Nutella-Engpässe wurden befürchtet

© APA/AFP/DAMIEN MEYER

Wirtschaft
06/05/2019

Nutella, ein beendeter Streik und eine süße Aufregung

Produktionsausfälle im größten Nutella-Werk sorgten für Engpass-Ängste. Was wirklich dahintersteckt.

von Anita Staudacher, Simone Hoepke

Villers-Écalles, Normandie, Frankreich: Im kleinen Städtchen nahe Le Havre stellt der italienische Süßwarenkonzern Ferrero ein Viertel seiner Nutella-Weltproduktion her. An normalen Tagen laufen hier 600.000 Gläser vom süßen Brotaufstrich vom Band. Vor einer Woche änderte sich das. 160 der 350 Mitarbeiter blockierten die Zufahrten zum Werk, so dass keine Zutaten mehr angeliefert und weiterverarbeitet werden konnten. Ohne Zutaten keine Nutella. Auch Schokoriegel der Marke Bueno waren betroffen.

Grund für die Arbeitsniederlegung war ein schwelender Lohnkonflikt. Die Gewerkschaft forderte 4,5 Prozent mehr Gehalt und eine Prämie von 900 Euro pro Mitarbeiter. Ferrero lehnte die Forderung als überzogen ab und drohte den Streikenden. Sollten sie den Produktionsablauf weiter stören, werde man ihnen per Gerichtsbeschluss eine Entschädigung von 1.000 Euro je Stunde aufbrummen.

Die Drohung zeigte Wirkung. Am Mittwoch wurde die Arbeit wieder aufgenommen und die Blockade des Geländes beendet. Ob es auch zu einer Einigung im Gehaltsstreit kam, war zunächst noch unklar.

Viele Zulieferer

Die Streik-Meldungen sorgten davor für Spekulationen über mögliche Versorgungsengpässe bei Nutella. In Internetforen war sogar von Hamsterkäufen die Rede. Ein Rundruf des KURIER in der Handelsbranche sorgte eher für Verwunderung.

„Bei uns ist noch genügend Nutella vorhanden. Und zudem gibt es massenhaft palmölfreie Alternativen“, kann sich Nicole Berkmann, Sprecherin des Handelskonzerns Spar, einen Seitenhieb auf die Zutatenliste nicht verkneifen. In den vergangenen Jahren hat das Markenprodukt aus dem Hause Ferrero zunehmend Konkurrenz bekommen, ist aber weiterhin Marktführer im Bereich süße Brotaufstriche, wie auch Rewe-Sprecherin Susanne Moser-Guntschnig bestätigt. Auch sie ist gelassen: „Wir rechnen mit keinen Versorgungsengpässen bei der Nutella-Lieferung.“

Aus der Handelsbranche ist zu hören, dass nur ein Teil der in Österreich verkauften Gläser aus Frankreich angeliefert wird. „Wir bekommen Nachschub von verschiedenen europäischen Ländern, von einem Versorgungsengpass kann keine Rede sein“, sagt ein Handelsvertreter.

Barilla greift an

Die aktuellen Streiks im Nutella-Werk dürften einen Teigwarenspezialisten in Parma freuen: Den Pasta-Riesen Barilla. Das Familienunternehmen ist auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern beim Schokonussaufstrich fündig geworden. Anfang des Jahres ist der Konzern mit der Marke Pan di Stelle (Sternenbrot) am Heimmarkt Italien an den Start gegangen. Den Kampf gegen den Weltmarktmarktführer Nutella will Barilla auch mit dem Öko-Argument gewinnen, konkret mit dem Einsatz von fair angebauten Kakao und dem Verzicht auf Palmöl.

Weltweit hat Nutella laut Euromonitor einen Marktanteil von 54 Prozent, in Italien sogar von 88 Prozent. Der bisher größte Mitbewerber, die türkische Yildiz Holding, deckt mit Cocokrem gerade einmal zwei Prozent des Weltmarktes ab.