Zum Vorstand der größten Industrieholding des Landes aufgestiegen: Thomas Schmid

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Wirtschaft
06/03/2019

ÖBAG-Chef Thomas Schmid: "Dividenden nicht auf Pump"

Der neue ÖBAG-Chef Thomas Schmid in seinem ersten Interview über Strategie und Aufsichtsräte.

Wenige Manager in Österreich stehen derart unter kritischer öffentlicher Beobachtung wie die Chefs der Staatsholding. Die Vorstände der größten Industrieholding des Landes, in der die wertvollsten Beteiligungen der Republik Österreich gemanagt werden, boten schließlich auch immer wieder Anlass für Kritik.

Zur Erinnerung: Da poppten die Spesenabrechnungen des langjährigen, bestens entlohnten ÖIAG-Chefs Peter Michaelis auf. Er ließ sogar seine Socken auf Kosten der Republik waschen.

Sein Nachfolger Markus Beyrer hatte einigen Argumentationsbedarf, weil er sich vom Lobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly auf Kosten der Telekom Austria zur Jagd einladen ließ.

Der glücklose Rudolf Kemler wurde vom Strudel der Ereignisse um den unfreiwilligen Abgang von OMV-Boss Gerhard Roiss mitgerissen und musste ebenfalls vorzeitig gehen. Nach einem jahrelangen Prozess einigte er sich im Jänner mit der Staatsholding auf eine außergerichtliche Abfindung.

Und Martha Oberndorfer durfte eine zur GmbH abgeschirrte Staatsholding (ÖBIB) ohne Kompetenzen leiten.

Die türkis-blaue Regierung stellte die Holding als ÖBAG wieder neu auf, Chef ist seit knapp zwei Monaten Thomas Schmid, zuvor ÖVP-Generalsekretär im Finanzministerium und für die Beteiligungen zuständig.

Dem Politprofi ist die Gefährlichkeit des Terrains bewusst, weshalb er sich mit öffentlichen Aussagen noch zurück hält. Der KURIER ist das erste Medium, mit dem Schmid darüber sprach, wie er seinen Job anlegt und welche Strategie die ÖBAG fahren wird.

Im jungen Experten-Team, das mit der Holding vom ehrwürdigen City-Büro in der Himmelpfortgasse in ein BIG-Gebäude im neunten Bezirk übersiedelte, herrscht Aufbruchsstimmung. Von Privatisierungen, einst Credo der ÖVP, ist längst keine Rede mehr.

„Im Vordergrund steht die Wertsteigerung der Unternehmen durch eine langfristig nachhaltige Entwicklung, Berechenbarkeit und Vertrauen auf dem Kapitalmarkt“, stellt Schmid klar.

Das erfordere eine „nachhaltige Dividendenpolitik. Die Unternehmen dürfen nicht ausgehöhlt und die Dividenden auf Pump finanzieren werden“. Die Dividenden, betont Schmid nochmals, „müssen auch verdient werden“.

Sonderdividenden

Das war nicht immer so. Die Telekom Austria beispielsweise konnte in der Vergangenheit ihre Dividende nicht mehr aus eigener Kraft stemmen und musste die Ausschüttungen an die Aktionäre fremdfinanzieren. Und wenn das Staatsbudget knapp war, zog die Politik über die Staatsholding immer wieder Sonderdividenden aus den Unternehmen.

Die ÖBAG beschickt die Aufsichtsratsmandate, die der Republik in den Unternehmen zustehen, und ist auch wieder selbst in den Gremien vertreten. Schmid: „Wir werden daran gemessen werden, dass wir gute Aufsichtsräte entsenden, sozusagen als Sparring-Partner für die Vorstände.“

Selbstbewusste Alphatiere

Diskussionen mit den Vorständen der Unternehmen, durch die Bank selbstbewusste Alphatiere, sind damit vorprogrammiert. Die ÖBAG werde sich nicht ins operative Geschäft einmischen, beteuert Schmid. „Die Strategie müssen die Vorstände vorlegen, aber die ÖBAG wird natürlich mit ihnen darüber diskutieren.“ Schmid ist klar, „dass das mit Respekt und Fingerspitzengefühl erfolgen muss und nicht wie die Elefanten im Porzellanladen“.

Beim Thema Aufsichtsräte müsse die ÖBAG unter den heimischen Industrieholdings das Best-Practice-Modell vorleben. Schmid: „Die qualitativen Anforderungen an Aufsichtsräte haben sich stark verändert. Wir wollen ein professionelles, durchgängiges Aufsichtsratsmanagement.“

Nachholbedarf ortet Schmid in Österreich beim Thema Corporate Governance, den Grundsätzen für die verantwortungsvolle Leitung und Überwachung von Unternehmen. Die ÖBAG solle das „Flaggschiff für Corporate Governance werden“. Sowie ein Thinktank für Themen des Kapitalmarktes, „eine Drehscheibe für Vernetzung“.

Auch Synergien und Know-how-Transfer zwischen den Unternehmen werden forciert. Dafür bieten sich nicht nur die Energieversorger OMV und Verbund an. Bei Photovoltaik etwa könne die Bundesimmobiliengesellschaft BIG eingebunden werden, meint Schmid.

Wäre noch das Thema Frauen. In den Aufsichtsräten erfülle die Staatsholding die Quote, „aber in den Vorständen gibt es noch Aufholbedarf“. Vorzeige-Managerin ist Casinos-Chefin Bettina Glatz-Kremsner.