© EPA/epa Larry W. Smith

Preisverfall
12/29/2014

Ölpreis: Zwischen Jammern und Jubeln

An den Aktienbörsen lässt sich vom Preisverfall des schwarzen Goldes profitieren.

von Christine Klafl

Der Ölpreis fährt immer wieder abenteuerliche Achterbahn-Fahrten. Aktuell geht es seit Wochen rapide nach unten. Nach 110 Dollar je Fass im Frühsommer folgte der Absturz auf Werte knapp unter 60 Dollar. Im Vergleich dazu ist der britisch-niederländische Ölkonzern Royal Dutch Shell geradezu unverschämt stabil. Seit 1945, also beinahe siebzig Jahre hindurch, hat der Konzern nie seine Dividenden gekürzt. Kurz vor Weihnachten durften die Aktionäre die nächste Quartalsdividende kassieren. 0,47 Dollar (0,377 Euro) je Aktie wurden überwiesen. Die Dividendenrendite liegt oberhalb der Fünf-Prozent-Marke.

Fraglich ist, ob Royal Dutch Shell diese Stabilität beibehalten kann. Für das laufende vierte Quartal könnte es durchaus eine reduzierte Dividende geben, meinen etliche Experten. Hier ein Überblick über Branchen und Länder, die über den tiefenÖlpreis jubeln bzw. unter ihm leiden.

NEGATIV - Ölbranche Es liegt auf der Hand, dass Ölkonzerne bei tiefen Preisen weniger verdienen. Besonders leiden allerdings solche, die ausschließlich oder fast nur auf die Förderung ausgerichtet sind. Leichter haben es sogenannte integrierte Ölriesen wie Exxon Mobil, die von den Raffineriemargen profitieren. Vor allem in den Vereinigten Staaten zählen Ölkonzerne zu den großen Dividendenzahlern. "Künftig könnte die Ölbranche aber knausriger werden", meint Monika Rosen-Philipp, Chefanalystin im Private Banking der Bank Austria.

Mancher Schwarzseher unter den Analysten sagt bereits voraus, dass der Ölbranche nächstes Jahr das bevorsteht, was Banken in der Finanzkrise erlitten haben: Kleine Firmen werden es alleine nicht schaffen, zu überleben. Sogar Verstaatlichungen seien denkbar. In jedem Fall wird sich aber das Fusionskarussell schneller drehen.

NEGATIV - Eisenbahn, Banken In Europa ist das an den Börsen zwar kaum ein Thema, in den USA aber sehr wohl. Bei dem tiefen Ölpreis wird mehr Transportvolumen auf die Straßen verlagert. Das bringt US-Eisenbahnaktien unter Druck. Auch US-Regionalbanken, die den US-Frackingboom mitfinanziert haben, leiden, wenn Projekte verschoben werden, weil sie nicht mehr profitabel sind. Als Beispiel dafür nennt Rosen-Philipp North Dakota: "Das ist dort fast so wie ein Ende des Goldbooms in Kalifornien oder das Ende des Autobooms in Detroit."

NEGATIV - Flugzeugbauer Fließen in den Ländern, die viel Öl produzieren und exportieren, die Petro-Dollars spärlicher, werden wohl einige Investitionen verschoben werden. Dazu zählen etwa Großbestellungen bei den Flugzeugbauern.

POSITIV - Konsum Der tiefe Ölpreis wirkt wie eine Steuersenkung – es bleibt mehr Geld übrig. Das sollte die Ausgaben für Konsumgüter ankurbeln und damit auch die Aktienkurse entsprechender Konzerne. Zu den Gewinnern des tiefen Ölpreises darf sich damit der Handel zählen, aber auch der sogenannte zyklische Konsum, zu dem etwa Tourismuskonzerne gehören.

POSITIV - Airlines Mit dem Öl ist Kerosin billiger geworden, die Ticketpreise sind allerdings nicht gesunken – den Airlines bleibt mehr übrig. So hat der Luftfahrtverband IATA seine Gewinnprognose für die Branche für 2014 von 18 auf 19,9 Milliarden Dollar hinaufgesetzt, für 2015 werden 25 Milliarden erwartet. Zum Vergleich: 2013 waren es nur 10,6 Milliarden Dollar. An den Kursen der großen US-Airlines ist das bereits abzulesen. Aber auch bei europäischen Fluglinien wie der irischen Ryanair ging es schon steil nach oben.

POSITIV - Logistik Auch Konzerne, bei denen der Transport einen großen Kostenblock darstellen, profitieren. Ein Beispiel ist die Deutsche Post mit ihrer Tochter DHL.

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