© Kurier/Gilbert Novy

11/23/2020

NBG Fiber: Wenn die Glasfaser aus dem Waldviertel kommt

In Gmünd/NÖ befindet sich ein Zentrum der europäischen Glasfasertechnologie.

von Anita Kiefer

Im niederösterreichischen Waldviertel würde man als Laie wohl nicht einen der zentralen Orte der Glasfaserproduktion Europas vermuten. Doch genau ein solcher entstand jetzt in Gmünd: Produziert werden hier von der NBG Fiber GmbH (eine Tochter der NBG Holding) so genannte Glasfaser-Preforms.

Aus diesen Rohlingen werden Glasfaserkabel gezogen, die schnelles Internet ermöglichen sollen. Um 50 Millionen Euro wurde die dafür notwendige Produktionshalle inklusive Anlaufkosten errichtet.

Fokus auf Europa

Entstanden ist die Idee zu diesem Unternehmen vor einigen Jahren aus der Glasfaserknappheit heraus. Man wolle sich selbst versorgen können, erklärt Holding-Boss Karl Bauer. Und den Kunden europäische Fasern bieten – für alle Kabel.

Die Corona-Pandemie spiele dem Unternehmen zusätzlich in die Hände, da die europäischen Kabelproduzenten und auch die Politik mehr Unabhängigkeit von Asien wollen, so Bauer.

Dass die Lieferketten zumindest beim ersten Lockdown nicht entsprechend funktioniert haben, hätte sich bei den Produzenten niedergeschlagen, erklärt Andre Schönauer, Geschäftsführer der NBG Fiber: „Wuhan ist relativ lange Zeit gestanden. Und in Wuhan sind 35 Prozent der Glasfaserkapazitäten der Welt zu Hause.“ Und: Rohling-Produzenten, die Glasfaser nicht nur für den Eigenbedarf produzieren, sind in Europa dünn gesät.

Die Gründung

Gegründet hat Glasfaser-Pionier Karl Bauer die Holding vor 25 Jahren. „Ich habe immer daran geglaubt, dass ich mit Fiberoptik auf das richtige Pferd setze“, sagt er zum KURIER.

In der NBG Holding sind eine Reihe von Unternehmen zusammengefasst, die sich unter anderem mit Glasfasersensorik und einem Halbfertigprodukt (bei dem die Glasfaser in Stahlröhrchen eingebaut wird) beschäftigen. Die Produkte kommen bei Hochspannungsleitungen, Unterwasserkabel und bei Öl- und Gasbohrlöchern zum Einsatz. Die Kunden sind die Großen der Branche. Etwa der US-Baugigant Schlumberger in Houston, Hexatronics und Sterlite in Indien. Die Glasfaser-Rohlinge, die künftig in Gmünd produziert werden, bestehen aus einem Kernglas (Core), das mit einem Mantelglas (Cladding) umschlossen wird. „Das führt zur Totalreflexion, um so das Licht um die Kurve zu bringen. Wenn Licht an die Grenzregion von Kern- und Mantelglas trifft, wird es wieder in den Kern zurückreflektiert“, erklärt Bauer.

5,2 Mio. Kilometer

Die ersten Rohlinge von NBG Fiber sollen Ende Dezember fertig sein. Eine 80 Kilogramm schwere Glasfaser-Preform ist rund 15.000 Euro wert. Sie zu produzieren dauert mehrere Tage. Daher werden pro Jahr in Gmünd auch nur rund 2.000 Preforms das Werk verlassen.

Aus diesen werden 5,2 Millionen Kilometer Glasfaserkabel gezogen. 360.000 Kilometer braucht NBG selbst. NBG wird die Glasfaserkabel nicht selbst ziehen, sondern für den Eigenbedarf die Glasfaser bei Fremdunternehmen ziehen lassen.

Auch wenn ein Ausbau des noch nicht einmal im Vollbetrieb stehenden Werks in weiter Ferne liegt – vorgesorgt ist: Die aktuellen Kapazitäten können fast verdreifacht werden. Die Grundstücke dafür hat sich NBG gesichert. Gebraucht wird die Glasfaser wohl werden: Der Bedarf steigt kontinuierlich. Schnelles Internet ist gefragt, und auch für die Etablierung des 5G-Mobilfunkstandards wird für jeden Sender Glasfaser gebraucht.

Auch die Corona-Pandemie konnte dem Unternehmen laut Bauer und Schönauer nichts anhaben – im Gegenteil. „Wir haben normalerweise einen offenen Auftragsstand von zwei bis 2,5 Monaten. Wir können, abgesehen von der Faser, künftig nichts auf Lager produzieren. Unsere Auftragsbücher sind jetzt bis März 2021 voll. In so einer Situation waren wir noch nie“, sagt Bauer.

Das Unternehmen hat im Lauf der Corona-Krise von einem Drei-Schicht-Betrieb auf Vollschichtbetrieb umgestellt. Warum die Aufträge gerade in der Pandemie so geboomt haben, kann er sich nicht erklären.

Wachstum steht an

Die Ziele für die Zukunft der Unternehmensgruppe hat sich Bauer ehrgeizig gesteckt. Im vergangenen Jahr stand die Gruppe bei rund 20 Millionen Euro Umsatz, bis 2025 soll sich dieser auf 100 Millionen Euro verfünffachen.

Möglich soll das auch durch Akquisitionen – zu denen Bauer noch keine Details nennen will – werden. „Mit dem neuen Werk der NBG Fiber gehen wir nächstes Jahr Richtung 55 Millionen Euro Umsatz“, so Bauer. Klappt es noch heuer mit einer der zwei geplanten Akquisitionen, werde der Umsatz rund 70 Millionen Euro ausmachen.

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