Das Murkraftwerk Graz der Energie Steiermark.

© APA/ERWIN SCHERIAU

Wirtschaft
08/27/2020

Wunsch nach mehr Förderungen für Ökostrom

Die Vorstände der Energie Steiermark betonen den Konjunkturimpuls durch Ausbau erneuerbarer Energien

von Martin Meyrath

KURIER: Sie haben einen massiven Ausbau der erneuerbaren Energie angekündigt. Was planen Sie konkret?

Martin Graf: In den nächsten fünf Jahren wollen wir 1,2 Milliarden Euro investieren. Die Hälfte davon in Netzinfrastruktur, damit die grüne Energie auch zum Konsumenten kommt. Wer ja sagt zu Ökostrom, muss auch ja sagen zu entsprechenden Transportkapazitäten und zur Infrastruktur.

Welche Projekte zur Produktion sind in Planung?

Martin Graf: Wir haben uns das Ziel gesetzt, 300 Megawatt Windkraft in der Steiermark auszubauen, das sind rund 100 Windräder. Beispielsweise die Windparks Handalm und Stübing. Das zweite große Ziel ist 300 Megawatt in Photovoltaik, sowohl Freifläche, als auch Auf-Dach. Schlussendlich auch weitere Wasserkraftwerke, beispielsweise das Murkraftwerk in Gratkorn.

Wie viele Jobs werden dadurch geschaffen?

Martin Graf: Etwa 3.700. Aber laut einer Studie des Economica-Instituts lösen unsere Investitionen in die Netze einen Beschäftigungsmultiplikator von 2,66 aus, das heißt, ein Job in den Netzen führt zu 2,66 Jobs. Wir sind davon überzeugt, dass Investitionen in Infrastruktur und erneuerbare Energie eine Job- und Konjunkturlokomotive darstellen. Man könnte fast sagen, das ist eine Art Öko-Keynesianismus, der dadurch ausgelöst wird.

Was erwarten Sie vom Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz?

Christian Purrer: Die Rahmenbedingungen für gesicherte Investitionen in grüne Energie müssen damit geschaffen werden. Wir brauchen unbedingt Photovoltaik-Freiflächen in der Förderung. Und für uns als Steirer ist wichtig, dass es einen Ausgleich für die Mehrkosten gibt, die entstehen, wenn man am Berg Windräder baut. Wir können preislich nicht mit Anlagen in der freien Fläche konkurrieren.

Gibt es Bürgerproteste gegen ihre Ausbaupläne?

Martin Graf: Jegliches Kraftwerk ist ein Eingriff in die Natur, das muss uns bewusst sein. Die Frage ist, welche Alternativen es gibt. Natürlich gibt es immer wieder Bedenken, wo wir mit sehr viel Kommunikation und Bewusstseinsbildung herangehen. Klar ist aber, dass wir in Zukunft mehr Strom benötigen – denken Sie nur an Elektromobilität, aber auch an den Wärmesektor. Wir werden in Summe energieeffizienter, werden aber mehr Strom benötigen.

Wie hat sich die Corona-Krise bei Ihnen ausgewirkt?

Christian Purrer: In Gewerbebetrieben haben wir in Summe um 15 Prozent weniger Absatz.

Erneuerbare Energien sind volatil. Wie begegnen Sie der Speicherproblematik?

Christian Purrer: Wir sind auf vielen Fronten unterwegs. Es beginnt bei den kleinen Speichern in Haushalten. Wir beschäftigen uns aber auch mit zentralen Speicherlösungen, in die mehrere Produzenten einspeisen. Beim Thema Wasserstoff sind wir dabei, aber noch am Anfang.

Martin Graf: Wir stehen im Speichermarkt vor einer ähnlichen Entwicklung wie am Elektrizitätsmarkt in den letzten Jahren: Weg von zentralen Anlagen, hin zu einem bunten Blumenstrauß von dezentralen Kleinspeichern im Haushalt, regionalen Speichern, bis zu Großspeicheranlagen – natürlich mit unterschiedlichen Technologien.

Wie gut funktioniert die Integration privater Anlagen?

Christian Purrer: Bis dato haben wir noch alle Anfragen für dezentrale Photovoltaik-Anlagen in unser Netz eingebunden. Das hängt auch damit zusammen, dass wir mit unseren Netzen entsprechend gut aufgestellt sind. Wenn größere Anlagen dazukommen, funktioniert das nur mit entsprechendem Ausbau.

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