Mecklenburg-Vorpommern/ Ein "Lastotschka"-Zug (dt. Schwalbe) wird am Freitag (30.03.12) im Faehrhafen Mukran von einer Rangierlok auf das Faehrschiff geschoben. Der 126,5 Meter lange Breitspur-Regionalzug (1520 Millimeter) der Siemens AG wird nach Russland exportiert. Der zweite von 38 sogenannten Lastotschka-Zuegen ist fuer den Nahverkehr bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi bestimmt. Mit der Eisenbahnguterfaehre "Petersburg" wird der komplette fuenfteilige und mehr als 270 Tonnen schwere Regionalzug von Mukran nach Ust-Luga (Russland) transportiert und von dort auf eigener Achse nach Sotschi fahren. Foto: Jens Koehler/dapd

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Milliardenprojekt
07/05/2013

ÖBB: Wladiwostok–Wien in zehn Tagen

Ab 2025 sollen Güterzüge von China und Russland bis nach Mitteleuropa rollen

von Franz Jandrasits

Bis der erste Güterzug über eine neu gebaute Breitspur-Strecke von Wladiwostok nach Wien rollen kann, sind die Bahnmanager, die das Prestigeprojekt jetzt ernsthaft angehen, wahrscheinlich samt und sonders in Pension. Denn vor 2025 ist – so ÖBB-Chef Christian Kern, der am Freitag mit den Bahnchefs aus Russland, der Ukraine und der Slowakei den Startschuss für die Finanzierung einer Machbarkeitsstudie gab – mit einer Realisierung des ehrgeizigen Plans nicht zu rechnen.

Die Kosten für die Studie teilen sich die vier Länder brüderlich. Wie die auf derzeit gut 6 Milliarden Euro geschätzten Kosten für die Verlängerung der russischen Breitspur von der ukrainisch-slowakischen Grenze in den Großraum Wien aufgeteilt werden könnten, ist dagegen vorerst völlig offen. Zwar sind Russland, die Ukraine und Österreich sehr am Bau der neuen Güterverkehrsstrecke interessiert. Diese liegt allerdings mit mehr als 500 Kilometern zum größten Teil in der Slowakei. In Österreich müssen „nur“ 20 bis maximal 30 Kilometer Breitspur-Gleis plus ein Umlade-Terminal im Großraum Wien um rund 800 Millionen gebaut werden. Den Terminal würden die ÖBB laut Kern entweder alleine oder aber mit Partnern aus der Transportbranche finanzieren. Für den Bau der eingleisigen Strecke wird bereits vor den Ergebnissen der Machbarkeitsstudie eine gemischte Finanzierung der öffentlichen Hand über die jeweilige Staatsbahn und privaten Investoren – ein so genanntes PPP-Modell – überlegt.

Transportkosten

Ob sich das Projekt langfristig rechnet, ist freilich offen. Die Bahn würde zwar – so Wladimir Jakunin, Chef der russischen Bahn, der auf die rasche Anbindung an Zentraleuropa drängt – ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Schiffstransporten von Asien nach Europa deutlich verbessern. Denn statt knapp einem Monat per Schiff könnten künftig Container von China und Russland in rund zehn Tagen nach Europa transportiert werden. Allerdings sind laut Kern derzeit die Kosten der Bahn nicht wettbewerbsfähig: Mit 700 Euro pro Container von Schanghai nach Hamburg kostet der drei Mal so lange Wasserweg nur ein Drittel. Sollten sich die Preise wieder erholen, hofft die heimische Bahn auf rund 18 Millionen Tonnen zusätzliches Transportvolumen pro Jahr. Zum Vergleich: Derzeit transportiert die ÖBB-Gütertochter Rail Cargo 113 Millionen Tonnen auf der Schiene.

Arbeitsplätze

Die neue Transportschiene würde laut ÖBB in Österreich rund 120 Millionen Euro zusätzliche Wertschöpfung durch Bau und Betrieb des Terminals und etwa 3000 Jobs schaffen. Wien könnte sich als Güter-Drehscheibe – schwebt ÖBB-Chef Kern vor – zu einem „Hamburg am Festland“ entwickeln, wo Container von der Breitspur-Bahn auf die in Europa übliche Normalspur (siehe Bericht rechts) umgeladen werden.

Wien wäre vor allem durch die Kreuzung wichtiger Eisenbahn-Achsen ideal für die Anbindung an die westeuropäischen Verkehrsnetze: In Ostösterreich treffen sich die TEN-Korridore (Transeuropäische Netze) 17 (ParisBudapest), 22 (AthenNürnberg) und 23 (DanzigTriest). Dadurch ortet Kern auch die Chance, dass sich die EU im Rahmen des TEN-Ausbauprogramms an den Kosten beteiligt. Derzeit gibt es dazu aber weder konkrete Verhandlungen noch Zusagen.
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