Wirtschaft
09.12.2011

Nationalbank gibt Sturmwarnung

Die heimische Wirtschaft wird 2012 nur ein Wachstum von 0,7 Prozent schaffen. Es könnte auch eine Rezession werden.

Prognosen, wie es mit der Wirtschaft weitergeht, sind derzeit äußerst heikel. Dessen ist sich Ewald Nowotny, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB, mehr als bewusst. Schließlich sollen düstere Vorausschauen schlechte Entwicklung ja nicht noch weiter verstärken.

Trotz aller Vorsicht gab Nowotny am Freitag "Sturmwarnung". Heuer schafft die heimische Wirtschaft noch ein Wachstum von 3,3 Prozent. 2012 folgt allerdings ein markanter Einbruch. Aus heutiger Sicht wird es nur noch ein Plus von 0,7 Prozent geben. Das eine oder andere Quartal könnte es auch ein Minus werden.

Stagnation

"Um den Jahreswechsel gehen wir von einer Stagnation aus. Die Hauptfrage ist: Wie lange dauert die schwierige Zeit? Dafür gibt es noch nicht genug Fakten", so OeNB-Chefvolkswirt Peter Mooslechner. Bei einer Verschärfung der Schuldenkrise kann es steil nach unten gehen, bei einer raschen Lösung der Krise dafür deutlich besser laufen.

Trotz der Sturmwarnung scheint Österreich doch besser durch die Krise segeln zu können als der Durchschnitt des Euroraums. Der wird im kommenden Jahr nur auf ein Plus von 0,3 Prozent kommen. Auch im Jahr darauf ist Österreich mit 1,6 Prozent rascher unterwegs als der Euroraum mit seinen 1,3 Prozent.

Bei dieser Entwicklung gibt es allerdings auch einen Wermutstropfen: Die Teuerungsraten in Österreich werden eine Spur höher sein als jene im Euroraum.

"Auf Basis der jetzigen Rechtslage" sieht OeNB-Gouverneur Nowotny die Chance, dass das österreichische Defizit von heuer 3,1 Prozent auf 2,9 Prozent im nächsten Jahr sinken könnte. Allerdings sagt die Prognose für 2013 wieder einen Anstieg auf 3,2 Prozent voraus. "Das strukturelle Defizit geht zu langsam zurück, das ist sicherlich zu wenig", fordert Nowotny zusätzliche Anstrengungen ein.

EZB

Als EZB-Ratsmitglied nahm Nowotny am Donnerstag am jüngsten EZB-Treffen teil. Dort wurde, wie berichtet, eine Reihe von Maßnahmen beschlossen: Der Euro-Leitzins wurde von 1,25 auf 1,00 Prozent gesenkt, Banken werden Finanzierungen für drei Jahre angeboten und die Mindestreserve, die Banken bei der EZB halten müssen, wurde auf die Hälfte reduziert.

Weniger Mindestreserve bedeutet, dass viel Geld frei wird –, das Banken etwa in Form von Krediten weiterreichen könnten. Nowotny beziffert diesen Effekt für die Eurozone mit 104 Milliarden Euro, für Österreich mit 3,1 Milliarden Euro. "Vonseiten der EZB wurde alles getan, um ein deutliches Abgleiten der Eurozone in die Rezession zu verhindern", ist Nowotny überzeugt.

Ungewohnt scharf kritisierte er dafür die Vorgabe der Europäischen Bankenaufsicht EBA, dass europäische Großbanken bis Ende Juni auf ein hartes Kernkapital von neun Prozent kommen müssen. Dieser Zeitdruck, mit dem die Banken nun in Summe 114,7 Milliarden aufstellen müssen, könne noch zu erheblichen Schwierigkeiten führen.