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Wirtschaft
09/18/2012

Neue Bordell-Rechnungen der Schienenfreunde

Im Skandal um das Schienenkartell soll man bei der voestalpine 58 weitere Bordellrechnungen gefunden haben.

von Josef Siffert

Sieben internationale Stahlkonzerne – darunter die oberösterreichische voestalpine und ThyssenKrupp – sollen sich Mitte der 1990er Jahre zu einem Stahlkartell zusammengetan und auf dem deutschen Markt jahrelang illegal Mengen und Preise abgesprochen haben. Das Bundeskartellamt hat über vier beteiligte Firmen in Juli Strafen über insgesamt 124,5 Mio. Euro verhängt, zwei Unternehmen wurden wegen Verjährung nicht verfolgt, ein weiteres ist mittlerweile insolvent. Die österreichische voestalpine hatte das Kartell in Brüssel gemeldet.

Im privaten Bahnsektor sollen die Unternehmen bis zum Einschreiten der Wettbewerbshüter im Mai 2011 unter dem Namen "Schienenfreunde" aktiv gewesen sein. Diese Schienenfreunde sollen auch Rotlichtfreunde gewesen sein, berichtete das Handelsblatt vergangene Woche (mehr dazu: HIER). Im Berliner Bordell "Bel Ami", liebevoll "Nebenstelle" genannt, sollen zuvor getätigte Preisabsprachen gefeiert worden sein. Einem Insider zufolge, der selbst bei mehreren Besuchen dabei war, dienten die Abende als Kitt für den Zusammenhalt des Kartells. Die Rechnungen dafür - vorerst dokumentiert sind 35 Besuche in der Zeit vom April 2005 bis Mai 2009 mit Ausgaben über 71.276,24 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer - zahlte die voestalpine. Der Konzern bestreitet, dass es einen Zusammenhang zwischen den Bordellbesuchen und dem Kartell gegeben haben soll. Thyssen-Krupp und die Deutsche Bahn erklärten, sie wüssten nichts von derlei Ausflügen.

Nun sind laut Handelsblatt weitere Rechnungen aufgetaucht. Bei einer internen Untersuchung sollen bei der voestalpine 58 Spesenrechnungen aus dem Rotlichtmilieu gefunden worden sein, bestätigt ein Konzernsprecher gegenüber dem Blatt. In Summe handele es sich um einen Betrag von rund 68.000 Euro, die von einem ehemaligen Geschäftsführer der deutschen Tochter Voestalpine Kloeckner Bahntechnik sowie von vier weiteren Beschäftigten über die Firma abgerechnet worden seien sollen. Dass sei strikt gegen die Firmenrichtlinien, weshalb man nun prüfe, ob man das Geld von den Betroffenen zurückfordern könne, so der Sprecher weiter. Vier von fünf involvierten Personen haben die voestalpine mittlerweile verlassen.

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