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Finanzbranche
11/20/2019

"Nullzinsen zertrümmern die private Vorsorge fürs Alter"

Sparen bringt nichts mehr. Wie aber kann man dann fürs Alter vorsorgen? Banken und Versicherungen fordern Steuererleichterungen für die Vorsorge-Produkte.

von Irmgard Kischko

Wer für die Pension spart, verliert langfristig Kaufkraft. Weil aber attraktive Alternativen fehlen, fordert die Finanzbranche Hilfe vom Staat. "Österreich spart sich arm", lautete das Fazit einer Podiumsdiskussion des Finanzjournalistenverbandes am Montagabend. Denn trotz der nicht vorhandenen Zinsen sind im ersten Halbjahr 2019 fast sechs Milliarden Euro auf Einlagenkonten bei Banken geflossen. Bei null Zinsen und zwei Prozent Inflation sinkt die Kaufkraft des angesparten Geldes binnen einer Generation (35 Jahre) auf die Hälfte.

Renditen fehlen

Auch bei den Lebensversicherungen herrscht eine gewisse Ratlosigkeit. Denn seit 2015 schon überstiegen die Abflüsse in diesem Bereich die Einzahlungen. 2018 mussten die Versicherungen 1,3 Milliarden Euro Nettoabflüsse hinnehmen. Das liegt nicht nur an zu wenig Neukunden, sondern auch daran, dass die Versicherungen selbst auf die Bremse gestiegen sind. So bieten einige Assekuranzen klassische Einmalerläge gar nicht mehr an, weil sie die Gelder nicht mehr rentabel am Kapitalmarkt anlegen können.

Und die Aussichten, dass sich an der Rentabilität von konservativen Veranlagungen, zu denen die Versicherungen per Gesetz gezwungen sind, etwas ändert, sind gering. "Seit der jüngsten Zinssenkung der Europäischen Zentralbank gehen wir davon aus, dass die Zinsen sehr lange tief bleiben werden", sagt Peter Bosek, Chef der Erste Bank. Das Zinstief sei keine Durststrecke, durch die man durchtauchen könne. "Das bleibt", ist Bosek überzeugt. Für Robert Lasshofer, Chef der Wiener Städtischen Versicherung, ist die EZB-Zinspolitik gar "finanzieller Vandalismus". Und für Rudolf Mittendorfer, Vize-Obmann des Fachverbands der Versicherungsmakler, "zertrümmert das Zinstief die Altersvorsorge".

Weg mit der KESt

Angesichts des katastrophalen Zustands der Altersvorsorge in Österreich fordern die Branchenvertreter rasche Abhilfe durch den Staat. Punkt eins sei, die Kapitalertragsteuer zu streichen. "Da gibt es kaum noch Renditen, aber davon holt sich der Staat noch 27,5 Prozent", ärgert sich Bosek. Gestrichen werden müsste auch die vierprozentige Versicherungssteuer. Der Staat spare sich mit den Nullzinsen Milliarden an Zinslast für seine Schulden. Die Branchenvertreter halten es daher für angebracht, dass ein Teil davon in die Altersvorsorge zurückfließen sollte.

Bosek sieht aber auch die Banken in der Pflicht. Denn eine gute Alternative zum Sparbuch wäre regelmäßiges Ansparen in Investmentfonds mit Aktienanteil. Dass die Banken für die Fondseinzahlungen aber Ausgabeaufschläge von vier bis fünf Prozent verlangen, hält Bosek für nicht haltbar. "Da sind die Banken nicht besser als der Staat." Für die Altersvorsorge müssten günstigere Finanzanlagen angeboten werden.

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