickelt und die meisten Patente anmeldet.

Die EU hinkt seit Jahren gegenüber den Vereinigten Staaten und Japan nach. Die gute Nachricht: "Wir haben unsere Innovationskraft rascher verbessert und konnten die Lücke zu den USA und zu Japan etwas schließen", sagte EU-Forschungskommissarin Geoghegan Quinn am Dienstag bei der Präsentation des "EU-Innovationsanzeigers" 2014. Allerdings warnte die Irin: "Südkorea konnte seinen Vorsprung noch ausbauen. Und China holt rasch auf."

Österreich stagniert

Anlass zur Sorge hat auch Österreich, das die EU-Kommission zur "Verfolgergruppe" zählt. Damit sind Länder gemeint, die knapp über dem EU-Durchschnitt liegen. Zwar blieb der hiesige Innovationswert mit 0,6 Punkten (der Höchstwert ist 1,0) konstant. In der EU-Rangliste fällt Österreich dennoch seit Jahren zurück: Andere verbessern sich viel rascher.

Im Jahr 2009 lag Österreichs Forschung auf Platz sechs. Seither geht es bergab: Aktuell reicht es gerade noch für einen Top-Ten-Platz, Irland hat uns gerade überholt.

"Das ist ein Warnschuss für Österreichs Innovationspolitik", sagt WIFO-Chef Karl Aiginger zum KURIER. Bei der Innovation knapp über EU-Durchschnitt: Das könne nicht der Anspruch für das Land mit dem zweithöchsten EU-Einkommen (nach Luxemburg) sein. "Wir haben bei der Konsolidierungsstrategie oft betont, dass Forschung, Bildung und Umwelt Vorrang haben müssen."

Österreichs Schwächen

Besonderen Aufholbedarf gibt es in Sachen Risikokapital: Es mangelt an Investoren, die innovativen Firmen mit Geld unter die Arme greifen. Dass Österreichs Akademikerquote zu niedrig ist, ist sattsam bekannt. Die EU kritisiert obendrein, dass unsere Unis für Doktoranden aus Nicht-EU-Ländern wenig attraktiv sind. Damit fehlen uns die Top-Forscher von morgen.

Österreichs Stärken

Gute Noten gibt es für die Fülle wissenschaftlicher Veröffentlichungen – gerade mit ausländischen Kollegen. "Das zeigt Österreichs gute internationale Verflechtung", kommentiert WIFO-Experte Jürgen Janger. Er sieht Österreich etwas unter Wert geschlagen: Die Statistik verfälsche einige der Kriterien zu unseren Ungunsten.

Die Forschungsausgaben von Staat und Unternehmen liegen über dem EU-Durchschnitt. Erfreulich: Österreichs Klein- und Mittelbetriebe (KMU) sind besonders eifrige Innovationstreiber. Positiv ist zudem, dass Österreichs Regionen ein ausgeglichenes Bild abgeben – es gibt keine Stadt-Land-Schere wie in Frankreich oder Spanien.

Schweden ist noch top

Die EU-Musterschüler sind wie so oft im Norden zu finden: Schwedens Spitzenplatz sei aber nicht in Stein gemeißelt, warnte EU-Industriekommissar Antonio Tajani: Das Land könnte seine Führungsrolle einbüßen – es hat sich so wie auch Großbritannien und Kroatien verschlechtert. Den größten Sprung vorwärts haben hingegen Portugal, Estland und Lettland gemacht.

Innovationskraft: So misst die EU

Der "Innovationsanzeiger" ist ein Beispiel, wie zahlenfixiert Brüssel ist: 25 Kriterien sollen die jährlichen Forschungsfortschritte messbar machen.

So fließt z.B. ein, wie viele Uni-Abschlüsse es gibt, wie viel wissenschaftlich veröffentlicht wird, wie viel Geld Staat und Firmen für Forschung ausgeben, ob Risikokapital verfügbar ist, wie gut KMU kooperieren, wie viele Patente angemeldet werden, ob Geld aus Markenrechten lukriert wird und wie viele IT-Jobs es gibt.

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