© Kurier/Gilbert Novy

interview
05/15/2021

ÖBAG-Aufsichtsrat: „Politiker sind die Eigentümervertreter“

Unternehmer und ÖBAG-Aufsichtsrat Karl Ochsner über Staatsbeteiligungen, sein persönliches Verhältnis zur Politik und die Arbeit von Thomas Schmid

von Andrea Hodoschek

Der Aufsichtsrat der Staatsholding will keine FPÖ-Punze, er sieht sich politisch unabhängig. Karl Ochsner spricht mit dem KURIER über Politik und Manager in staatsnahen Unternehmen.

KURIER: Sie sind verärgert, weil Sie als FPÖ-nahe bezeichnet werden. Sind Sie das nicht?

Karl Ochsner: Ich würde mich als politisch Interessierten bezeichnen, dem vor allem Wirtschafts- und Klimapolitik wichtig sind, und auch die Standortfrage. Für mich ist es relevant, zu allen politischen Kräften ein vernünftiges Verhältnis zu haben. Es gibt in jeder Partei Persönlichkeiten, mit denen man sich sinnvoll austauschen kann. Ich bin nun einmal politisch neutral und werde das auch bleiben. Unter der rot-schwarzen Koalition ist Österreich in den Standortrankings problematisch abgerutscht. Ich hatte das Gefühl, dass ein politischer Wechsel für das Land gut wäre. Viele Ansätze von Türkis-Blau waren vernünftig, bei der FPÖ hat mir aber die Klimapolitik gefehlt und die Migrationspolitik hat mir nicht gefallen.

Als Trauzeuge von Ex-FPÖ-Chef Strache kann Ihnen diese Partei ideologisch doch nicht ganz fern sein?

Man kann befreundet sein, ohne politische dieselben Ansichten zu haben. Ich kann sehr gut zwischen politischer Meinung und Freundschaft unterscheiden. Michelle Obama und George Bush sind auch befreundet, dann muss das in Österreich ebenfalls möglich sein.

Sie kamen auf einem Ticket der FPÖ in den Aufsichtsrat der ÖBB. Obwohl ihnen dort alle gute Arbeit attestierten, hat Sie die grüne Ministerin Gewessler verabschiedet. Wie sehr kränkte Sie das?

Egal, welche Partei mich gefragt hätte, ich hätte für den Aufsichtsrat der ÖBB auf alle Fälle zugesagt. Die Aufgabe ist spannend, ich bin ein ausgesprochener ÖBB-Fan. Keine Frage, die Ministerin entscheidet über den Aufsichtsrat. Aber dass sie einen Klimaschützer, der obendrein parteipolitisch neutral ist, hinaus komplimentiert hat, ohne mit mir vorher zu sprechen, das wundert mich schon.

Also doch gekränkt?

Nein, aber verwundert.

Wie kamen Sie in den Aufsichtsrat der ÖBAG?

Ich wurde von Arnold Schiefer (damals FPÖ-Koordinator, heute ÖBB-Vorstand) angesprochen, ob ich Interesse hätte an einer ÖBAG-Aufsichtsratsposition. Nach meiner grundsätzlichen Zusage wurde ich von Hartwig Löger angerufen und habe in diesem Gespräch meine Entscheidung bestätigt.

Im Vorjahr verteidigten Sie ÖBAG-Chef Schmid und sagten, der Aufsichtsrat sei keine moralische Instanz. Würden Sie das heute auch noch?

Ich sehe den Aufsichtsrat nach wie vor nicht als moralische Instanz. Ich kannte Schmid erst seit der ÖBAG, er leistet sehr gute Arbeit und hat ein professionelles und engagiertes Team aufgebaut. Es ist nicht fair, die Wertsteigerung des Portfolios (der Beteiligungsunternehmen Telekom, Post, OMV etc.) nur auf die Aktienkurse zurückzuführen. Dass ich mich natürlich nicht über die Medienberichte freue, brauchen wir nicht zu diskutieren. Aber das ändert nichts an der guten Leistung des Managements. Schmid wird öffentlich demontiert, bis hinein ins allerhöchste Private. Auch der Aufsichtsrat hat einiges über sich lesen müssen. Es gehört viel Idealismus dazu, solche Mandate zu übernehmen. Ich will einfach nur einen vernünftigen Beitrag leisten und sonst gar nichts.

ÖBAG-Aufsichtsrat Karl Ochsner

Der ÖBAG-Job wird derzeit neu ausgeschrieben, Sie sind im Nominierungsausschuss. Glauben Sie, dass sich gute Manager jetzt überhaupt bewerben?

Wir sind in Österreich darauf angewiesen, dass wir vernünftige Manager für staatsnahe Unternehmen bekommen. Solange der Staat an Unternehmen beteiligt ist, ist die Politik als Eigentümervertreter dafür verantwortlich. Qualifikation ist eine Grundvoraussetzung, aber dass diese Manager auch das Vertrauen der politischen Parteien haben müssen, ist selbstverständlich.

Sie haben die Frage noch nicht beantwortet.

Der derzeitige Wirbel könnte den einen oder anderen Kandidaten abschrecken, aber wer ehrgeizig und engagiert ist, wird sich trotzdem bewerben. Es muss eine Vertrauensbasis zur Politik da sein, das müssen wir viel ehrlicher ansprechen. Solange der Staat an Unternehmen beteiligt ist und die gewählten Politiker als Eigentümervertreter für die Entwicklung der staatlichen Beteiligungen mitverantwortlich sind, werden und müssen sich diese aus meiner Sicht auch einbringen. Selbstverständlich unter Einhaltung aller gesetzlichen und aktienrechtlichen Vorgaben. Wenn diese Fakten von manchen nicht offen angesprochen werden, kann ich das nicht nachvollziehen. Die Alternative ist, dass sich der Staat aus allen Unternehmen zurückzieht.

Profitieren Sie als Wärmepumpenhersteller vom Klimawandel?

Niemand profitiert davon. Unser Unternehmen führt den Kampf gegen den Klimawandel seit 1978, als wir mit Wärmepumpen begonnen haben. Es geht schon lange nicht nur um das Einfamilienhaus, sondern auch um Prozesstechnik für die Industrie. Gerade dort spielt die Wärmepumpe eine immer wichtigere Rolle. Durch die Sichtbarkeit der Klima-Effekte weltweit steigt der Druck auf die Politik, niemand kann heute einen Wahlkampf ohne dieses Thema gewinnen, siehe Deutschland. Ich freue mich, dass unser Produkt einen Beitrag dazu leisten, kann, dass wir die Zukunft der nächsten Generationen sichern und unser Planet bewohnbar bleibt. Klima-Ministerin Gewessler leistet hier sehr gute Arbeit.

Ausgerechnet von Ihnen Lob für die Ministerin?

Ja. Die Klimaziele Österreichs sind sehr ambitioniert und das ist gut so. Natürlich ist es auch für den Standort wichtig, dass wir konkurrenzfähig bleiben. Österreich und Europa haben technologisch längst den Anschluss verloren, aber in der Umwelt-Technologie sind wir führend und können viele Arbeitsplätze schaffen.

Technologieführer

Das oberösterreichische Familienunternehmen wurde1872 in Schlesien als Kupferschmiede gegründet.  1978 stieg Ochsner als eines der ersten Unternehmen in die Produktion von hocheffizienten High-End- Wärmepumpen ein und ist heute Technologieführer. 90 Prozent der Produktion sind in Österreich, die 280 Mitarbeiter stammen aus 16 Nationen, 80 Prozent des Umsatzes von zuletzt 60 Millionen Euro werden exportiert. Karl Ochsner, 47, war vor dem Einstieg ins Unternehmen Manager beim US-Konzern Xerox.   

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