Der Ferrari SF90 Stradale ist das erste Hybrid-Modell des Autobauers

© REUTERS/HANDOUT

09/12/2021

Neuer Ferrari-Boss: Wenn ein Physiker Sportwagen fährt

Der Elektronik-Experte Benedetto Vigna hat kürzlich das Steuer des traditionsreichen Sportwagenherstellers übernommen.

von Thomas Pressberger

Italienische Medien nennen ihn Benedikt I. und haben ihn bereits zum neuen Auto-Papst erhoben. Und das, obwohl Benedetto Vigna ursprünglich gar nicht aus der Autobranche stammt. Seit Anfang September sitzt der Physiker und Halbleiterexperte am Steuer des legendären italienischen Sportwagenherstellers Ferrari.

Kann er die Kultmarke in das Elektro-Zeitalter führen, fragen sich viele Ferrari-Fahrer und -Fans, seitdem Aufsichtsratschef John Elkann den 52-jährigen vom Halbleiterhersteller STMicroelectronics kommenden Vigna vorgestellt hat. Immerhin muss er in so große Fußstapfen wie jene eines Sergio Marchionne treten. „Absolut“, sagen Ferrari-Kenner, auch wenn in Zukunft neben fundierten Elektronik-Kenntnissen nach wie vor Managementqualitäten gefragt sein werden.

Ferrari will bis 2025 die Kurve hin zu Elektro-Sportwagen kriegen, die von den Kunden auch angenommen werden. Und diese Aufgabe ist vor allem für einen Hersteller mit so viel Geschichte, der Autos mit so viel Kult herstellt, nicht einfach.

Preisfrage

Eines der überzeugendsten Argumente für eine Hybrid- oder E-Variante ist der Preis. Legt man in Österreich für einen 800-PS-Ferrari mit Verbrennungsmotor rund 170.000 Euro an -Steuer- und NoVA auf den Kaufpreis drauf, sind es bei einem Hybrid-Modell „nur“ noch knapp 40.000 Euro. Beim E-Modell sind es null Euro.

Doch da Ferraris nicht vordergründig gekauft werden, um Geld zu sparen, müssen sich die Italiener mehr einfallen lassen. Ein erster Schritt ist mit dem Hybrid-Modell SF90 Stradale gelungen. Der bringt es auf 1000 PS und wird geschickt als „noch größeres Kraftpaket“ vermarktet.

Tolles Fahrgefühl

Auch wenn Elektro-Ferrari-Fahrer in Zukunft auf den berühmten Sound, das Wummern und das Vibrieren verzichten müssen – sofern sie sich zumindest nicht ein internes und externes Soundsystem installieren lassen – so bekommen sie dafür eine noch bessere Beschleunigung. Das Fahrgefühl ist laut Experten auch in E-Sportwagen, wie dem E-Porsche Taycan, ausgezeichnet.

Vignas Aufgabe, Ferrari in die elektrische Zukunft zu führen – ab 2035 sollen in der EU ja gar keine Verbrenner mehr zugelassen werden – ist also lösbar, meinen Experten, sofern er sich auf das Wesentliche konzentriert. Denn die wichtigsten Themen für E-Auto-Fahrer seien der Ladekomfort, die Reichweite und die Fahrperformance. Und wenn sich eine E-Version so gut fahren lasse, wie ein Verbrenner, dann werde sie Erfolg haben.

Dass Elektro-Sportwagen grundsätzlich eine Zukunft haben, wird unter Branchenkennern bejaht. Es werde immer Menschen geben, die gerne mit Autos sportlich unterwegs sein wollen. Und wenn die steuerlichen Rahmenbedingungen solche attraktiver machen, dann umso mehr. Insofern stehe Ferrari mit seinem neuen Chef zwar nicht vor einer 180-Grad-Wende, aber dennoch vor einer Herausforderung.

Enzo Ferrari war ein genialer Ingenieur, vor allem aber war er rennbegeistert. Daher kam es, dass er 1929 zuerst den Rennstall „Scuderia Ferrari“ gründete und später erst eigene Autos baute. Die Scuderia Ferrari setzte anfangs Rennwagen von Alfa Romeo ein. Da Enzo Ferrari aber bald bemerkte, dass er selber noch bessere Rennautos bauen konnte, konstruierte er nach dem Zweiten Weltkrieg seine eigenen Boliden und feierte damit rasch erste Siege in der Formel 1. Heute ist der Rennstall das erfolgreichste Formel 1 Team aller Zeiten. Praktisch zeitgleich mit den Rennautos stellte Ferrari auch hochleistungsfähige Straßenwagen her.

Liebe zur Heimatstadt
Neben dem legendären Rot spielt auch die Farbe Gelb eine wichtige Rolle bei Ferrari. Sie symbolisiert die dominierende Farbe Enzo Ferraris Heimatstadt Modena und floss in das Emblem mit dem schwarzen Pferd ein. Das Pferd wurde vom Flugzeug Francesco Baraccas, Fliegerheld aus dem Ersten Weltkrieg, übernommen.

Fette Jahre

Die Latte liegt für Vigna hoch. Ferrari ist es in den vergangenen Jahrzehnten wirtschaftlich gut gegangen. Vor allem in den 2000er-Jahren haben die Erfolge des siebenfachen Formel-1-Weltmeisters Michael Schumacher (fünf Titel für Ferrari) den Absatz in die Höhe getrieben. Auch zuletzt ist er kontinuierlich gestiegen. Ferrari produziert rund 9.000 bis 10.000 Stück pro Jahr, setzt rund 3,5 Milliarden Euro um und beschäftigt 4.200 Mitarbeiter.

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