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Wirtschaft
06/20/2019

Neue Regeln für den Wettbewerb: Taxis Uber alles

Einheitliche Regeln für Taxis und Mietwagen könnten das Aus für Uber in Österreich bedeuten. Taxler jubeln, Tourismusexperten sehen eine Bedrohung der Qualität.

von Andreas Anzenberger

Die geplante Reform mit einheitlichen Regeln für Taxis und Mietwagen führt zu heftigen Kontroversen. Für die Arbeiterkammer ist sie ein „wichtiger Schritt in Richtung faire Arbeitsbedingungen“. Neos-Verkehrssprecher Douglas Hoyos ist zwar auch für neue Regeln, aber nicht für die „völlig veralteten des Taximarktes und nicht auf Kosten des Wettbewerbs und der Konsumenten“. Die Neos prüfen daher eine Klage gegen die von ÖVP, SPÖ und FPÖ angekündigte Zusammenlegung von Taxis und Mietwagen beim Verfassungsgerichtshof.

Faktum ist, dass Fahrten mit Uber um bis zu 40 Prozent billiger sind, als wenn ein Taxi für dieselbe Strecke benutzt wird. Das wird es, nachdem das neue österreichweite Gesetz im September 2020 in Kraft getreten ist, so nicht mehr geben. Alle haben dann zum Beispiel in Wien den selben Taxitarif, der vom Wiener Bürgermeister festgelegt wird. Fahrten mit Uber werden nicht mehr billiger sein als mit dem Taxi. Auch die Nachfrage nach Mietwagen hat dann keine Auswirkungen mehr auf den Tarif. Derzeit ist es bei Uber so, dass eine hohe Nachfrage die Tarife steigen lässt. Ob das Geschäftsmodell von Uber in Zukunft noch funktionieren wird, ist fraglich.

Faktum ist auch, dass Taxifahren in Österreich teurer ist als in einigen anderen EU-Ländern wie Schweden oder Frankreich. In Schweden etwa ist eine Fünf-Kilometer Taxi-Fahrt um rund 1,70 Euro billiger als in Österreich. In Deutschland hingegen ist dieselbe Strecke um 2,20 Euro teurer.

Kein Wunder, dass vor allem Junge lieber mit Uber unterwegs sind. Zumal die dazugehörige App nach digitaler Zukunft aussieht. Der Taxameter hingegen fällt beim jüngeren Publikum wohl eher in die Kategorie Retro-Technik. Außerdem kann man bei Uber günstige Fixpreise vereinbaren. Das ist auch in anderen Bundesländern interessant, wo Uber noch nicht verfügbar ist.

Langjährige Proteste

Der KURIER hat daher versucht bei der Taxi-Innung eine Stellungnahme von Gökhan Keskin, Fachgruppenobmann der Wiener Taxibetriebe, einzuholen. Über eine Presseaussendung hat Keskin dann verlauten lassen, die langjährigen Proteste hätten sich ausgezahlt. Der Prokurist von Taxi 31300, Martin Waldbauer, verteidigt ebenfalls die geplante Vereinheitlichung per Gesetz.

Taxi 31300 ist mit 49 Prozent an der Firma Airport Driver beteiligt. Der Rest gehört dem Reiseveranstalter Blaguss. Eine Fahrt von Wien nach Niederösterreich zum Flughafen Wien ist bei den Airport Drivern ab einem Fixpreis von 33 Euro zu haben. Da die Route über zwei Bundesländer führt, werde es für diese Strecke ausnahmsweise weiterhin einen Fixtarif geben, erläutert Markus Rameis, Geschäftsführer der Airport Driver.

Es geht allerdings nicht nur um die Fahrpreise, sondern auch um die Qualität des gesamten Angebots. Es gibt immer wieder Beschwerden von Fahrgästen. Dass das nicht nur Querulanten sind, sondern es durchaus Verbesserungsbedarf im Taxigewerbe gibt, zeigt die Wortmeldung des Wiener Tourismusdirektors Norbert Kettner.

Er warnt davor, Anbieter mit Limousinenservice vom Markt zu verdrängen. Diese seien „ein wichtiges touristisches Premiumsegment“. Ein „Kollateralschaden“, entstanden durch die Zusammenlegung von Taxi und Mietwagen, kann laut Kettner nicht akzeptiert werden. „Es ist zu klären, wie es mit dem Gewerbe weitergeht.“

Qualitätsverlust

Laut Kettner hat die Konkurrenz durch Mietwagen zu einer Verbesserung der Qualität bei den Taxis geführt. Mit der neuen Regelung und weniger Konkurrenz „könnte die Innovationslust sinken“. Der Tourismusdirektor verlangt, dass Tarifanpassungen für das Taxigewerbe an „entsprechende Vorgaben“ gekoppelt werden. Eine Anhebung der Kilometertarife für Taxis könne daher nur durch eine bessere Qualität des Angebots gerechtfertigt werden.