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Wirtschaft von innen
02/24/2020

Neuer IV-Chef? Ein Mann für einen Kompromiss

Der SPÖ-nahe Siemens-Chef Wolfgang Hesoun hat gute Chancen, neuer Präsident zu werden

von Andrea Hodoschek

Das gab’s noch nie im ehrwürdigen Palais am Wiener Schwarzenbergplatz. Erstmals hat ein SPÖ-naher Manager gute Chancen, Präsident der Industriellenvereinigung (IV) zu werden. Das Rennen um eine der einflussreichsten und prestigeträchtigsten Interessensvertretungen dieses Landes iist nach wie vor ergebnisoffen und wird immer spannender.

Die Amtszeit des liberalen Georg Kapsch läuft Anfang Sommer aus und schon früh begann im Vorjahr das Hauen und Stechen um seine Nachfolge. Aus der Runde der Landespräsidenten wurde eine Findungskommission unter der Leitung des Burgenländers Manfred Gerger installiert. Diese kann aber nur eine Empfehlung abgeben, die im Präsidium diskutiert wird. Gewählt wird erst am 18. Juni, von den 120 Vorstandsmitgliedern. Ursprünglich wollte man in alter Tradition nur einen Kandidaten zur Wahl stellen, aber inzwischen ist alles möglich, auch eine Kampfabstimmung.

Eine Verjüngung wäre der Vorarlberger IV-Präsident Martin Ohneberg. Wobei, der Technologie-Unternehmer ist auch schon 49. Vormals Chef der Jungen Industrie, hat Ohneberg Erfahrung als Interessensvertreter und kennt aus dieser Zeit Bundeskanzler Sebastian Kurz. Der ehemalige Leistungssportler und Selfmade-Unternehmer hat allerdings das Problem, dass er im Verfahren gegen seinen Freund und Geschäftspartner Michael Tojner in Zusammenhang mit gemeinnützigen Wohnbaugesellschaften als Beschuldigter geführt wird.

Selbst wenn die Suppe angeblich dünn ist, fragt es sich, ob der Eigentümer des Autozulieferers Henn dem Staatsanwalt rechtzeitig von der Schaufel springen kann. Undenkbar, mit einem Beschuldigten-Status zur Wahl anzutreten.

Der vormalige, langjährige Voest-Chef Wolfgang Eder ist der Favorit der Oberösterreicher, der größten Landesorganisation in der IV. Inzwischen sei er angeblich bereit, gegen Mitbewerber zur Abstimmung anzutreten. Wenn er gebeten würde.

Eder wird von KTM-Chef Stefan Pierer unterstützt sowie von von Alt-IV-Präsident Peter Mitterbauer (Miba). Ihm wird nachgesagt, er plädiere für den 68-jährigen Eder, da anzunehmen sei, der Stahlmanager mache nach einer Funktionsperiode den Weg frei für Junior Franz-Peter Mitterbauer.

Andere Industriekreise bemängeln freilich Eders Distanz zur Politik, eine Folge der unerträglichen politischen Interventionen in der „Verstaatlichen Industrie“, die der Stahlmanager noch miterlebte. Der oberste Vertreter der Industrie sollte aber, wird argumentiert, einen guten Draht sowohl zur Bundes- als auch zu den Landesregierungen haben. Ebenso zu Gewerkschaft, Arbeiter- und Wirtschaftskammer.

Als Alternative zu Eder und Ohneberg dürfte Kapsch den steirischen Präsidenten Georg Knill (Energie, Technologie) favorisieren. Über Knill berichtete der KURIER bereits im April 2019. Der Steirer hat sich aus der Kommission zurückgezogen, was als Indiz für eine Kandidatur gelten kann. Hinein reklamiert hat sich dagegen kürzlich Christian Pochtler, seit dem Vorjahr Präsident der Wiener Industrie, der zweitgrößten Landesorganisation.

Breit aufgestellt

Und jetzt wird es spannend. Sein Vorgänger Wolfgang Hesoun, Chef von Siemens Österreich, wurde nun von einigen großen Unternehmen ins Spiel gebracht. Der 60-jährige ist bestens vernetzt und breit aufgestellt, Hesoun kann gut mit allen für die Industrie wichtigen Seiten.

Er hat viel Know-how als Interessensvertreter, stand acht Jahre lang an der Spitze der Wiener Industrie, wo ihm gute Arbeit attestiert wurde. Siemens Österreich ist mit 11.000 Jobs einer der größten Arbeitgeber des Landes. Hesoun gilt zwar als SPÖ-nahe, hat aber seine politische Gesinnung nie rausgehängt und ist eigentlich bürgerlich.

Außerdem hat er einen guten Zugang zu Bundeskanzler Kurz. Hesoun ging in den Standort-Beirat der Regierung zur schnelleren Realisierung von Großprojekten. Wie man hört, auf Ersuchen von Kurz. Seit dem Sommer leitet Hesoun in der Wirtschaftskammer den Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie, er übernahm von Brigitte Ederer. Die ehemalige Wiener SPÖ-Politikerin war auch seine Vorgängerin bei Siemens.

Knill oder Hesoun – man darf gespannt sein.

Frauen nur als Vize

Soviel ist jetzt schon fix, auch diesmal wird es wieder nichts mit einer Frau als Industrie-Präsidentin. Die Chefin des Familienkonzerns Salzburger Aluminium (SAG), Karin Exner-Wöhrer, hatte sich wie Ohneberg bereits geoutet, hat aber nur Chancen als Vize-Präsidentin.

Die erfolgreiche Unternehmerin ist ebenfalls gut vernetzt. Sie ist im Aufsichtsrat der AUA, der teilstaatlichen Telekom Austria und seit kurzem beim deutschen Technologiekonzern Mann + Hummel.

Doch die ältlichen Machos am Schwarzenbergplatz sind noch nicht soweit, eine jüngere Frau an ihrer Spitze zu akzeptieren. Bis heute gibt es im Bundes-Präsidium keine Stellvertreterin und nur einige Vize-Präsidentinnen in den Ländern.

Eine davon ist in Kärnten, die Infineon-Chefin Sabine Herlitschka. Sie wurde für eine Kandidatur zwar gefragt, muss derzeit aber eine Mega-Investition stemmen und lehnte dankend ab.

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