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Wirtschaft
03/26/2019

Oberbank: Neun Rekordbilanzen und ein verflixtes zehntes Jahr

Im Vorjahr gab es „erbitterte“ Kämpfe um Privatkredite. Nach den Rekordzahlen 2018 ist der Ausblick etwas verhaltener.

von Hermann Sileitsch-Parzer

Es klingt paradox: Viele Banker klagen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen so lange am Nullpunkt belässt. Darunter leide die Profitabilität. Dennoch legen einige erstaunlich gute Zinsergebnisse vor. So auch die Oberbank, die 2018 daraus allein 345 Millionen Euro erwirtschaftete, ein Plus von fast zehn Prozent.

Ist die EZB-Politik also doch nicht so schädlich? „Das ist für überliquide Banken ein Thema, die das Geld nicht als Kredite an ihre Kunden ausreichen können“, erklärte Oberbank-Chef Franz Gasselsberger am Montag in Wien. Die expansionsfreudige Regionalbank hatte damit keine Probleme; sie steigerte das Kreditvolumen im Vorjahr um 7,6 Prozent auf fast 16 Milliarden Euro.

Allerdings sei um die Privatkredite ein „sehr erbitterter Kampf unter allen Mitbewerbern“ ausgetragen worden. Speziell um Wohnbaufinanzierungen habe es ein „unglaubliches Gerangel“ gegeben. Die Kunden seien mündiger und besser informiert. Und die Konditionen aus Kundensicht entsprechend günstig.

Abschwung mit Ansage

Mittlerweile beobachtet Gasselsberger eine „gewisse Normalisierung“, das allzu euphorische Kreditwachstum gab es heuer nicht mehr.

Die überaus positiven Bedingungen seien inzwischen etwas verhaltener geworden. Im Jubiläumsjahr 2019 (150 Jahre) nimmt sich die Oberbank deshalb ein „operatives Ergebnis auf höchstem Niveau“ vor.

Dass sich die neun Rekordergebnisse in Folge abermals „toppen“ ließen, davon könne man nicht ausgehen. Angesicht von Brexit, Handelskonflikten, Italiens Verschuldung und den Problemen der deutschen Automobilindustrie befürchtet Gasselsberger zwar keine Rezession. Er sieht aber einen „Abschwung mit Ansage“.

„Nicht überfilialisiert“

Das Geschäftsjahr 2018 war für die Oberbank überaus stark. Der Jahresüberschuss nach Steuern stieg um 12,5 Prozent auf 226 Millionen Euro. Da dürfen auch die Aktionäre mitnaschen – die Dividende soll von 90 Cent auf 1,10 Euro je Aktie klettern.

Gestiegen ist zudem die Zahl der Mitarbeiter, von 2.050 auf 2.101. Nach elf Filialeröffnungen im Vorjahr hat Gasselsberger 2019 neun Gründungen geplant, der Fokus liegt auf Baden-Württemberg. Das für 2020 gesetzte Ziel von gesamt 180 Filialen werde wohl noch heuer erreicht. Danach dürfte das Ausbautempo sinken. Aber: „Wir sind sicher nicht überfilialisiert. In Ungarn oder Wien sind wir noch nicht am Ende angekommen.“

Das Geschäft mit der EZB

Mit einem S&P-Rating von „A“ wäre man nun gerüstet, den Kapitalmarkt auch mit größeren internationalen Investoren anzuzapfen.

Die Oberbank hat aber parallel auch die zweckgewidmeten Langfristkredite im Auge, die die EZB im Herbst auflegen will („TLTRO III“). Sollten dort die Konditionen stimmen, könnte die Oberbank erneut zugreifen. An den ersten zwei Tranchen hatte sie sich mit 850 Millionen Euro bedient. Ein gutes Geschäft: Weil die Oberbank nachweislich das Kreditangebot damit ankurbelte, erhielt sie eine nachträgliche Vergütung der EZB, die sogar Zinsen abwarf statt kostete.

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